Kaffeefahrt nach Holland

Freising - Völklingen | 30.04.2019
Das Packen dauert länger, weil ja unser Womo nicht mehr direkt vor unserer Haustüre geparkt werden kann. Aber nach dem Lebensmitteleinkauf geht's gegen Mittag los Richtung Stuttgart. Bei Pforzheim nimmt die Verkehrsdichte zu und in Karlsruhe tuckern wir stop-and-go durch die Stadt des Bundesgerichtshofs. So ist es dann schon 18:30 Uhr, als wir müde auf dem Parkplatz des 'Weltkulturerbe Völklinger Hütte' ankommen. Hier ist ein sauberer und kostenloser Stellplatz für Wohnmobile. Wir belegen die letzte freie Parzelle. Campernachbarn aus Holland haben das Industriemonument besichtigt und sind etwas enttäuscht ob des Gezeigten (bei einem Eintrittspreis von 17 €!). Vielleicht waren für sie die 3-sprachigen Erklärungen zu schwer zu verstehen? Der Besuch hat jedenfalls nur zwei Stunden Zeit gekostet. Ein aufdringlicher weiterer Wohnmobilist aus Trier empfiehlt uns gar, auf die Besichtigung ganz zu verzichten und das Geld in Essen anzulegen. Wir wollen uns morgen eine eigene Meinung bilden.

der Womo Stellplatz an der Völklinger Hütte

im Hintergrund die Hochöfen der Völklinger Hütte


Völklinger Hütte | 01.05.2019
Um 10 Uhr mit der Öffnung der Hütte lösen wir unsere Tickets. Der sieben Kilometer lange Rundweg beginnt in der Gebläsehalle. Riesige Luftpumpen bliesen hier unvorstellbare Mengen Luft durch gewaltige Rohrleitungen in die Hochöfen. Eine Brücke führt uns in die Sinteranlage, die weltgrößte ihrer Zeit. Beim Sintern wurden Reststoffe der Eisenerzeugung recycelt, um später dem Hochofenprozess wieder zugeführt zu werden. In der Erz- sowie der Möllerhalle waren die Rohstoffe zwischengelagert, um sie von hier zu den Hochöfen zu transportieren. Mit Helmen geschützt steigen wir über eiserne Treppen die Hochöfen empor. Gut, dass die Wege mit Geländern gesichert sind. 40 m unter uns wurde in den Öfen der Kokerei das Brennmaterial für die Eisenschmelze, der Koks erzeugt. Dieser Bereich ist seit gut 20 Jahren sich selbst überlassen. Schritt für Schritt erobert sich die Natur das Gelände zurück. Drei Stunden sind wir schon unterwegs und haben Hunger. Den stillen wir im lauschigen Garten des Bistros 'B 40' außerhalb. Nach einer Kaffeepause vorm Womo folgt der letzte Teil der Besichtigung, das 'Ferrodrom'. Experimentierstationen für Groß und Klein geben spielerisch Einblicke in die Herstellung, Nutzung und Eigenschaften von Eisen. Müde aber zufrieden ziehen wir abends Resümee: für uns hat sich der Besuch der 1986 stillgelegten Hütte auf jeden Fall gelohnt.

in der Gebläsehalle

in der Sinteranlage

die Erzhalle

vor dem Aufstieg zu den Hochöfen

oben auf einem Hochofen

oben auf einem Hochofen

Öfen der Kokerei im "Paradies"


Völklingen - Luxemburg | 02.05.2019
Keine 100 Kilometer trennen uns vom heutigen Ziel, der Stadt Luxemburg. Der südlich gelegene Campingplatz 'Kockelscheuer' soll eine gute Busanbindung an das Stadtzentrum haben. Als wir mittags unsere große grüne Parzelle beziehen, zeigt sich die Sonne kaum einmal. Der Platz und seine Einrichtungen entsprechen gutem Standard, mit 19,50 € ist er erfreulich preiswert. Wir erkunden die Umgebung und wandern im Naherholungsgebiet um die 'Brakeweier'. Leider kühlt es jetzt deutlich ab. Ein spätnachmittäglicher kurzer Schauer vertreibt uns endgültig nach drinnen und die Temperaturen sorgen dafür, dass wir dort bleiben.

Rast am Brakeweier


Luxemburg | 03.05.2019
Die Bushaltestelle ist an der Hauptstraße direkt bei der Einfahrt zum Campingplatz. 8 € kosten die beiden Rückfahrtickets ins Zentrum, gut angelegtes Geld. Wir steigen am Boulevard Royal aus und begeben uns zur Touristen Information. Mit vielen Empfehlungen und zwei Stadtplänen ausgerüstet legen wir los. Das Rathaus ist wenig monumental. Gleich dahinter am feudalen Großherzoglichen Palais warten lange Menschenschlangen auf Einlass. Sie wollen dem gerade verstorbenen Grand-Duc Jean vor der morgigen Beisetzung die letzte Ehre erweisen. Die Palastwache schwadroniert vor dem Eingang. Wir gehen weiter zu den historischen Kasematten. Die ersten Festungsanlagen wurden 1644 von den Spaniern angelegt und im 18. Jh. von den Österreichern auf eine Gesamtlänge von 23 km ausgebaut. Die unterirdischen Gänge reichen bis zu 40 m tief in den Fels hinein. Wir haben mit dem Plan mangels eindeutiger Hinweise unsere liebe Not und verlaufen uns mehrfach. Für Freunde unterirdischer Festungsbauten bestimmt ein Muss, wir genießen höchsten die schönen Ausblicke auf die Stadtteile Grund bzw. Pfaffenthal. Gegenüber vom Rathaus gibt's einen Cappuccino. Dabei erfahren wir, dass Deutsch neben Luxemburgisch und Französisch die dritte Landessprache ist. Über einen gläsernen Panoramaaufzug gleiten wir hinab nach Pfaffenthal. Hier waren früher Gerber und weitere anrüchige Berufe angesiedelt. Auch Leprakranke wurden hierher "extra muros" verbannt. Heute ein beschaulicher anheimelnder Ort. Viele Stufen führen auf der anderen Seite hinauf zum Kirchberg. Oben finden wir uns in einer anderen Welt wieder: moderne Glaspaläste von Banken und Institutionen. Otto marschiert in den gesperrten Bereich des Europäischen Parlaments und wird freundlich wieder hinauskomplimentiert. Vorbei an der nicht minder modernen Philharmonie treten wir den Rückzug an. Eine preiswerte Bäckerei in der Rue des Capucins spendiert uns Kaffee und Gebäck. Satt und zufrieden machen wir uns auf den Heimweg.

Luxemburger Rathaus

Großherzogliches Palais

Bock Kasematten

Bock Kasematten

Bock Kasematten und Unterstadt

Weg zum Panoramaaufzug nach Pfaffenthal

Europäisches Parlament

Philharmonie


Luxemburg - Echternach - Vianden | 04.05.2019
Die Nacht war echt kalt. Wir hatten die Heizung auf kleinster Stufe an. Und am Morgen Regen. Oder sind da sogar ein paar weiße Flocken dazwischen? Brrr. Für die Trauergäste auf dem Friedhof bestimmt auch nicht schön. Aufbruch. Die Tankanzeige meldet Null Kilometer Restreichweite. Rosi ist entsetzt. Otto wie immer gelassen. Nach seiner Meinung kommen wir noch rund 200 km weit. Die Straße Richtung Osten ist gesperrt, das Navi lotst uns in großem Bogen rund um die Stadt. Vorbei an diversen Tankstellen. Rosi stehen die Sorgen ins Gesicht geschrieben. Otto will auf dem Weg in Junglinster einkaufen und tanken. Die Parkplätze um die Supermärkte sind rappelvoll. Also wird zunächst getankt. Der Diesel ist heute 3 Cent teurer als gestern, aber mit 1,143 € im Vergleich zu Deutschland immer noch super günstig. Wir dürfen das Womo neben der Waschhalle parken und gehen zu Fuß Lebensmittel besorgen. Der Globus Baumarkt feiert Jubiläum und bietet 30% Rabatt auf Alles. Daher der Auflauf! Echternach - die älteste Stadt des Landes - wird nach der Mittagsjause erkundet: oberhalb des Museums für Vorgeschichte finden wir die Kirche Peter und Paul leider verschlossen. Die romanische Klosterbasilika beherbergt den Totenschrein von St. Willibrord, dem Patron von Luxemburg, der hier 739 gestorben ist. Den Marktplatz dominiert der ehemalige Gerichtshof "Denzëlt" aus dem 14. Jh., nebenan steht das "Justizkreuz". Nur das gotische Haus, das vier Jahre nach seinem Einsturz 2000 neu aufgebaut wurde, können wir nicht entdecken. Dafür brummt uns der erste Maikäfer um die Nase. Das kleine Städtchen versprüht Flair, zumal jetzt auch die Sonne rauskommt. Auf unserem weiteren Weg nach Vianden leitet uns das Navi auf einer sehr schmalen Straße auf der deutschen Seite des Grenzflusses Our. Auf dem Campingplatz direkt am Wasser lässt die Sonne noch mal alle Kraft auf uns wirken - schön!

Klosterbasilika Echternach

Sarkophag von St. Willibrord

Marktplatz mit Denzëlt links

Campingplatz in Vianden an der Our


Vianden | 05.05.2019
Was für eine Nacht! Wir haben sooo gefroren und um 2 Uhr die Heizung hochgedreht. Danach war's ok. Auch der Morgen ist trotz Sonne kalt. Otto weigert sich, ins eisige Sanitärgebäude duschen zu gehen. Wir ziehen uns warm an, um den Ort zu erkunden. Das kleine Städtchen ist romantisch verträumt, ohne protzige Prachtbauten. Die vielen Restaurants warten jetzt am frühen Vormittag vergeblich auf uns als Gäste. Hoch über allem thront die trutzige Burg. Wir umrunden sie, verzichten aber auf eine Besichtigung. Mittags zurück am Campingplatz stellen wir fest, dass alle anderen "Zugvögel" weitergereist sind. Wir wollen den restlichen Tag faul vor dem Womo genießen. Dummerweise geben sich Sonne und Wolken laufend die Hand, manchmal unterbrochen von kurzen Regenschauern. So wechseln wir stetig zwischen draußen und drinnen, wie die zwei Figuren vom Wetterhäuschen, einzig mit dem Unterschied, dass wir paarweise kommen und gehen.

Burg über Vianden

Blütenpracht

alte Brücke über die Our

Blick aus dem Womo-Fenster


Vianden - Hansweert | 06.05.2019
Heute ist ein Fahrtag. Die 300 Kilometer lange Etappe mäandert zunächst an der Our entlang. Campingplatz reiht sich an Campingplatz. Eine Baustelle/Straßensperre zwingt uns nach Deutschland. Die Strecke durch die Eifel ist nicht minder kurvenreich und zudem hügelig. Bei Prüm erreichen wir endlich die Autobahn. Gleich darauf sind wir in Belgien. Wir kommen gut voran. Rund um Lüttich nimmt die Verkehrsdichte zu, ohne uns merklich zu bremsen. Vor Antwerpen ist Mittagsrast und eine Dreiviertelstunde später haben wir den kostenlosen Stellplatz an der Westerschelde in Hansweert auf Zeeland erreicht. Ein rauer Wind am Uferweg nötigt Otto die Pudelmütze auf. Der Ort ist seltsam. Gepflegte kleine Reihenhäuschen neben wüstem Leerstand. Keine Geschäfte oder Shops. Eine Schlafstadt? Endlich finden wir eine kleine Billard-Bar, die uns Kaffee spendiert. Wir sitzen in der warmen Sonne. Genuss pur! Vom Womo aus beobachten wir den regen Schiffsverkehr vor unserer Windschutzscheibe. Containerriesen und dazwischen unzählige Frachtkähne. "Wende dich stets der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich."

geliebte Kaffeepause

großes Autokino


Hansweert - Aagtekerke | 07.05.2019
Der Parkplatz am 'Omnium' Freizeitzentrum in Goes ist gebührenfrei. Von dort sind wir schnell zu Fuß in der Stadtmitte. Den 'Stadshaven' säumen stilvoll-gediegene Bürgerhäuser und schauen auf respektable Jachten. Der Marktplatz gleich dahinter trägt seinem Namen alle Ehre und beherbergt unzählige Verkaufsstände. Dem Angebot eines Händlers mit Nüssen und Trockenobst können wir nicht widerstehen. Hinter dem 'Stadhuis' und der 'Stg. Maria Magdalenakerk' wartet die hübsche Inhaberin eines gut besuchten Cafés auf uns. Otto erfährt von ihr, dass man Goes wie "Chuus" ausspricht. Die Sehenswürdigkeiten seien der 'Stadshaven', der 'Grote Markt' und das 'Historisch Museum' gleich nebenan. Soll das wirklich alles sein? In der Tourist Info zwei Häuser weiter lautet die Auskunft: 'Stadshaven', 'Grote Markt', 'Historisch Museum'! Na gut, das Museum lassen wir und bummeln gemütlich durch die gepflegten Gassen zurück zum Womo. Wir wollen heute unser Zelt auf dem Campingplatz hinter der Düne in Dishoek an der Südwestküste aufschlagen. Eine passende Parzelle ist schnell gefunden. Dann erfahren wir, dass der ACSI-Sondertarif in dieser Woche nicht gilt, weil in Holland Ferien sind. Die regulären 33 € sind uns zu viel. Zum Glück hat Rosi zuhause schon nach Stellplatz-Optionen geschaut. Wir versuchen unser Glück im 'Roos en Doorn' in Aagtekerke, ein Minicamping auf einem Bauernhof. Großzügige Wiesenparzellen mit Strom und WiFi, ein sauberes Sanitärgebäude - das Ganze für 17 €. Schön und preiswert! Am Nachmittag radeln wir ins nahegelegene Domburg. Vom viktorianisch anmutenden 'Badpaviljoen Domburg' spazieren wir zwei Kilometer am Strand nach Süden und auf dem ausgebauten Weg der Dünenkrone zurück. Viele Menschen genießen wie wir die sonnig salzige Luft. Otto schleckt ein Eis und Rosi findet einen hübschen Schal. Nur schade, dass für morgen Regen angesagt ist.

Stadshaven Goes

Camping Roos en Doorn

am Strand von Domburg

Badpaviljoen Domburg

Domburg


Aagtekerke | 08.05.2019
Wir haben also die Kälte gegen Nässe getauscht. Der Vormittag dient der ausgiebigen Körperpflege, dem Lesen und Spielen. Rosi hat heute bei Rummikub kein Glück. Am frühen Nachmittag lässt der Regen etwas nach. Wir wappnen uns mit Regenjacke und -schirm gemäß dem Motto: "Regentage sind Kalorientage". Das 'Theetuin De Koektrommel' ganz in der Nähe hat einen legendären Ruf. Und es wird ihm gerecht. Die Schokosahne ist ein Gedicht. Als eine große Seniorengruppe hereinbricht, ist es mit der Gemütlichkeit vorbei. Wir lassen die Alten alleine. Unglaublich, was ein gutes Stück Kuchen bewirken kann: strahlend blauer Himmel über uns. Zurück am Womo schnappen wir die Räder und machen eine Tour über Westkapelle an der Schelde und über Domburg zurück. Auf dem top ausgebauten Radwegenetz in Holland macht das Treten doppelt so viel Spaß. Bei Albert Heijn besorgen wir noch Grillgut für den Abend und lassen es uns bald darauf vorzüglich schmecken.

Theetuin De Koektrommel

Regentage sind Kalorientage ...

Hoge Vuurtoren van Westkapelle - ursprünglich Kirchturm St. Willibrord

... das hätten wir uns heute Früh nicht träumen lassen


Middelburg | 09.05.2019
Es sind etwas mehr als zehn Kilometer auf dem Radweg vom Camping Roos en Doorn bis ins Zentrum von Middelburg. Vor dem prächtigen Stadhuis ist Markt. Die Straßencafés sind voller Sonnenhungriger. Weithin sichtbar überragt der Abteiturm 'De Lange Jan' das Häusermeer. 1127 gründeten Prämonstratenser dieses Kloster. Koorkerk und Nieuwe Kerk bilden einen mehrschiffigen monumentalen Kirchenbau. Wir kehren zurück zu den weltlichen Genüssen und kaufen am reich frequentierten Fischstand eine große Portion Kibbeling (überbackener frittierter Kabeljau) - mhhh lecker. Der weitere Spaziergang führt uns über Pottenmarkt und Langeviele zur Kloveniersdoelen. Im 17. Jh. als das Haus der Schützengilde errichtet, diente es später der Ostindienkompanie und als Militärhospital. Heute beherbergt es ein Grand Café und ein Kino. Wir umrunden das Zentrum entlang des südöstlichen Kanals, gesäumt von stattlichen Bürgerhäusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Des Schauens müde machen wir uns auf den Heimweg. Zeitweise fordert uns ein kräftiger Gegenwind heraus. In der Sonne vor dem Womo wird uns dann erneut warm bevor am frühen Abend eine frische Brise aufkommt.

Stadhuis Middelburg

Klostergarten

Koorkerk

De Lange Jan

Kibbeling

mach mal Pause

Kloveniersdoelen

am Rouaansekaai


Aagtekerke - Kamperland | 10.05.2019
Das heutige Hauptziel ist das kleine Städtchen Veere im Norden der Insel Walcheren. Es regnet, als wir uns von unserer Gastgeberin verabschieden. Womo-Nachbarn haben uns von einem ganz tollen Campingplatz in Kamperland auf Noord-Beveland erzählt, direkt gegenüber, nur durch das Veerse Meer getrennt und per Fähre verbunden. Spontan schmeißt Otto den Plan über den Haufen, an der Veere Marina zu parken und erst nach dem Besuch über den Damm auf die kleine Insel Noord-Beveland zu fahren. Bei starkem Regen erreichen wir den 'RCN de Schotsman' Campingplatz in Kamperland. Die preiswerten ACSI-Plätze liegen trist im hinteren Bereich, weit weg vom Strand. Der Regen und die Umgebung lassen Enttäuschung keimen. Als Otto dann feststellen muss, dass die Fähre nach Veere heute am Freitag gar nicht verkehrt, ist die Frustration perfekt. So ein Mist! Petrus zumindest hat ein Einsehen mit uns. Die dunkle Wolkendecke bekommt immer größere Lücken. Spontan beschließen wir, dann eben auf dem Landweg über den Damm in die historische Stadt zu radeln. Der Weg dorthin misst ja nur knapp 15 Kilometer. Am Ortseingang begrüßt uns eine über 100 Jahre alte Kornmühle. Das Hochzeitspaar vor dem Rathaus freut sich mit uns über den sonnigen Nachmittag. Bei der obligatorischen Kaffeepause auf der Terrasse der 'Auberge De Campveerse Toren' wollen kecke Spatzen auch was vom Kuchen abhaben. Freche Dohlen stibitzen ungeniert die Kaffeesahne-Packungen von abgeräumten Tellern. Sie trinken ihren Kaffee anscheinend auch mit Milch. Von der Bastion haben wir einen schönen Blick auf die alten Häuser am Jachthafen. 600 Jahre hat die stattliche 'Grote Kerk' schon auf dem Buckel. Napoleon funktionierte das mächtige Gebäude 1811 um zu Kaserne, Hospital und Pferdestall. Heute dient es kulturellen Zwecken. Als wir gegen 18 Uhr am Womo zurück sind und es in der Abendsonne glänzt, wirkt auch der Campingplatz gar nicht mehr trist.

Kornmühle in Veere

Stadhuis

am Markt

am Kaai

Stillleben

Erinnerung!


Zierikzee | 11.05.2019
Morgendliche Radtour zur Ablegestelle der Fähre nach Veere und zurück. Vorbei an superschicken Häusern. Gestern noch hat Rosi darauf hingewiesen, dass vor unserem Womo ein massiver Baumstumpf aus dem Boden ragt. Heute beim Losfahren übersieht Otto ihn und rumpelt drüber. Ein grässliches Geräusch. Wir rangieren uns irgendwie wieder runter und hoffen, dass am Fahrzeug kein Schaden entstanden ist. Zwischen den Inseln Noord-Beveland und Schouwen-Duiveland haben die Holländer mit den Deltawerken das weltgrößte Sturmflutwehr zum Schutz der dahinter liegenden Oosterschelde-Region errichtet. Für den Deltapark, einen Wasserpark mit Spaß und Spiel, nehmen wir uns keine Zeit, halten aber auf dem kostenlosen Parkplatz auf der Nordseeseite für ein paar Schnappschüsse. Knapp 25 Kilometer weiter stellen wir das Womo auf dem nüchternen 'Camperplaats de Zandweg' in Zierikzee ab. Die Stadt feiert heute das 800-jährige Jubiläum seiner Stadtrechte. Mittelalter pur! Und Menschenmassen! Und wir mittendrin! Der 'Dicke Toren' ist eingerüstet und die 'Nieuwe Kerk' daneben wenig eindrucksvoll. Das 'Oude Stadhuis' mit seinem filigranen Turm wesentlich mehr. Im Zentrum am Havenplein tobt das Leben. Vorbei am 'Oude Haven' erreichen wir 'Noord-' und 'Zuidhavenpoort', die früher beide der Verteidigung dienten. Wir entfliehen dem Trubel in nicht minder schöne Nebengassen und machen Kaffeepause. Heute ist ja auch noch Mühlentag. Deshalb ist auch die Stellingmolen 'Den Haas' in Betrieb. Anschließend verschnaufen vor dem Womo. Nach dem Abendessen folgt ein zweiter Rundgang durch eine jetzt weitgehend leere Stadt. Das große Aufräumen hat begonnen.

Delta Sturmflutwehr

Havenplein in Zierikzee

Havenplein

Oude Haven

Oude Stadhuis

Stellingmolen Den Haas

Noordhavenpoort am Abend

Zuidhavenpoort am Abend


Zierikzee - Delft | 12.05.2019
Heute am Muttertag gibt's Frühstück mit Spiegelei. Und weil unser enger Stellplatz wahrlich keine Wucht ist, findet die Morgenspeisung am herrlichen langen Sandstrand am Brouwersdam statt. Der verbindet die Inseln Schouwen-Duiveland und Goeree-Overflakkee miteinander und liegt auf unserem heutigen Weg. Obwohl es morgendlich frisch ist, spazieren wir ausgedehnt um die komplette Bucht. Ein Rettungsboot liegt wegen des sinkenden Wasserspiegels fest. Wir helfen tatkräftig mit, es wieder flott zu machen. Vor uns liegen 75 Kilometer bis Delft. Das Autobahnwirrwar rund um Rotterdam wäre ohne Navi eine echte Herausforderung. So aber kann sich Rosi sogar ums Fotografieren der weiten Industrieanlagen vom größtem Seehafen Europas kümmern. Der 'Vakantiepark Delftse Hout' liegt wunderschön im Grünen und trotzdem nur 1 Kilometer vom Zentrum entfernt. Kurz vor Ziel passieren wir IKEA. Die haben heute am Sonntag offen. Bekommen alle Muttis ein Billy-Regal? Unsere Parzelle 131 ist geräumig. Dummerweise wirft ein großer Baum seinen Schatten am Nachmittag genau auf den Platz vor unserem Womo. Eine Alternative existiert leider nicht. Die anderen Camper aalen im T-Shirt, wir zwei im Fleece-Pulli! Abends essen wir im Zentrum am Beestenmarkt. Abgehärtet, wie wir inzwischen sind, sogar draußen vor dem 'Fratelli'.

Muttertags-Frühstück ....

.... am Strand bei Renesse

am Browersdam

am Browersdam

in der Hafenregion von Rotterdam

in der Hafenregion von Rotterdam

unser Schattenplatz

am Beestenmarkt in Delft


Delft | 13.05.2019
Das erste Frühstück im Freien! Wir bleiben lange sitzen und beobachten Nachbarn. "Wo die wohl das Bett haben"? "Guck mal, die fahren mit dem Womo zum Frischwasser-Tanken und wieder zurück"! "Wow, Hausputz mit Staubsauger"! Jeder kriegt sein Fett weg. Als nicht mehr viel um uns herum passiert, gehen wir in die Stadt. Die Tourist-Info neben der Nieuwe Kerk liefert uns den gleichen Stadtplan, den wir schon an der Camping-Rezeption erhalten haben. 5,50 € kostet der Eintritt in die neue Kirche aus dem 14. Jh. - ohne Turm. Er ist über 100 m hoch, wir müssen sparen! Die Grabkirche des Hauses Oranien-Nassau gehört zu den größten Kirchen Hollands. Multimedia Installationen und diverse Videos liefern anschaulich Wissenswertes. Prinz Wilhelm I. von Oranien wurde im Chor ein Prunkgrab errichtet. Ein Stockwerk tiefer sind die weiteren Oranier bestattet, bis hin zu Königin Juliana und Prinz Bernhard im Jahr 2004. Mit den Tickets haben wir auch freien Eintritt in die Oude Kerk. Ihre Ursprünge gehen wohl zurück bis ins 11. Jh. Berühmte Personen bürgerlichen Hintergrunds sind in ihr begraben, neben vielen Anderen der Maler Jan Vermeer. Durch den grünen Garten des Prinsenhof, wo der erste Oranier ermordet wurde, gelangen wir weiter zur Molen de Roos. Eine stattliche Windmühle, aber wahrlich nicht die einzige in Holland. Wir benötigen dringend Bargeld, was man uns am Markt gibt. Damit kann Otto endlich zu Kobus Kuch, dem bekanntesten Café, berühmt für seine Appeltaart. Wir nehmen mit Sahne. Otto wollte ja auf der Reise unbedingt nach Amsterdam. Jetzt nach der vielen Kultur, den schönen Grachten und Bürgerhäusern, steht ihm der Sinn gar nicht mehr danach. Viel lieber würde er die nächsten sonnigen Tage noch in der Natur, am Strand genießen. Bei Rosi rennt er damit offene Türen ein. Satt nehmen wir noch den Umweg über die Oostpoort in Kauf, kehren zum Womo zurück und suchen einen passenden Strand-Campingplatz bei Den Haag.

Nieuwe Kerk Delft

Grab von Prinz Wilhelm I. in der Nieuwe Kerk

Rathaus in Delft

vor dem Rathaus in Delft

Oude Kerk

Prinz Wilhelm I. im Garten des Prinsenhof

im Garten des Prinsenhof

Delft Souvenier Shop

ohne Worte

Moolslaan


Den Haag | 14.-17.05.2019
Der lange Sandstrand von Den Haag ist keine 20 Kilometer westlich. Auf dem großen gut ausgestatteten Vakantiepark Kijkduin erhält Otto endlich seinen Sonnen-Logenplatz. Zu Rosis Leidwesen ist es eher ein Bühnenplatz, mit uns als Hauptdarstellern. Der halbe Platz zieht an unserem Womo vorbei. Am Nachmittag benötigen wir sogar den Schatten unserer Markise. Wir wollen hier die nächsten Tage bleiben und faulenzen.

Sonnenplatz im Vakantiepark Kijkduin

am langen Sandstrand


Den Haag - Amorbach | 17.-19.05.2019
Eigentlich wollten wir nur bis etwa Bonn/Koblenz fahren und dort einen Zwischenstopp machen. Weil wir gut durchkommen und das Wetter trüb bzw. feucht ist, halten wir erst in unterfränkischen Amorbach, wo wir am frühen Abend ankommen. Der kostenlose Stellplatz ist sauber. Rosi will hier am Wochenende Jugendfreunde treffen.

Amorbach Altes Rathaus

Amorbach Seegarten

Abteikirche

Abteikirche


Amorbach - Freising | 20.05.2019
Zusammen mit der Unwetterwarnung vor heftigem Starkregen bzw. ergiebigem Dauerregen mit Gewittern packen wir die letzten gut 300 Kilometer. Wir kommen weitgehend trocken und vor allem gut durch.
Nachstehend eine kurze Zusammenfassung und Bewertung unserer Übernachtungsplätze:

  • Stellplatz Völklingen: kostenlos, einfach aber sauber und zweckmäßig
  • Camping Kockelscheuer Luxemburg: preiswert, gut und ideal für die Stadt
  • Camping Vianden: einfacher Platz, romantisch am Flüsschen
  • Stellplatz Hansweert: einfach, kostenlos, ohne alles, aber trotzdem schön
  • Camping Roos en Doorn Aagtekerke: preiswert, ungezwungen, schön
  • Camping de Schotsman Kamperland: sehr groß, tolle Lage
  • Stellplatz Zierikzee: zweckmäßig und stadtnah, ohne Sanitäreinrichtungen
  • Camping Delftse Hout: tolle Lage (Stadt und Natur), sehr schön
  • Camping Kijkduin Den Haag: sehr groß, gepflegt, direkt am Strand
  • Stellplatz Amorbach: kostenlos, einfach, zweckmäßig

die komplette Tour im Überblick