Sachsenrundfahrt - Erzgebirge und Lausitz

Freising - Ammelsdorf | 26.07.2019

Die letzten Tage waren enorm heiß. Das Getreidefeld vor unserem Küchenfenster ist abgeerntet. Heute am letzten Schultag vor den Großen Ferien rechnen die Experten mit einem weiteren Verkehrskollaps. Da wollen wir wenigstens vorneweg fahren statt mittendrin stauen. Also brechen wir schon um 8 Uhr morgens auf. Ohne jede Beeinträchtigung, mit einer Stunde Mittag an der Raststätte Vogtland, erreichen wir am frühen Nachmittag die 'Körnermühle' im Erzgebirge. Katrin und Philipp haben hierher eingeladen zum "Wilden Mühlenfest" ....

Getreidefeld an der Isarstraße in Freising


Körnermühle Ammelsdorf | 26. bis 29.07.2019

.... und alle sind gekommen, Jung und Alt - von gerade mal vier Wochen bis über 70 Lenze gereift. Eine fröhliche ungezwunge Athmosphäre zieht alle in ihren Bann. Es gibt reichlich zu Essen und zu Trinken. Fleißige Hände kümmern sich um Zubereitung und Abwasch. Die Nacht wird zum Tag.

Lagerplatz an der Körnermühle

Hauptgebäude der Körnermühle


Ammelsdorf - Bautzen | 29.07.2019

Das letzte Glas ist gespült, der letzte Teller gewaschen, Bänke und Tische sind ordentlich verstaut. Die Meisten sind bereits gestern abgereist. Auch wir nehmen Abschied von einem lauschigen Flecken Erde. Dresden wird nördlich umrundet. Hier auf der A4 kommen wir zügig voran. Bautzen in Sicht! Der kostenlose Womo-Stellplatz am westlichen Stadtrand ist sauber und ordentlich und für eine Besichtigung ideal. Die Hitze setzt uns zu. In der Tourist Information werden wir gut beraten, in der Bäckerei Schwerdtner mit Kaffee und Kuchen versorgt. Der Reichenturm ist gar nicht so schief wie beschrieben, der Dom St. Petri, von beiden christlichen Konfessionen benutzt, hat einen markanten Knick in der Längsachse. Die Alte Wasserkunst versorgte bereits 1496 die Stadt mit Spreewasser. Und die Straßenschilder sind zweisprachig: sorbisch und deutsch. Der sorbische Name der Stadt lautet übrigens "Budyšin". Ein abendliches Gewitter sorgt für etwas Abkühlung.

Bautzen

Vorm Dom St. Petri - Bautzen

Dom St. Petri - Bautzen

Ruine der Nikolaikirche - Bautzen


Bautzen - Löbau - Obercunnersdorf | 30.07.2019

Den Vormittag widmen wir dem Strafvollzug. Zu Fuß irren wir zur Gedenkstätte Bautzen. Es stimmt sehr nachdenklich, wie die Diktaturen des Dritten Reichs, der Sowjetischen Siegermächte und der DDR gleichermaßen mit Andersdenkenden und Kritikern umgegangen sind. Den Rückweg treten wir durch die Altstadt an und erreichen das Womo gerade vor dem einsetzenden Regen. Am König-Friedrich-August-Turm in Löbau scheint wieder die Sonne. Zur Schonung unserer heißen Sohlen sind wir mit dem Womo fast ganz hoch zum gusseisernen Bäckerdenkmal gefahren. Der Bauherr Friedrich August Bretschneider war Bäckermeister. Lange warten wir in der Turm-Gaststätte auf unser Essen. Und billig ist es auch nicht. Wenigstens schmeckt die Sülze mit den Bratkartoffeln. Etwas weiter südlich wartet mit Obercunnersdorf ein einmaliger Denkmalort. Etwa 250 Umgebindehäuser zeugen von der einzigartigen Verbindung von Blockstube, Fachwerk- und Natursteinhaus. Wir stellen das Womo am Ortsrand beim Freizeitbad ab, löhnen drei Euro für 24 Stunden und dürfen dafür den Sanitärbereich kostenlos nutzen.

Gedenkstätte Bautzen

Kaffeepause

König-Friedrich-August-Turm bei Löbau


Obercunnersdorf | 30.07. bis 01.08.2019

Otto erkundet den Ort per Fahrrad, erhält in der Touristeninformation Material über das Dorf und einen Stadtplan von Görlitz mit einem wertvollen Übernachtungstipp für dort. In der Kaufhalle ersteht er ein schnelles Mittagessen. Um 14 Uhr startet unsere Ortsführung. Sie ist kurzweilig und informativ. Wir erfahren, wie Umgebindehäuser konstruiert sind und warum sie ausgerechnet hier gebaut wurden. Den Abschluss bildet der Besuch der in ländlichem Barock ausgestalteten Dorfkirche. Die zweieinhalb Stunden sind wie im Fluge vergangen. So viel schönes verlangt natürlich nach Kaffee und Kuchen .... im Kaffeestübchen Brumme.

Obercunnersdorf

Umgebindehaus in Obercunnersdorf

Umgebindehaus in Obercunnersdorf

Dorfkirche in Obercunnersdorf


Görlitz | 01. bis 03.08.2019

Der Tipp in der Obercunnersdorfer Touristeninformation war Gold wert. Das Areal des Berzdorfer Sees diente bis 1992 dem Braunkohle Tagebau, wurde anschließend rekultiviert und ist seit 2013 Görlitzer Naherholungsgebiet. Für 10 € bekommen wir zwar keine Sanitärgebäude und keine Stromversorgung, dafür aber eine Traumlage direkt am Wasser. Rund um den See führt ein großteils geteerter 15 Kilometer langer Rundweg. Und die Altstadt von Görlitz ist nur sechs Kilometer entfernt, mit den Bikes kein Problem. Wir ketten die Räder am Postplatz an. Dummerweise haben wir unseren Führer im Womo vergessen und laufen nur mit einem kleinen Stadtplan bewaffnet ziemlich orientierungslos durch den historischen Stadtkern. Otto genügt der oberflächliche Eindruck, Rosi ist ziemlich angefressen. Am Abend schauen wir uns den museal ausgestellten großen Schaufelradbagger am Südostufer des Sees an. Den zweiten Tag nutzen wir am Wasser, fahren Rad. Rosi geht schwimmen, Gemahl Wasserscheu passt auf das Hab und Gut auf. Das selbstgemachte Eis von schwarzem Holunder, bzw. Orange-Ingwer-Joghurt in Deutsch-Ossig schmeckt sensationell. Die gierigen Blutsauger zum Sonnenuntergang tun der Bilderbuchstimmung keinen Abbruch.

Berzdorfer See

Görlitz

Görlitz

Görlitz

Görlitz

Schaufelradbagger am Berzdorfer See

Berzdorfer See


Bad Muskau | 03. bis 05.08.2019

Wir wählen die Route entlang der polnischen Grenze an der Neisse nach Norden. Leider kriegen wir die ganze Strecke den Grenzfluss nicht zu Gesicht. Der gute Stellplatz in Bad Muskau liegt inmitten hoher Bäume am Rand der Stadt und des berühmten Parks. Fürst Pückler hat dieses UNESCO Welterbe geschaffen. Das Allerwelteis, das auch seinen Namen trägt, stammt übrigens nicht von ihm. Das weitläufige Gelände erstreckt sich über mehr als 800 Hektar beiderseits der deutsch-polnischen Grenze. Da können wir die Räder gut nutzen. Doch vor dem Schweiß muss noch Kaffee her. Das Schlosscafè gibt's nicht mehr, wir kommen im "Vorwerg" nebenan unter. Ein kommunikatives sächsisches Paar gewährt uns freundlich Platz im ansonsten vollbesetzten Garten. Jetzt am Wochenende sind reichlich Besucher im Gelände, die sich aber aufgrund der Dimension des englischen Gartens nicht in die Quere kommen. Von einer Dampflokomotive lassen wir uns auf einer Schmalspurbahn in die Glasmacherstadt Weißwasser ziehen. Der Ort, dessen Einwohnerzahl in den letzten Jahren ständig sinkt, gefällt uns nicht. Wir umrunden den Jahnteich, benannt nach dem alten Turnvater, genehmigen uns eine Bratwurst gegen den Hunger und dampfen zurück nach Bad Muskau.

Neues Schloss Bad Muskau

am alten Schloss in Bad Muskau

Fürst Pückler Park

Fürst Pückler Park

Waldeisenbahn Muskau

... es dampft gewaltig ...


Tagebau Nochten - Klein-Loitz | 05. bis 07.08.2019

Niemand kommt, um die restliche Stellplatzgebühr zu kassieren. Nach telefonischer Rückfrage landen 10 € im Briefkasten. Der Aussichtsturm "Schwerer Berg" steht mittlerweile vor dem bereits wieder rekultivierten Gelände des Braunkohle-Tagebaus. Ohne Kenntnis der Entfernung gehen wir zu Fuß Richtung aktivem Abbau. Die Sonne meint es gut mit uns. Nach etwas mehr als fünf Kilometern auf heißen Asphalt stehen wir endlich vor den Monsterbaggern im schwarzen Loch. Gewaltige Massen Erde müssen bewegt werden, um die beiden 2 bis 5 Meter bzw. 9 bis 15 Meter mächtigen Flöze Kohle bergen zu können. Und wir bewegen uns wieder 5 km zurück zum Womo am Aussichtsturm. Der wird jetzt natürlich auch noch bestiegen. Das nächste Ziel wäre jetzt eigentlich der Lausitzer Findlingspark in Nochten. Wollen wir in der Hitze und ohne Schatten in Europas größtem Steingarten herumirren? Klare Antwort: Nein! Wir brauchen Erholung. Die hoffen wir auf dem allseits gelobten Stellplatz "Minipony Ranch" in Klein-Loitz zu finden. Wir sind ernüchtert. Die Anlage ist sehr gepflegt und wie ein Campingplatz ausgestattet. Wir hätten uns mehr Flair und vor allem Geschäfte, Cafés und Restaurants in unmittelbarer Nähe gewünscht. Leider alles Fehlanzeige. Letztlich bleiben wir trotzdem zwei Nächte, radeln zum Felixsee und nach Bohsdorf. Und ja, wir sind hier bereits in Brandenburg, nicht mehr in Sachsen.

Kraftwerk Boxberg bei Nochten

Tagebau Nochten

Tagebau Nochten

Felixsee

Kramlädchen und Hofschänke Bohsdorf


Schleife - Nochten - Marktredwitz | 07.08.2019

Wenige Kilometer südlich in Schleife ist das Sorbische Kulturzentrum. Was kann man für 1 Euro Eintritt verlangen? Exakt! Die Ausstellung zeigt mit vielen Puppen die sorbische Tracht, sorbische Sagen und ein wenig sorbische Lebensart. Ostern ist ein sorbisches Hochfest. Kunstvoll in Wachstechnik verzierte Eier sind Beleg dafür. Einige textliche Schautafeln bringen uns die Eigenheiten des slawischen Volksstammes ein wenig näher, dessen Sprache, Kultur und Eigenständigkeit sich in Auflösung befinden.
Heute haben wir Zeit und Muße, den Findlingspark in Nochten, südlich des Tagebaus, zu besuchen. Eiszeitliche Gletscher haben vor 10.000 Jahren Massen von Steinen und Geröll aus Skandinavien bis hierher geschoben. Im Zuge der Rekultivierung wurde zu Beginn dieses Jahrtausends eine hügelige Garten- und Parklandschaft angelegt. Die hochsommerliche Trockenheit der letzten Wochen hat offensichtlich der floralen Pracht arg zugesetzt. Einzig die unterschiedlichen Heidebeete setzen kontrastreiche Farbtupfer. Trotzdem sehr schön hier!
Jetzt aber auf nach Hause. Bis ins nördliche Bayern nach Marktredwitz sind's gut 300 regenreiche Kilometer. Am Abend kommen wir auf dem kostenlosen gut frequentierten Stellplatz an.

Sorbisches Kulturzentrum in Schleife

Sorbisches Kulturzentrum in Schleife

Findlingspark Nochten

Findlingspark Nochten


Marktredwitz - Freising | 08.08.2019

Von heute gibt's nicht mehr viel zu erzählen. Wir haben auf dem tollen Stellplatz in Marktredwitz unser Fahrzeug entsorgt und sind anschließend heim gefahren und gut angekommen. Sachsen war eine Reise wert!

Jetzt freuen wir uns schon auf den nächsten Kurzurlaub zusammen mit den Enkelkindern im Bayerischen Wald. Demnächst an dieser Stelle mehr.