MADEIRA
portugiesisch Makronesien


alternativ als PDF-Datei mit Fotos (52 Seiten - 6 Mb)

Samstag, 1. März

Wir, das sind Rosmarie und Otto, sowie Toni und Günther, stehen um 07.30 Uhr auf und frühstücken was Kinateders Kühlschrank noch hergibt. Nichts darf mehr übrig bleiben, denn Rosmarie und Otto sind 14 Tage unterwegs, wir haben nur 7 Tage Ferien. Bei „Pfiffig Parken“, wo wir unser Auto abstellen, ist niemand da. Der Shuttlebus ist unterwegs und kommt nach 15 Minuten, um uns zum Flughafen zurückzubringen. Die nette Fahrerin macht uns ein bisschen Angst vor dem Landeanflug in Funchal. Danach stehen wir ziemlich lange bei der Gepäckaufgabe von Air Berlin. Die Wartezeit vor dem Boarding vertreiben wir uns mit Lesen und dem Computer. Der Flug geht pünktlich weg. Snack, Kaffee, Wasser und ein guter Platz, dank Ottos Vorbuchen. Er liest und döst, Rosmarie sodokut, Toni schaut aus dem Fenster und Günther liest seine erste Urlaubslektüre fertig. Die Landung ist perfekt, mit Umkehrschub gelingt es dem Piloten sogar, nicht über die Landebahn hinauszuschießen. Otto besorgt sich seinen Seat Ibiza, wir werden mit einem Kleinbus zum Pestana Promenade gebracht. Funchal ist wolkenverhangen, aber sehr warm. Da unser Zimmer ebenerdig ist, können wir sofort einen Barfußtest vor dem Pool machen. Wir sind fast Nachbarn. Rosmarie und Otto wohnen in 2019, wir in 2023. Wir packen aus, räumen ein und marschieren anschließend am Meer entlang Richtung Innenstadt. 3-Gänge-Abendessen für 14.95€ incl. Pommes und Salat, Wein und Wasser extra. Mit vollem Magen lässt sich der Sambakarneval gut feiern. Wackelnde Popos, hüpfende Busen – Gefällt mir !!! (facebook-Ausdruck). Nach dem Wassereinkauf bei Spar geht es zurück zum Hotel. Funchal ist ganz schön bergauf – bergab, der Rückweg kostet unsere letzten Reserven. Es ist 10 nach 12, nach bayerischer Zeit also 10 nach 11.


Sonntag, 2. März

Günther und Rosmarie schwimmen im Pool, draußen oder drinnen. Frühstück auf der Terrasse, die Sonne scheint, es ist Sommer. Wir beratschlagen wohin. Aber erst noch den Marathonlauf abwarten, der am Hotel vorbeigeht. Der nette Polizist winkt uns heraus, der böse Polizist befiehlt Otto zu warten. Mit einiger Verspätung sind wir auf der VR 1 Richtung Nordosten. Ponta de Sao Laurenco ist unser Ziel. 3 Kilometer Wanderung bei starken Windböen und wir können auf Wellen umbrauste Schluchten blicken, die senkrecht ins Meer fallen. Urlaubsstimmung mit 5*****. Otto filmt und wird von Eidechsen angegriffen. Günther macht Brotzeit und Taubenhyänen stürzen sich auf die Reisegruppe. Unversehrt erreichen wir trotzdem Machico, trinken Espresso und genießen das Bilderbuchwetter unter Lorbeerbäumen am Platz des wundertätigen Herrn, dem Rentnerplatz im Fischerviertel Banda d´Álem. Kurzer Rundgang durch die Stadt. Auch hier haben die Einwohner einen Faschingszug für uns organisiert. Dort wo wir sind, herrscht Stimmung. Die Christusstatue von Ponta do Garajau entdecken wir nach dem üblichen Auf und Ab. Danach ist das heutige Kulturprogramm zu Ende. Wir fahren heim, professionell finden wir den Weg zurück. Wir relaxen und gehen um die Ecke bei Oma zum Menüessen. Lust auf Bedienung sieht anders aus, aber das Lokal ist eine Schau, sogar Holz am Clo. Am Anfang gibt es einen Begrüßungsmadeirawein, zum Abschluss ein Fruchteis. Uns fröstelt etwas auf der zugigen Dachterrasse. Wir kaufen im Supermarkt Karten und Obst. Günther und Otto beenden den Abend mit Billard, Toni und Rosmarie natzen vor.


Montag, 3. März

Rosenmontag
Kein Regen – Sonne pur – immer diese falschen Voraussagen ! Wir fahren auf engen Küstenstraßen gen Westen, finden den Cabo Girao, einen gläsernen Blick in den 500m steilen Abgrund. Toni will unbedingt den Papagei am Eingang halten! Danach geht es ab in die Hölle, nein ins Paradies. Ein wunderschöner Tag im sonnenverwöhnten Faja dos Padres. Beinahe wären wir von Kolumbus entdeckt worden. Wir spazieren durch die Plantagen und finden Avocados, Papayas und vieles nicht Identifizierbare. Rosmarie macht sich sogar an einen madeirensischen Bauern heran, um mehr zu erfahren. Anschließend Rast im rustikalen Restaurant. Meer und Palmen im Vordergrund, hochaufragende Klippen hinter uns, und wir lassen es uns an einem schattigen Plätzchen gutgehen – das ist Urlaub in its best way. Brotzeit auf portugiesisch mmhhh. Der Aufstieg zum Elevadore ist Schweiß treibend. Über die VR 1 geht es schnell nach Hause. Wir poolen und genießen bis 17:00Uhr die Sonne, machen uns ausgehfertig und fahren mit dem Bus (2,20€) ins Centro. Günther braucht noch schnell seinen Happy Hour Caipirinha (2,88€). Nach längerer Suche finden wir Madeiras Fressmeile, werden mütterlich bedient. O-Ton Toni: „Bester Fisch bisher!“. Wir haben Jacken an und können deshalb bis Einbruch der Dunkelheit sitzen bleiben. Die Busrückfahrt wird einfacher als gedacht. Abschluss Karaoke und Absacker in der Lounge. Wir sind Hotelprofis geworden.


Dienstag, 4. März

Faschingsdienstag
Schwumm in den Tag. Das Frühstück beginnt mit Omelett Surprise. Rauf zum Monte und noch höher. Die Baumgrenze wird erreicht, Nebelwände mit und ohne reitende Leichen. Und da! Atemberaubende Schluchten und noch etwas höher, Wolken wie Watte. Nur Fliegen ist schöner. 181Om, der Pico de Arieiro. Der Gipfel ist Ziel jedes Madeiratouristen. Es gibt kaum einen Platz zum Parken und dabei ist erst Nebensaison. Von hier aus führen gut ausgebaute Wanderwege ins schroffe Steilgebirge. Schwindelerregende Aussichten auf tiefe Täler, aber der Weg ist trittsicher. Nur der Wind versucht uns vom Gratsteig zu blasen. Weit kommt man nicht bei dem immerwährenden Auf und Ab, aber die Fernsicht ist grandios. Wir fahren zurück und Richtung Santana. Hier regnet es öfter. Die Gegend hat alle möglichen Grüntöne anzubieten und es feuchtelt. Kaffee gibt es an der Via Rapido neben dem „Nürburgring“. Anschließend geht es über die alte Straße hinauf in den Ort der Zwergenhäuschen und Blumenzwiebeln. Kleine Einkäufe machen das Leben schöner, Plätzchen oder Bananen gefällig. Auch hier ist der Himmel bedeckt. Wir fahren Richtung Osten, besuchen Porto da Cruz, den östlichsten Ort der Nordküste, mit hoch aufbrausender Gischt und lauter Meeresbrandung. Eindrucksvoll – kein Badestrand. Via Via Rapido sind wir in einer halben Stunde im Hotel, machen uns chic und wollen wieder mit dem Bus zum Faschingsausklang in die Stadt. Nix Bus – 5€ für alle im Taxi plus eine gut aussehenden Portugiesin. Und sie spricht auch noch gut englisch! Nix Karneval, ein etwas müder Ausklang der närrischen Zeit. Auch das Essen hat sich der nun folgenden traurigen Zeit angepasst. Langes Warten, zugiger Platz, Fleisch, das im Magen liegt. Da hilft nicht mal der Fußmarsch ins Hotel. Nochn Abstecher ins Casino, nochn Kurzeinkauf im Spar, nochn Gutenachtgruß an unser Auto.


Mittwoch, 5. März

Aschermittwoch
Frühstück mit Spiegelei ist der richtige Anfang nach durchtanztem Faschingsausklang. Wir wollen in die Hochebene Paúl da Serra und dann nach Rabacal. Stopp am Encumeada-Pass. Der Weg durch den Gebirgssumpf ist versperrt – ein großes Schild mitten auf der Straße. Wir müssen umkehren und umdenken. In Calheta besuchen wir die Zuckerfabrik. Günther „tasted“ für 60ct. das, was aus dem Spazierstock (Insiderwissen) gemacht wird. Die Wolken über den Bergen sind weg und wir versuchen es aufs Neue. Unser Seat ist wirklich eine Bergziege. Diese Aufstiege bewältigt sie im 1. Gang. Ein netter Taxifahrer weist uns den Weg und wir fahren bis Rabacal Alto (oben) und gehen bis unten (Minibushaltestelle). Erste Levadawanderung bis zum Risco-Wasserfall. Rosmarie und Otto gehen weiter bis zu den 25 Fontes. Am Minibus treffen wir wieder zusammen. Der Rückweg birgt eine kulinarische Köstlichkeit. Excuse me - haben sie Hunger? Haben wir! Excuse me - menu? Machen wir! Excuse me - is it good? Total! Wir halten sogar die Auf und Abs, die Links - und Rechtsfahrten bis zur Via Rapida aus.. Um 20:00Uhr sind wir im Hotel. Günther holt noch schnell Getränke vom Spar, denn heute wird ein Fußball-, Sudoko-, Lese- und Schlafabend mit eigenartigen Dauerduschgeräuschen.


Donnerstag, 6. März

Frühstück – hart gekochtes Ei. Funchal steht auf dem Programm. Die Suche nach dem Parkhaus ist erfolgreich, auch wenn wir beim Aussteigen aus dem Aufzug im Krankenhaus sind. Die Markthalle, ein Muss für jeden Urlauber. Fische, Obst, Souvenirs, alles im Überfluss. Wir erkunden das Fischerviertel im alten Funchal mit den bemalten Türen und engen Gassen. Wir finden Tausende Restaurants und schließlich auch das Foto von Churchill. Zurück laufen wir auf der Hafenpromenade. Die Suche nach dem Monte und der Friedensmadonna in Terreiro da Luta wird mühsam. Wir nähern uns per Bergziege von der anderen Seite. Dadurch entfällt die eingeplante Wanderung. Wir sind schon da! Mystische Stimmung mit Nebelschwaden, die immer wieder die Marienstatue verdecken. Kurze Abfahrt nach Monte. Wir trinken Kaffee in der Nähe der Kirche Nossa Senhora do Monte, die auch das Grab von Kaiser Karl I von Österreich-Ungarn beherbergt. Von hier aus fahren die Korbschlitten nach Funchal hinunter. Wir beenden das Aussichtsprogramm und poolen bis zum Abend. Heute ist Indischessen angesagt. Otto isst hot, Günther mixed, Toni und Rosmarie beginnen mit Suppe. Zum Abschluss Portwein und gute Wünsche des indischen Besitzers. Wir shoppen Alcoholics und Wasser und sitzen bis 23:00Uhr auf der Wiehlschen Terrasse. Schnaps im Zahnputzglas!


Freitag, 7. März

Wir haben unter der Tür unsere Abfahrtszeit für morgen bekommen. Wir spülen den Zettel ins Clo und fahren noch einmal in die Hochebene Paúl da Serra. Es ist ein wunderschöner Tag, besonders der Vormittag. Gleißender Sonnenschein, undurchdringliche gelbleuchtende Ginsterfelder, Ausblicke auf Wolkenformationen und das Madeirische Hochgebirge. Im Estalagem Pico de Urze trinken wir Espresso und schwitzen in der Sonne. Danach Abfahrt nach Porto Moniz, in die nordwestlichste Hafenstadt. Zwischendurch Ausblicke auf meerumtoste Felsen und tiefe Schluchten. Der Rundgang in Porto Moniz ist kurz und ein bisschen fado. Die Rückfahrt relativ flott – im Süden empfängt uns die Sonne. Es reicht zwar nicht zum Aktivpoolen, aber schwimmen ist drin. Um 18:00Uhr fahren wir mit dem Bus in die Altstadt und genießen den letzten gemeinsamen Abend in einem der vielen Restaurants im Fischerviertel. Nette Bedienung und ein gutes Essen. Rosmarie und Otto bekommen die Espetada diesmal am Lorbeerspieß, Günther isst Meeresfrüchte und Toni Oktopus gegrillt. Ein letzter Bummel durch Funchal und dann geht es mit dem Bus nach Hause. Schnaps – und Wasserreste auf der Terrasse mit einem ganz anderen Mond als daheim. Schade, dass wir ihn bald wieder normal sehen!

© copyright Günther Wiehle