NORWEGEN
mit dem Wohnmobil


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14. bis 29. Juli 1999

Seit Wochen hat Rosmarie diverse Reiseführer gelesen und Karten studiert. Akribisch genau wurden die unzähligen Sehenswürdigkeiten mit unseren Interessen und einer sinnvollen Routenwahl abgestimmt. Darüber hinaus galt es, günstige Fährverbindungen zu finden und zu buchen.


Am Mittwoch, dem 14. Juli um 16 Uhr, übernehmen wir unser Wohnmobil nach einer kurzen Einweisung im Caravan Center in Markt Indersdorf. Alles was wir auf unsere Reise mitnehmen wollen liegt schon packfertig zuhause: Bekleidung, Schuhe, Lebensmittel, Getränke, Lesematerial, Fotoausrüstung...... Trotzdem dauert das Packen noch eine ganze Weile. Aber etwas nach 19 Uhr können wir starten. Kurz vor der Autobahnauffahrt stellt Rosmarie fest, dass sie ihre Armbanduhr vergessen hat. Was soll's, wir haben Urlaub und wollen ja gar nicht ständig nach der Zeit schielen. Dank des 122 PS starken Dieselmotors kommen wir zügig voran. Nach nicht ganz vier Stunden sind die ersten 400 Kilometer abgespult und wir übernachten an der Raststätte Großenmoor bei Fulda. Das flotte Fahren hatte seinen Preis: nahezu 15 Liter Diesel pro 100 Kilometer! Am nächsten Morgen brechen wir gegen 7.30 Uhr auf. Unsere Reisegeschwindigkeit auf der Autobahn drosseln wir auf 100 bis 110 Stundenkilometer, um erfolgreich Treibstoff zu sparen. Zur Mittagspause sind wir dessen ungeachtet bereits nördlich von Hamburg an der Raststelle Buddikate. Um 15 Uhr erreichen wir den Fährhafen in Puttgarden. Eine Viertelstunde später legt unsere Fähre ab und liefert uns gegen 16 Uhr in Rødby in Dänemark ab. Auch durch Lolland, Falster und Sealand kommen wir zügig voran. Doch in Helsingør, unserem Fährhafen nach Schweden, erwartet uns der große Stau: die Blechkarawane wird kreuz und quer durch die Stadt geleitet, da die Wartezone am Hafen den Touristenstrom nicht mehr aufnehmen kann. Es ist sehr heiß und wir ziemlich geschafft. Endlich gegen 20 Uhr erreichen wir mit der Fähre Helsingborg und damit Schweden. Jetzt wollen wir nur noch raus aus der Stadt und dann schlafen. Nach kurzer Zeit finden wir einen ruhigen Rastplatz, abgelegen von der Autobahn hinter einem Hotel bei einer Tankstelle. Eine ganze Reihe von anderen Wohnmobilisten und Caravan-Fahrern tun es uns gleich.


Freitag, 16. Juli

Nach der anstrengenden Anreise über die bisherigen knapp 1.300 Kilometer tut uns das Ausschlafen heute gut. Es regnet. Nach einem gemütlichen Frühstück brechen wir auf Richtung Göteborg. An einem gemütlichen See machen wir Mittagspause. Trotz der Sonne ist es relativ kühl, was aber die anwesenden schwedischen Kinder nicht davon abhält, zu baden. Danach fahren wir weiter entlang am großen Vänernsee nach Norden. Am Abend erreichen wir die Grenzstation Morokulien und sind damit endlich in Norwegen. Es gibt weder Schlagbäume noch Schilderhäuschen oder Grenzkontrollen. Auf dem ruhigen und fast leeren Parkplatz stellen wir unser rollendes Schlafzimmer für die Nacht ab.


Samstag, 17. Juli

Der Hauptteil unseres Urlaubs hat heute begonnen. Im großen schwedisch / norwegischen Informationszentrum besorgen wir uns weiteres Material. Besonders zu erwähnen ist, dass die Landesgrenze, markiert durch rote Fliesen im Fußboden, das Gebäude in der Mitte teilt: auf der einen Seite findet man Wissenswertes von Schweden. Wir interessieren uns natürlich für die norwegische Hälfte. Otto ist in Sorge, ob in Norwegen, das nicht zur EG gehört, die EC-Karte in Bankautomaten funktioniert. Die Geheimnummer der Kreditkarte kennt er nicht. Wie kommen wir ohne Bargeld über das Wochenende? Zumindest tauschen wir noch D-Mark in norwegische Kronen. Das ist gut so: die ersten beiden Versuche danach, an Bankautomaten Geld abzuheben, schlagen fehl. Zu unserem Erstaunen stellen wir anschließend in Kongsvinger fest, dass die Postsparkassen auch an Samstagen geöffnet sind. Hier erhalten wir jedenfalls mit der Kreditkarte Bargeld. Damit steht unserer Weiterfahrt endgültig nichts mehr im Weg.


Unsere erste Station heute ist die Stadt Hamar am Mjøsa-See. Ihr Wahrzeichen ist die Domkirche, die in den Jahren 1153 bis ca. 1200 erbaut wurde. Über der Ruine wurde zu ihrem Schutz der "Hamardom" aus 4.700 m² Glas auf einer Fläche von 40 x 67 Meter errichtet und dient heute für Konzerte.


Daneben besichtigen wir auch das Hedmark-Museum mit seinen Exponaten aus der Wikingerzeit, dem Mittelalter und heute, das in den Resten der Bischofsburg aus dem Jahr 1250 untergebracht ist. Die Ausstellung ist interessant gestaltet, leider aber schwer verständlich.


Im Freilichtmuseum werden wir durch verschiedene alte norwegische Häuser geführt. Da wir die Landessprache nicht verstehen, müssen wir uns auf das Sehen beschränken. Einige davon sind im Gegensatz zum schlichten Äußeren innen prunkvoll ausgestattet. Die Holzwände und Decken sind mitunter über und über bemalt. Damit der sonstige Genuss nicht zu kurz kommt, trinken wir in einem Innenhof des Freigeländes Kaffee und essen dazu köstliche frisch gebackene Waffeln. Die Norweger bieten dazu Sauerrahm ("Schmand") und Erdbeermarmelade, was sehr gut schmeckt.


Es ist jetzt sehr heiß geworden. Otto möchte unbedingt noch die Olympiahalle besuchen. Wir lassen unser Wohnmobil am Parkplatz des Hedmark-Museums stehen und fahren mit den Rädern. Der Bau hat die Form eines umgedrehten Wikingerschiffes und dient heute als Mehrzwecksporthalle. Auf dem Rückweg entdecken wir ein schmuckes, gepflegtes Häuschen. Wegen des schönen warmen Wetters fahren wir noch zum Strand des Mjøsa-Sees. Rosmarie geht schwimmen, Otto ist das Wasser zu kalt und er vertreibt sich die Zeit mit Lesen. Eigentlich wollten wir ja noch unbedingt eine Dampferfahrt mit dem "Skibladner" machen. Es handelt sich hierbei um den ältesten Schaufelraddampfer der Welt, der noch in Betrieb ist. Leider lassen die Abfahrtszeiten des 1856 in Dienst gestellten Schiffes das nicht zu.


Noch ist unser Tagesprogramm nicht zu Ende. Wir wollen ja noch nach Lillehammer in Gudbrandsdalen, der Stadt der Olympischen Winterspiele 1994. Wir möchten am Abend noch einen schönen Blick über die Stadt Lillehammer genießen. Also fahren wir zum höchsten Punkt über der Stadt, dem Langlauf- und Biathlon-Zentrum "Birkebeineren". Wir folgen der Beschilderung und können es kaum glauben: die Straße führt uns mitten in das Stadion! Unser Wohnmobil steht zwischen den Zuschauertribünen, die allerdings leer sind. Die ganze Anlage macht schon einen etwas verkommenen Eindruck. Was soll's - wir haben jetzt Hunger und bleiben hier erst einmal zum Abendbrot. Nur mit der Aussicht über Lillehammer war's hier nichts! Also versuchen wir unser Glück beim Skiflugzentrum mit seinen beiden Sprungschanzen. Vielleicht können wir dort auch für die Nacht stehen bleiben? Hier haben wir nun auch endlich die gewünschte Aussicht. Oben neben dem Start der beiden Schanzen befindet sich ein schmuckes Restaurant mit Grasdach - leider geschlossen. Aber in jedem Fall hat uns die imposante Aussicht von hier oben einen geeigneten Stellplatz für die Nacht gewiesen: Auf dem Parkplatz neben dem Zuschauerraum entdecken wir ein Wohnmobil, zu dem wir uns gesellen werden. Es dauert auch gar nicht lange, und weitere müde Touristen finden sich ein. Wir tauschen noch ein wenig Erfahrungen aus, wandern durch die Sportstätte und gehen schließlich müde und zufrieden schlafen.


Sonntag, 18. Juli

Heute Morgen besuchen wir Maihaugen, das größte Freilichtmuseum Norwegens hier in Lillehammer. Es wurde gegründet von dem Zahnarzt Anders Sandvig, der mit Tuberkolose und nur mehr zwei Jahren Lebenserwartung hier her gekommen war. In seinem letztendlich unerwartet langen Leben trug er ca. 30.000 Gegenstände und 120 alte Gebäude aus dem gesamten Gudbrandsdalen zusammen: Handwerksbetriebe, Wohngebäude armer Leute wie Gutshöfe und einen Pfarrhof sowie eine Schule. Ein besonderer Höhepunkt ist die Stabkirche von Garmo bei Lom, die ca. 1200 von Thorgeir dem Alten erbaut worden war. Sie ist gleichzeitig die Taufkirche des Schriftstellers Knut Hamsun (1859 - 1952). Einige Häuser werden kommerziell genutzt: wir sehen Töpfern bei der Arbeit zu, die ihre Produkte gerne verkaufen. Bei einem Bäcker haben wir ersten Kontakt mit frischem "Wienerbrød", welches an sofort zu Rosmaries Grundnahrungsmittel wird. Fast noch interessanter aber sind die Ausstellungen zur norwegischen Geschichte und die Entwicklung des Handwerks. Sie regen alle Sinne an: Sehen, Hören und Riechen (!).


Unser Weg führt uns am Nachmittag nach Ringebu. Hier steht die Stabkirche aus dem Jahre 1630. Eine große Schar von Touristenbussen und 30 Kronen Eintrittsgeld pro Person halten uns von einer Besichtigung des Inneren ab.


Als nächstes erreichen wir, entlang des Lågen-Ufers, den Ort Vinstra. Hier lebte auf seinem Hof in Haga der legendäre Peer Gynt, den Norwegern als Schütze, Skiläufer und Prahlhans bekannt.


Im Rondane Nationalpark biegen wir in Otta rechts ab. Die Straße steigt auf mehr als 800 Meter an. Die Eiszeiten, Wind und Regenerosion haben den 600 Millionen Jahre alten Bergen ihre freundlich runden Formen verpasst. Baumlos, nur mit Islandmoos und Flechten überzogen, grüßen Sie den wolkenverhangenen Himmel. Den letzten Teil des Weges bis zum Parkplatz Mysusaeter bezahlen wir "Bom" (Maut). Von hier führt ein leicht zugehender Wanderweg etwa eineinhalb Stunden zur Rondvassbuhytta, die an einem malerischen Gebirgssee liegt. Wir bedauern, nicht die Fahrräder genommen zu haben. Schwärme von Mücken halten uns davon ab, den Parkplatz mit seinem tollen Rundblick auf die umliegenden Berge als Übernachtungsplatz zu wählen. Unser äußerst präziser "Womo"-Führer bringt uns exakt zu einem ruhigen Parkplatz. Rosmarie muss natürlich auch hier die Umgebung erkunden und entdeckt den abgetrennten Kopf eines Elchs im Unterholz, was ihr eine ziemlich schlaflose Nacht bereitet.


Montag, 19. Juli

Wir eilen nach Norden. In Dombås halten wir rechts auf Trondheim zu und zweifeln angesichts von Streckenführung und -zustand des Öfteren daran, ob unsere Karte den aktuellen Gegebenheiten entspricht. Die Straße führt uns durch die schönste Hochebene unserer Reise. Jetzt bedauern wir die Wahl des letzten Nachtlagers (und das nicht wegen des toten Elchs!). Kleine moorige Seen, sanfte Hügel, die erahnend wohl in Schneeberge übergehen. Denn auch im Dovrefjell sind die Berge über 2000 Meter hoch. Im Kongsvoll Kro würden wir uns gerne über die Rentiere und Moschusochsen des Nationalparks informieren. Leider ist er geschlossen. Auch über den "Vårstigen", den alten Königsweg, der uns zur rechten Seite begleitet, erfahren wir nichts Neues. Bei nächster Gelegenheit schnüren wir wieder unsere Wanderschuhe und "begehen" ein Stück des Pilgerpfades, den König Fredrik IV. bereits 1704 zweirädrig und König Christian VI. 1733 schon vierrädrig befahren haben sollen. Gewisse Zweifel bleiben!


Von den Sehenswürdigkeiten im Drivdalen und auch der Abzweigung in das Amotsdalen lassen wir uns nicht ablenken. In Oppdal versorgen wir uns mit den nötigen Lebensmitteln, Getränken und Wienerbröd. Wir werden die nächste Nacht fern der Zivilisation verbringen.


Am Ortsende von Oppdal besichtigen wir die größte Wikingerbegräbnisstätte Skandinaviens. 758 Grabhügel verwandeln das Areal in eine riesige Maulwurfswiese.


Unser Weg führt nun nach Westen, den "Bomveg" Gjevilvasvatn passieren wir, obwohl uns dort unser "Womo"-Führer Sandstrand und Schiffahrt verspricht. In Lønset biegen wir rechts nach Storli ab. Einundzwanzig Kilometer tuckern wir auf der Sandstraße, immer wieder unterbrochen durch ein Hinweisschild "Ferist" (Viehrost) mit seinen holprigen Folgen. Am Ende sind wir den Bergriesen im Trollheimen sehr nahe. Wir rasten. Nebelschwaden und beginnender Nieselregen halten uns von einer Abendwanderung ab. Im Grunde sind wir auch nicht ganz zufrieden mit unserem Stellplatz. Da war doch ganz am Anfang des Sees ein herrlicher Flecken direkt am Wasser, bereits von einem Wohnmobil besetzt. Gegen 20 Uhr holpern wir wieder sieben Kilometer zurück. Unser Traumplatz ist frei! Wir rollen die steile Zufahrt zum See hinunter und stellen uns direkt ans Wasser. Andächtige Ruhe! Nur das Tosen unsichtbarer Wasserfälle lässt uns die Urgewalten dieser Region nicht vergessen.


Dienstag, 20. Juli

Ein morgendliches Bad und die strahlende Sonne lassen uns schwer Abschied nehmen. Erst spät fahren wir dem Sunndalsfjord entgegen. Beim ersten Fjordkontakt halten wir an und lassen den Anblick auf uns wirken. Auf dem Weg nach Tingsvoll, dort werden wir unser tägliches Wienerbrød erstehen, passieren wir einen See mit Seerosen und Fieberkleeblüten, der es wert gewesen wäre, zu einer Kaffeepause zurückzukehren. Nach dieser kleinen Stärkung visieren wir Kristiansund an, den nördlichsten Punkt unserer Rundreise. Zwischen dem Festland und der Insel Frei passieren wir den Freifjordtunnelen. Mit 9% Gefälle geht es steil hinunter, 5100 Meter unter dem Fjord vorwärts und am anderen Ufer wieder hoch ans Tageslicht. Ein Erlebnis, wenn auch nicht umsonst.


Kristiansund macht es uns nicht leicht. Die Stadt ist auf drei Inseln verteilt. Ohne Stadtplan halten wir uns in erster Linie an die Straßennummern. Als uns die Gegend reizvoll erscheint parken wir unser Womo und bummeln durch die kleine Fußgängerzone. Wir besorgen Postkarten, such nach Souvenirs und lassen uns von italienischen Touristen an der Uferpromenade ablichten. Kristiansund, nach König Christian VI. benannt, ursprünglich Fosna, seit 10000 Jahren besiedelt, 1940 von den Deutschen fast ganz zerstört, ist eine ganz gewöhnliche Hafenstadt. Wir verlassen sie mit der Fähre nach Bremsnes. Auf diese unsere erste Fjordüberquerung sollen noch etliche folgen. Wenn es so was wie eine Fährpauschalkarte gäbe, würde Rosmarie nur "Schifferl" fahren.


Kurz vor 17 Uhr, gerade noch rechtzeitig, erreichen wir die Stabkirche in Kvernes. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert, hat einen Barockaltar aus Lübeck. Die Wandmalereien von 1630 sind zum Teil gut erhalten. Die einschiffige Hallenkirche mit der Mittelsäule hat dank der äußeren Verstrebungen in ihrer exponierten Lage so manchem Sturm getrotzt. Langsam wird es Abend.


Vielleicht gibt es am Atlanterhavsveien einen lauschigen Ort? Die Eindrücke sind ergreifend. Viel Zeit bleibt allerdings nicht für die Entscheidung, dieses, oder ein anderes Stellplätzchen anzuvisieren. Viele drängeln sich hier um den schönsten Ausblick. Wir essen zu Abend, spazieren auf einen Schäreninsel weit in den Atlantik hinaus, sehen zwei Tauchern bei Ihren Vorbereitungen zu, genießen die Sonne und telefonieren mit daheim. Otto schreibt die vorher gekauften Karten. Wir haben so einen tollen Stellplatz, geschützt hinter Felsen. Doch gegen 23 Uhr, es ist immer noch hell, sprechen wir aus, was bisher nicht zugeben wollten. Das Womo steht zu schief, um darin schlafen zu können. Kurzerhand wechseln wir auf einen weniger schönen, aber ebenen Platz. In der Nacht setzt Regen ein, leise, dann heftiger. Es schüttet! Unsere Umgebung verwandelt sich langsam aber sicher in einen See. Gäbe unser Wohnmobil eine gute Arche Noah? Als wir am Morgen die Fenster öffnen brauchen wir auch keine Taube mehr. Das Wasser um uns herum ist weg und die Sonne lacht!


Mittwoch, 21. Juli

Wir frühstücken, duschen gemütlich und brechen dann auf. Heute wollen wir als erstes eine Höhle mit einem Wasserfall besichtigen, die "Trollkyria". Unser Führer beschreibt sie als unbedingt sehenswert. Von einem kleinen Parkplatz aus müssen wir steil aufwärts klettern. Die Regenfälle der letzten Nacht haben dem ohnehin schlechten Weg schwer zugesetzt. Die Sonne sticht, die Mücken auch! Bei unserer Rückkehr zum Parkplatz werden wir übrigens feststellen, dass ein hilfsbereiter Wanderer die zu veranschlagende Wanderzeit auf der Tafel richtigerweise von einer auf zwei Stunden korrigiert hat. Völlig erschöpft kommen wir von dem unscheinbaren Eingang zur Höhle an. Wir müssen hier unsere Regenjacken anziehen, da es von jetzt ab feucht werden soll. Nach wenigen Metern ist es völlig dunkel. Mit dem spärlichen Licht unserer Taschenlampe erkunden wir die verschlungen Windungen und Spalten im Fels, durch die wir steigen müssen. Es kann immer nur einer von uns weiterklettern, während der andere leuchtet. Wir kommen nur langsam vorwärts. Das immer lauter werdende Rauschen des Wasserfalls weist uns den Weg: mit großem Getöse schießt der Wasserfall von oben in die Höhle. Es ist beeindruckend hier. Der Rückweg aus der Höhle geht wesentlich leichter und auch der Abstieg ins Tal ist nicht mehr so beschwerlich.


Die Fähre über den Fannfjord ist wieder durch einen neuen Tunnel ersetzt, auf das Schiff in Solsnes müssen wir etwas warten. Es fängt an zu regnen. So ein Mist! Wir wollen als nächstes den "Trollstigen" befahren. Bei null Aussicht? An der Soggebru bei der Einfahrt zu Norwegens wohl berühmtesten Pass halten wir an und geben dem Wetter eine Chance.


Donnerstag, 22. Juli

Das Wetter hat die angebotene Chance zur Besserung nicht genutzt!. Wir fahren den Pass an. Überall Wasserfälle! Der Wildbach zu unserer Rechten schäumt und tost. Ein Wohnmobilist, der von oben kommt, warnt uns eindringlich vor massivem Steinschlag. Er hat seinen Teil abbekommen. Was nun? Ein weiterer Camper bestätigt das Risiko, erklärt uns aber zweideutig: "Sie müssen da rauf!" Rosmarie schickt ein Stoßgebet zum Himmel und Otto gibt Gas! Langsam erklimmen wir Serpentine um Serpentine bei durchschnittlich 10% Steigung. Stehenbleiben ist ab sofort verboten! Rosmarie versucht durch das Fenster zu fotografieren. Geröll und Wassermassen auf der Fahrbahn. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Mit polternden Rädern quält sich unser Womo die Steigung über die Steine. Wir schaffen die gefährliche Passage Gott sei Dank ohne Zwischenfall! Hinter uns kommt eine Planierraupe, um die Fahrbahn wieder freizumachen. Wir passieren die Brücke mit dem tosenden Wasserfall. Noch ein paar Kurven und wir haben die Anhöhe erreicht. Den Aussichtspunkt hier oben können wir uns sparen, aber wir ahnen, wie schön es bei gutem Wetter an diesem wilden Flecken sein könnte.


Wir überqueren die Hochebene und lassen uns von einem Sturzbach wieder abwärts begleiten. Es dauert gar nicht mehr lange und es gibt "Jordbaer" am Straßenrand zu kaufen. Fjord in Sicht. Von Linge nach Eidsdal trägt uns wieder eine Fähre. Wir folgen dem "Orneveien", dem Adlerweg, einer Bergstraße, die auf der Pariser Weltausstellung wegen ihrer genialen Technik ausgezeichnet wurde. Uns fasziniert mehr die Umgebung. Dann ein "Utsiktspunkt", erkennbar auch vielen haltenden Fahrzeugen: wir haben unseren ersten Blickkontakt zum Geirangerfjord, dem wohl berühmtesten Fjord Norwegens. Wir nehmen die letzten Kehren hinab nach Geiranger und bleiben auf dem Parkplatz der Fähre stehen. Es hat aufgehört zu regnen. Spontan beschließen wir, mit dem Schiff durch den ganzen Fjord nach Hellesylt und zurück zu fahren. Der Fjord ist windgeschützt, die Sonne wagt sich ein wenig heraus. Wir lauschen den Geschichten über die Hofstellen, die an die Felswände geklebt zu sein scheinen und teilweise bis in die sechziger Jahre bewirtschaftet waren. Sogar Aprikosen wurden hier geerntet. Wir erfahren, dass der Fjord bis zu zweihundert Meter tief ist. Ein mondänes Kreuzfahrtschiff geht im Hafen von Geiranger vor Anker und entlässt seine Passagiere an Land, 130 Kilometer im Landesinneren! Wir kommen an diversen Wasserfällen vorbei. Zu jedem gibt es eine eigene Geschichte.


Zurück beim Wohnmobil nehmen wir die letzte Steigung des Adlerwegs in Angriff. In kürzester Distanz geht es wieder hinauf auf 1476 Meter Höhe. Wenn es hier nur nicht so viele schöne Aussichtspunkte gäbe! Sieben Kilometer lang zieht sich die Hochebene: Winter mit Schneefeldern - Seen in denen Eisbrocken treiben. Am Breidalsvatn machen wir Rast, tief beeindruckt und überglücklich. Das ändert sich rasch. Der erste Streit bricht aus: Unser nächstes Ziel ist die Stabkirche in Lom. Otto, eingedenk der Öffnungszeiten bis 17 Uhr, prescht durch das Ottadalen, ohne dabei ein Auge zu haben für die superlauschigen Plätzchen am Fluss. Das kann Rosmarie gar nicht verstehen.


Eine sachkundige, deutschsprachige Führung in der Stabkirche versöhnt uns wieder. Das Gotteshaus wurde ca. 1200 erbaut und im 17. Jahrhundert renoviert. Durch die frühe Renovierung ist sehr viel alte Bausubstanz erhalten geblieben. Der Mittelraum ist erhöht und oben von Andreaskreuzen eingerahmt.


Die Sonne zeigt sich jetzt am frühen Abend wieder von ihrer allerbesten Seite. Wir beschließen, noch ein Stück die "Sognefjell"-Straße zu fahren.


In Elveseter, auf 640 Metern Höhe, machen wir Halt. Es handelt sich hier um ein Hotel, das seit fünf Generationen im Besitz der gleichnamigen Familie ist. Von dort erreicht man das Sommerskizentrum am höchsten Berg Norwegens, dem "Galdhøpiggen".


Unser weiterer Weg führt entlang des "Jotunheimen"-Massivs. Das warme Abendlicht zeigt die Umgebung von ihrer schönsten Seite und wir machen noch eine kurze Rast. Noch einige Kilometer ziehen wir bergan und finden in Krossbu in 1400 Metern Höhe einen malerischen See inmitten der Schneefelder. In der "Krossbu Hytta" bezahlen wir 50 Kronen, um an seinem Ufer stehen bleiben zu können. Mit der Abendsonne versuchen wir noch den nahegelegenen Gletscher zu erreichen. Es bleibt beim Versuch, denn der schäumende Wildbach trotzt unseren Überquerungsversuchen. Dennoch ist es eine schöne Wanderung. Es wird grimmig kalt. Otto macht zum ersten Mal die Heizung im Wohnmobil an. In der wohligen Wäre genießen wir unser spätes Abendessen. Drei junge Bergsteiger errichten neben uns ein kleines Zelt. Mit Wasser aus dem Gebirgsbach bereiten sie auf einem kleinen Kocher Tee oder eine Suppe. Sie ziehen mehrere Lagen warmer Kleidung übereinander an und checken ihre Ausrüstung. Mit einer halbstündigen flotten Wanderung wärmen sie ihre Körper, um sich dann im eiskalten Zelt für die Nacht schlafen zu legen. Ein dänisches Paar nimmt ebenfalls im Freien, unter dem Schutz der Heckklappe des betagten Saab, sein Abendessen zu sich. Was sind wir doch für Wohlstandstouristen. Am nächsten Morgen ist unsere Windschutzscheibe mit Eis überzogen!


Freitag, 23. Juli

Bereits um sieben Uhr fahren wir heute bei strahlendem Sonnenschein los. Müde verlassen wir auf der Sognefjellstraße die Region des "Jotunheimen". Steil geht es hinunter zum Lustrafjord. Am Nordufer streben wir entlang bis Gaupne. Wir biegen nach Norden ab. 37 Kilometer sind es von hier noch bis zu unserem ersten heutigen Ziel, dem "Nigardsbreen", einer der 6 Gletscherzungen des Jostedalsbreen. Um 9 Uhr morgens gibt es noch keine Parkplatzprobleme. Wir sind das zweite Paar, das die Gletscherzunge auf dem schwierigen Weg am See entlang erreicht. Den alternativen Zugang per Bootszubringer haben wir Aktivtouristen natürlich abgelehnt. Für eine Gletschertour sind wir nicht mutig genug. Im Informationszentrum lernen wir noch Wissenswertes über die Entstehung und Ausbreitung des "ewigen Eises".


In Gaupne versorgen wir uns erneut mit Lebensmitteln und Kronen und rollen dann weiter in Richtung Sogndal und Laerdal. Die Stabkirche in Kaupanger besichtigen wir nur rasch von außen. Auf dem Weg zur "Schneestraße" werden wir mit einer ganz neuen Streckenführung konfrontiert. Vom Laerdalsfjorden, wo Johannisbeeren und Kirschen reifen, schrauben wir uns wieder rasch auf 1300 Meter hoch. Hier oben herrscht Winter. Die Landschaft ist unwirtlich. Der Anblick lässt einen frieren. Beim ersten Blick auf den tiefdunklen Aurlandsfjord, zu dem wir hinunter wollen, können wir uns einem gewissen Gefühl der Kühle nicht erwehren. Rosmarie hat von diesem Aussichtspunkt bereits einen idealen Stellplatz für die Nacht ausgemacht, den wir danach prompt ansteuern.


Samstag, 24. Juli

Heute wollen wir einen Ausflug mit der legendären "Flåmbana" machen. Nachdem wir unser Ticket gelöst und die Souvenirgeschäfte durchstöbert haben, geht`s bergauf.. Auf zwanzig Kilometer Länge bewältigt die Bahn 863 Höhenmeter, wozu sie sogar eine 180-Grad-Schleife im Berg ziehen muss, um diese Steigung radgetrieben bewältigen zu können. Die große Herausforderung beim Bau in den Jahren von 1922 bis 1940 waren die Tunnel auf einer Strecke von 4 Kilometern zwischen Vatnahalsen und Blomheller: sie wurden von Hand mit einer Geschwindigkeit von einem Meter pro Monat aus dem Felsen gemeisselt. Am beeindruckenden Kjosfossen hält der Zug zu einer Fotopause. Inmitten der Gischt zeigt sich eine "Huldra", ein weiblicher Berggeist, die mit ihrem betörenden Gesang und ihrem wallenden Haar Männer in die Tiefe locken will. Wir bleiben bei der Ankunft oben in Myrdal im Abteil, wechseln lediglich die Seite der Aussicht wegen und fahren im jetzt völlig überfüllten Zug zurück. In Flåm drängeln sich mittlerweile so viele Menschen auf dem Bahnsteig, dass es auf dem Hauptbahnhof in München nicht schlimmer sein könnte.


Noch schnell ein Wienerbrød besorgt. Dann ab durch den 5000 Meter langen "Flenja-" und gleich danach den 11400 Meter langen "Gudvanga-Tunnelen" unter dem "Stiganosa"-Massiv hindurch in Richtung Bergen. Am offiziellen Wohnmobilparkplatz in Bergen, dem "Bobilsenteret", finden wir eine unspektakuläre Bleibe. Wir nutzen die langen Abendstunden für erste Eindrücke.


Sonntag, 25. Juli

Bereits 1343 errichtete die Hanse in Bergen ihr erstes Kontor. Damit begann die Zeit der deutschen Kaufleute, die hier 200 Jahre dauerte. Bryggen heißt das ehemalige Kaufmannsviertel am Hafen. Charakteristisch sind die langgestreckten Holzhäuser mit Giebel zum Kai. Es sind nur noch zehn Giebel aus der Zeit nach dem Stadtbrand 1702 erhalten. Die anderen wurden 1955 durch Feuer zerstört. Heute ist Bergen Norwegens zweitgrößte Stadt. Sie begrüßt uns heute Morgen mit einem kalten Landregen. Wir lassen uns davon nicht abhalten, nehmen unsere Fahrräder und starten eine Stadtrundfahrt. Vorbei an den Bryggen über den Fischmarkt am Hafen entlang in Richtung Akvariet. Da der Regen nicht aufhören will, beschließen wir früher als geplant, Bergen zu verlassen. Wir tanken Frischwasser und entsorgen unser Wohnmobil und verlassen die Stadt Richtung Süden.


Eine Stippvisite verdient die Stabkirche Fantoft. Sie stand ursprünglich in Fortun am Sognefjord, bis Konsul Gade sie 1883 auf seinem Grundstück in Fantoft wiederaufbauen ließ. 1992 brannte sie bis auf die Steinfundamente nieder. An gleicher Stelle wurde eine Kopie errichtet. Innen modern ausgestattet dient sie heute als Hochzeitskirche.


Eine Idylle mit Meerblick bewohnte in Troldhaugen der Norwegische Komponist Edvard Grieg (1843 - 1907) mit seiner Frau Nina Hagerup. Beide wurden nach ihrem Tod in einer Felswand auf dem Grundstück beigesetzt.


Der Abstecher nach Lysekloster, 1146 von Zisterziensermönchen der Fountains-Abbey in Yorkshire gegründet, zählt nicht zu den Höhepunkten unserer Reise. Das alte Gemäuer diente als Baumaterial unter anderem für den Rosenkranztårnet in Bergen und das Schloss Kronborg in Helsingør. Es sind praktisch nur noch ein wenig erhöhte Fundamente und ein winziger Teil des Kreuzgangs, der in allen Führern abgebildet ist, erhalten.


Ein Wasserfall veranlasst Otto nicht mehr zum Öffnen der Kameratasche. Als er aber feststellt, dass man das "Wasserwerk" auch von hinten besichtigen kann, holt er dies rasch nach.


Am Hardanger Fjord entlang führt uns die Küstenstraße durch eine bezaubernde Landschaft. An einem gepflegten Rastplatz fahren wir ab und finden direkt am Wasser einen wunderschönen Stellplatz für die Nacht.


Montag, 26. Juli

Nach einem gemütlichen Frühstück und langem Tratsch mit unseren Nachbarn geht die Reise weiter entlang am Hardangerfjord und durch den Vallavik Tunnelen. Von Bruravik nach Brimnes setzen wir ein letztes Mal über einen Fjord, den Eidfjord, über. Es folgt eine lange Fahrt durch die Hardangervidda, eine Hochebene mit traumhaften Seen. Im Hintergrund das Hallingskarvet, eine Bergkette, die schroff 600 Meter abfällt. Am Sysenvatn Stausee halten wir kurz an. Kurz hinter Geilo, in einem großen Skigebiet, verlassen wir die Höhe. An einem langgezogenen See finden wir einen hübschen Nachtplatz. Wir machen eine kurze Radtour und lassen den Tag gemütlich ausklingen. Ein freundliches Ehepaar aus Kassel gesellt sich zu uns. Bei einigen Gläsern Rotwein erzählen wir uns Urlaubsgeschichten.


Dienstag, 27. Juli

Wir haben das Frühstück bei angenehmen Temperaturen im Freien genossen, nachdem Rosmarie bereits im See gebadet hat. Die Uvdalkirche liegt etwas außerhalb des Ortes inmitten eines Freilichtmuseums. 40 Kronen Eintritt halten uns von dem Besuch ab, denn die Speicherhäuser, "Stabur", die es dort noch zu sehen gibt, finden wir an jedem Bauernhof.


Die Stabkirche in Nore stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die Hauptkonstruktion ist erhalten. 1683 wurde ein Chor hinzugefügt. Anbauten, wie das erneuerte Querschiff von 1709, wurden in Blockbauweise errichtet. Der Innenraum ist geprägt von dem mächtigen Mittelmast.


Die Stabkirche in Rollag taucht in schriftlichen Quellen erstmals 1425 auf. Ursprünglich war sie eine einfache Langkirche mit rechteckigem Schiff und gerade abgeschlossenem Chor. Im späten Mittelalter umgab sie ein Svalgang. Zwischen 1670 und 1760 fügte man ein Querschiff im Stabwerk dazu, verlängerte das Schiff nach Westen und setzte über der Chormitte einen Dachreiter an. Zum mittelalterlichen Inventar gehört der Altar mit dem eingelassenen Relief von Maria mit dem Kind. Das Kircheninnere steht mit seinen Farben und Ausschmückungen unter dem Einfluss des Barock. Die Kanzel ist eine Rokokoarbeit aus dem 18. Jahrhundert.


Die Stabkirche von Heddal ist die größte Norwegens. Die "Kathedrale aus Holz" wurde im 12. / 13. Jahrhundert erbaut. Schiff und Chor verfügen über einen erhöhten Mittelraum. Die Stäbe, die diesen erhöhten Mittelraum tragen, sind bis zum Boden durchgeführt, was zu der Theorie Anlass gibt, dass der jetzige Chor das Schiff einer früheren Stabkirche war. 1851 und 1851 wurde sie umfassend restauriert. Die Arbeiten führten jedoch zu unglücklichen Kompromissen zwischen kunsthistorischen und praktischen Interessen (z.B. große Fenster) und wurden 100 Jahre später wieder rückgängig gemacht. Noch heute dient sie der Gemeinde als Hauptkirche.


Die "Pilgerreise" geht hier zu Ende. Da wir keinen geeigneten Nachtplatz finden, logieren wir zum ersten Mal auf einem Campingplatz, am "Hokksund Båt & Camping" gemeinsam mit einer Reihe von lästigen Mücken.


Mittwoch, 28. Juli und Donnerstag, 29. Juli

Gegen Mittag erreichen wir Oslo. Auf dem Weg haben wir mehrfach vergeblich versucht, die "Oslo Kortet" zu kaufen, die uns für 150 Kronen pro Person vierundzwanzig Stunden lang freien Eintritt zu allen Museen, freies Parken in der Stadt und kostenloses Benutzen der öffentlichen Verkehrsmittel ermöglicht. Erst als wir eigentlich aufgegeben haben und alles individuell bezahlen wollen, bekommen wir sie auf der Museumsinsel "Bygdøy" in einem Postamt. Unser erstes Ziel ist das Kon Tiki Museum:


Mit dem gleichnamigen Floß aus Balsaholz segelte der Forscher Thor Heyerdal 1947 von Peru bis zum Tuamoto Archipel in Polynesien und bewies mit dieser Expedition, dass früher als wir glauben Menschen die Ozeane hatten bezwingen können. Er benötigte für die 8000 Kilometer insgesamt 101 Tage. Das ausgestellte Floß ist bemerkenswert, wenn auch die naive Darstellung auf blauer Folie, mit Plastikhaien verwundert.


Die zweite große Reise Heyerdals sollte von Afrika mit einem Papyrusboot nach Amerika führen. In Ägypten wurde das erste Boot, die Ra I, gebaut. Sie hielt jedoch der Belastung nicht stand und wurde daraufhin im Meer verbrannt. Die Ra II startete 1970 in Marokko und erreichte Barbados. Damit gelang der Beweis, dass lange vor Christoph Kolumbus Westafrikaner mit ihren traditionellen Segelbooten die Westindischen Inseln erreicht haben konnten.


Das Fråm Museum ist um das Polarschiff herum gebaut. Der Entdecker Fritjof Nansen reiste mit dem Holzschiff 1893 in das nördliche Eismeer. Die seitliche Beplankung ist bis zu sechzig Zentimeter stark. Eine spezielle eiförmige Rumpfkonstruktion verhinderte zudem, dass es im Packeis zerdrückt wurde. Im September 1893 wurde die Fråm mitsamt ihrer Mannschaft vor den Neuen Sibirischen Inseln zwei Jahre lang vom Eis eingeschlossen und vor Spitzbergen wieder freigegeben. Nansen hatte zwischenzeitlich das Schiff verlassen um zu Fuß zum Nordpol vorzustoßen, was ihm allerdings nicht gelang. Er erreichte fast zeitgleich mit der Fråm sicheres Land. Fritjof Nansen war zudem politisch aktiv: als Botschafter vertrat er sein Land in London und Kopenhagen. Das Geld, das er für den Friedensnobelpreis erhalten hatte, spendete er für Flüchtlinge und schuf den Nansen-Pass, ein Ausweispapier für Staatenlose.


Das Wikingermuseum beherbergt unter anderem zwei sehr gut erhaltene Schiffe, die hohen Persönlichkeiten als Grabstätte für die letzte große Fahrt dienten. Das Gokstad-Schiff wurde 1880 in einem Grabhügel in Sandefjord gefunden. Das Kriegsschiff ist 25 Meter lang und fünf Meter breit, besaß einen Mast und Platz für 16 Paar Ruder und die dementsprechende Besatzung. Das Steuer ließ sich zum schnellen Anlegen einholen. Das Oseberg-Schiff wurde 1904 in Vestfold ausgegraben. Eine Fürstin, die Mutter von Halvdan und Großmutter von Harald Hårfagre , dem ersten König des geeinten Norwegen, war hierin zusammen mit ihrer Sklavin beerdigt. Das Schiff hatte aufgrund seiner Bauweise nicht kriegerischen Zwecken gedient.


Eineinhalb Tage sind wir jetzt durch Oslo gestreift und haben viele Museen und Sehenswürdigkeiten in uns aufgenommen. Nun aber heißt es Abschied nehmen. Am Donnerstag, dem 29. Juli, um 17 Uhr legt die "Crown of Scandinavia" im Hafen von Oslo ab. Sie bringt uns komfortabel in knapp 19 Stunden nach Kopenhagen. Ein "Bilderbuch" Sonnenuntergang auf hoher See und eine nette Dänin an unserem Tisch im Bordrestaurant erleichtern uns den Abschied.


Samstag, 31. Juli

Ausgeschlafen verlassen wir um neun Uhr die Fähre in Kopenhagen. Wir befinden mitten in der Stadt. Wir entdecken keine Hinweisschilder zur Autobahn. Die Straße, die wir benutzen wollen führt durch einen Tunnel, der nur drei Meter hoch ist - zu wenig für unser Wohnmobil! Der Nase nach, manchmal im Kreis herum, finden wir letztendlich doch den richtigen Weg. Auf dem Weg Richtung Süden machen wir einen Abstecher zur Insel Moen mit ihren Kreidefelsen. Im Wald, etwa einen Kilometer vor dem Parkplatz lassen wir unser Fahrzeug stehen und wandern das letzte Stück des Weges. 500 steile Stufen führen zum Strand hinunter. Die Touristen, die uns entgegenkommen, sind ganz schön außer Puste! Leider können wir nicht im Meer baden: Algen und Tang versperren den Zugang und stinken beträchtlich. Also machen wir uns ohne Erfrischung auf den anstrengenden Rückweg. Nach der Mittagsrast im Wohnmobil gibt es für uns kein Halten mehr. Wir machen uns auf die Heimreise.

© copyright Otto Kinateder