Friaul und Venetien - 28.03.- 10.04.

28.03. - pausenlos

Eigentlich wollten wir noch einen Abstecher nach Ruhpolding machen. Da Schorsch jedoch nicht zuhause ist, düsen wir ohne Pause von Großberghofen bis Villach. Der bewährte Stellplatz beim Gasthof Fruhmann lockt mit deftiger Kärtner Küche zu moderaten Preisen.


Venzone - 1976 von Erdbeben verwüstet

Venzone - heute wieder schmuck wie zuvor

29.03. - mautfrei

Bei Pontebba verlassen wir die Autobahn. Von hier zockeln wir gemütlich auf gebührenfreien Landstraßen bis Venzone. Das 3000-Seelen-Dorf war 1976 durch 2 Erdbeben nahezu völlig zerstört worden. Es ist weitgehend originalgetreu wiederaufgebaut. Wir bummeln durch den kleinen Ort, trinken im "Caffè Alla Vecchia Concordia" einen schmackhaften Espresso und besichtigen anschließend den "Duomo di Sant'Andrea", wo nebenan in der kleinen "Cappella di S. Michele" 5 Mumien ausgestellt sind. Die Leichname sind aufgrund eines antibiotischen parasitischen Schimmels relativ gut erhalten geblieben. Auf einem Rastplatz vor der Brücke über den Tagliamento folgt eine kurze Mittagsrast. Die folgende Strecke flussabwärts nach Bordano ist attraktiv aber auch eng. Einmal müssen wir sogar beide Außenspiegel einklappen, damit ein entgegenkommender Pkw passieren kann. Am Lago di Cavazzo flanieren wir bei strahlendem Sonnenschein am gepflegten Ufer entlang. Zum Bleiben schön hier! Aber Gemona wartet. Die Stadt war zusammen mit Venzone am stärksten von den Erdstößen 1976 betroffen. Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Nur eine kleine aber nicht minder sehenswerte Ausstellung dokumentiert mit eindrucksvollen Fotos die verheerende Naturgewalt und das Leid der Bevölkerung. Ansonsten finden wir Gemona nicht weiter sehenswert. Nach Besuch von Dom und Castello reisen wir weiter, da uns auch der lokale Stellplatz, ein großer Parkplatz, wenig zusagt. In der Schinkenstadt San Daniele ist der Stellplatz genauso öd und leer. Otto macht sich auf den weiten Weg in Zentrum und findet nach 20 Min. ein Ufficio Turistico. Zusätzlich zu einem Stadtplan erhält er hier die Information, dass neben dem Sportgelände zentrumsnah ein besserer Stellplatz ist. Wir ziehen um und sind zufrieden. Für ein Weißbrot ist Otto dann noch mal rund eine halbe Stunde unterwegs. Mit Sonnenuntergang wird es kühl. Wir beschließen den gelungenen Tag drinnen.

Venzone - Mumien in der Cappella di S. Michele

am Lago di Cavazzo

Gemona - Dom Santa Maria Assunta


30.03. - Kuschelcamping

Es sind gar nicht so viele Schinken-Geschäfte in San Daniele wie erwartet bzw. befürchtet. Das überschaubare Zentrum ist rasch erkundet. Die Kirche Sant’Antonio Abate trägt wegen ihrer Fresken von Pellegrino gar den Titel "Sixtinische Kapelle des Friaul". Mit einem leckeren Cappuccino im Magen machen wir uns auf den Weg nach Spilimbergo. Der Stellplatz hier wurde uns empfohlen. Er ist sauber und kostenlos, sogar Strom ist umsonst. Allerdings sind die Parzellen recht klein. Bis zum Abend sind wir von reiselustigen Italienern eingekesselt. Wir erkunden das mittags menschenleere Zentrum und sind enttäuscht, dass in der "Città del Mosaico" mit seiner Mosaikschule so wenige Kunstwerke zu entdecken sind. Mit unseren Rädern strampeln wir zum nahen Tagliamento und aalen mitten im breiten Flussbett auf den großen Kieseln in der Sonne. Am Abend ist die Stadt dann längst nicht mehr so ausgestorben.

San Daniele - Kirche Sant’Antonio Abate

Spilimbergo - Rast am Tagliamento


Udine - Piazza Giacomo Matteotti

31.03. - Eintritt frei

Verglichen mit den kleinen Orten, die wir bisher besucht haben, ist in Udine die Hölle los. Zuvor haben wir das Womo auf einem Großparkplatz abgestellt und sind 3 km ins Zentrum marschiert. Besonders die "Piazza Giacomo Matteotti" hat es uns angetan. Alle Plätze, Straßen und Gassen sind voller Menschen. Die berühmte "Piazza della Libertà" liegt vor dem Aufstieg zum Castello. De Aussicht von oben ist bemerkenswert, noch mehr aber die "Casa della Contadinanza", ein charmantes Restaurant. Otto probiert hier endlich den berühmten San Daniele Schinken. Frisch gestärkt erreichen wir Aquilea. Die altrömische Metropole ist heute ein bescheidenes Örtchen. Aber die Basilika beherbergt ein 750 m² großes beeindruckendes frühchristliches Mosaik aus der Zeit um 300 nach Chr. Beim Verlassen stellen wir fest, dass hier 7 € Eintritt fällig gewesen wären. Aber niemand wollte uns ein Ticket verkaufen oder es kontrollieren. Im Supermarkt gegenüber gibt's Nachschub und schon sind wir weg. In Grado, etwa 10 km weiter südlich, übernachten wir auf dem gepflegten Stellplatz. Für 24 Stunden bezahlen wir 16 €, leider gibt's keine Sanitäreinrichtungen. Aber wir haben ja unser Bad dabei.

Udine - Restaurant Casa della Contadinanza

Aquilea - Basilika Santa Maria Assunta

01.04. - Mobilmachung

Auf die Räder, fertig, los! Der Vormittag gehört der Altstadt von Grado. Am Fischerhafen vertäuen wir unsere fahrbaren Untersätze und gehen zu Fuß durch mondäne Einkaufsstraßen zum breiten Sandstrand. Einige Mutige sind sogar im Wasser. Wir wenden uns dem historischen Zentrum zu. Verwinkelte schmale Gassen, von den Fassaden blättert der Putz, Blumenschmuck dekoriert Türen und Fenster, schön! Die beiden berühmten Kirchen "Basilica di Santa Eufemia" und "Santa Maria delle Grazie" haben ihren Ursprung im 6. Jahrhundert. Bemerkenswert, dass man auf den uralten Mosaiken herumlaufen darf. Mit den Rädern umrunden wir anschließend den Fischerhafen und machen Mittagspause am Womo. Nachmittags radeln wir durch die Lagune bis zur Mündung des Isonzo. Die Landschaft ist schön, die Radwege sind eben und überwiegend asphaltiert. Im schicken "Ristorante Tarabusino Grado" genehmigen wir uns einen Cappuccino auf die im Sonnenlicht glitzernde Lagune. Zum Abend hin füllt sich der Stellplatz zusehends ohne dass aber "Spilimbergo-Enge" aufkommt. Auf dem riesigen Parkplatz gegenüber mit dem Hinweis "no Camping" tummeln sich einige hundert Camper. 1. April - "Tag der (Wohn-)Mobilmachung"?

Grado - in der Altstadt

Grado - Terrasse des Ristorante Tarabusino

Grado - (Wohn-)Mobilmachung


02.04. - Ohne Straßenbahn

Die Industriestadt Monfalcone durchqueren wir ohne Stopp. Beim "Castello di Duino" sind Wohnmobile nicht vorgesehen und Parkplätze grundsätzlich rar. In einer schmalen Straße reihen wir uns in die Schlange parkender Autos und quetschen uns soweit möglich an den Rand. Mit 8 € ist der Eintritt in das Schloss, das sich heute im Besitz der Familie Karl Prinz von Thurn und Taxis befindet, kein Schnäppchen. Wir legen noch 2 € drauf und dürfen dafür zusätzlich auch ins Castello Vecchio unterhalb. Die Aussicht auf den Golfo di Panzano ist toll. Das neue Schloss ist relativ schnell abgehakt, vor allem weil im oberen Geschoss hauptsächlich alte Musikinstrumente ausgestellt sind, die uns wenig interessieren. Zu guter Letzt steigen wir n den alten Wehrmacht-Bunker hinab und können das Schild oben an der Treppe bestätigen, dass die 100 Stufen zurück recht ermüdend sein können. Etwa 15 km weiter östlich liegt das Traumschloss Miramare wiederum direkt am Meer. Vom großen Parkplatz am Hafen sind es nur wenige Schritte zur Residenz des Erzherzog Ferdinand Maximillian von Habsburg, dem glücklosen Bruder des österreichischen Kaisers Franz Joseph. Der Eintritt ist heute kostenlos. Der Palast zeugt vom Glanz der K.u.k.-Monarchie. Nur die Bux-gesäumten Blumenbeete im Park vor der Cafeteria sind verwildert und ungepflegt. Wir werden des Schauens müde und steuern unser letztes Tagesziel an, den "Campeggio Obelisco" hoch oberhalb von Triest. Von hier fährt eine historische Straßenbahn hinunter in die reiche Hafenstadt. Den steilsten Abschnitt der Strecke überwindet sie sogar mit Hilfe einer Standseilbahn. Die Enttäuschung ist groß, als uns der Platzwart erzählt, dass sie außer Betrieb gestellt wurde. Wir werden morgen den gewöhnlichen Bus benutzen müssen. Heute ist relaxen angesagt. Das riesige Gelände wird von Dauercampern beherrscht. Aber unser Stellplatz direkt an der Einfahrt passt und das Sanitärgebäude ist sauber und gepflegt. Und Otto hat hier WLAN!

Duino - Castello nuovo und Castello vecchio

Grignano - Castello Miramare


Triest - Piazza della Unita

03.04. - Kaffeevariationen

Es ist heiß, als wir durch Triests Straßen ziehen. Und steil geht's rauf zum Burghügel von San Giusto, dem antiken Teil der Stadt. Die gleichnamige Kathedrale dort ist fünfschiffig und beherbergt großartige Mosaiken. Typisch italienisches Altstadtflair bieten die schmalen Gassen der Cavana westlich davon. Gleich im Anschluss tragen die repräsentativen Paläste bis hin zur Piazza della Unita K.u.k.-Großmachtgehabe zur Schau. Der Besuch des "Caffè Tommaseo" ist ein Muss. Es ist das älteste noch betriebene Kaffeehaus der Stadt. Wir gehen zurück in die liebevolle Cavana und statten der Kaffeerösterei "La Triestina" einen Besuch ab. Otto probiert die "Super Miscela" für 21 € das Kilo und kauft Vorrat für zuhause. Triest ist seit Jahrhunderten der wichtigste Einfuhrhafen für Kaffee im Mittelmeer. Am Canale Grande stärken wir uns bei einem späten leckeren Lunch. Die Wartezeit wird mit einer großen Portion Chips "versüßt". Satt, zufrieden aber auch müde kehren wir zum Campingplatz zurück. Rosi stromert durch das Gelände und bringt ein ganzes Bündel wilden Spargel mit. Am späten Abend genießen wir den herrlichen Blick auf das Lichtermeer Triests zu unseren Füßen.

Triest - im Caffè Tommaseo

Triest - im Caffè Tommaseo

Triest - Blick vom Campeggio Obelisco


04.04. - Mautsperre

Mit der Camping Card haben wir 5% Rabatt bekommen und bezahlen für die 2 Übernachtungen insgesamt nur günstige 36,40 €. Bei Redipuglia stolpern wir über die militärische Gedenkstätte "Sacrario di Redipuglia". 23 jeweils 2 m hohe Steinstufen tragen die Namen von 40.000 gefallen italienischen Soldaten des 1. Weltkriegs. Und ganz oben weist eine Gedenktafel auf weitere 30.000 unbekannte Tote. Auf sehr monumentale Art wird eindrucksvoll auf den Unsinn von Kriegen hingewiesen. Otto will anschließend nach Aiello, dem Ort der Sonnenuhren. Nach Ankunft in dem verschlafenen Flecken sieht es zunächst ganz nach einer "Schneiderfahrt" aus. Aber bei genauem Hinsehen entdecken wir dann doch eine ganze Menge großer und kleiner sonnenabhängiger Zeitmesser und ein idyllisches Landgut, jetzt Museum der bäuerlichen Kultur. In Palmanova, nur 5 km weiter, parken wir außerhalb der sternförmigen Stadtmauer und machen uns zu Fuß auf die Erkundung. Es ist unglaublich heiß. In der Mitte ist ein völlig überdimensionierter sechseckiger Platz, um den sich Kathedrale, Municipio sowie einige Geschäfte, Bars und Restaurants gruppieren. Um der Frage zuvor zu kommen - ja, man verkauft uns auch Cappuccino und Eis. Jetzt aber auf nach Venedig! Wir werden auf dem Stellplatz in Punta Sabbioni Quartier beziehen. Auf der Autobahn kommen wir schnell voran und bei der Abfahrt in San Donà Noventa erfährt Otto, dass San Birocratio der Schutzpatron der italienischen Mautstellen ist: der Automat möchte 6,10 € von uns, Otto wirft 6,50 € in die Münzschale. Eine uns unverständliche italienische Ansage ertönt. Otto wirft weitere 2 € ein. Endlich meldet sich eine Stimme in Englisch. Wir erhalten einen Beleg aus dem Automaten und die Schranke öffnet sich. Mit dem Beleg müssen wir in das Büro nebenan gehen. Dort wird ein A4-großes Formular in 2facher Ausfertigung erstellt. Führer- und Kfz-Schein müssen vorgelegt werden. Zu guter Letzt werden ein Bargeldauszahlschein in Höhe von 2,40 € erstellt, die Dokumente unterschrieben und 2,40 in bar ausbezahlt. Und schon sind wir nach gut 20 Minuten fertig und dürfen weiterfahren!

Sacrario di Redipuglia

Aiello - Sonnenuhren


05.04. - grau-blau

Nachts hat es geregnet. Otto hat's nicht bemerkt. Der Morgen ist grau in grau. Das erkennt auch Otto. Wir packen die Schirme in den Rucksack, bevor wir zur Haltestelle des Vaporetto 14 aufbrechen. Die Rückfahrtickets kosten 15 €, im Laufschritt zur Anlegestelle, Leinen los. Knapp 45 Minuten später gehen wir in der Nähe des Dogenpalastes am Markusplatz wieder an Land. Massen von Menschen - man sieht gar keine Tauben! Vor dem Eingang zum Dom eine ewig lange Schlange. Mit Rucksack darf man nicht rein. Also nebenan in der Gasse San Basso kostenlos abgeben. Hier ist die Schlange etwas kürzer. Dafür ist inzwischen die Schlange vor dem Dom noch länger geworden. Nicht mit uns! Otto holt den Rucksack. Dann bemühen wir die Schirme. Den Massen entkommen wir durch schmale Gassen nordwärts. Als wir nach einiger Zeit im Nirgendwo auf die Friedhofsinsel San Michele blicken, ist uns klar, dass wir uns ziemlich ins Abseits manövriert haben. Wir passieren das riesige "Ospedale Ss Giovanni e Paolo". Ob die Kranken hier wegen der räumlichen Nähe zur letzten Ruhestätte irritiert sind? Auf jeden Fall finden wir ein Restaurant, wo wir für 2 einfache Pizzen, 1 Wasser, 2 Espressi und Coperto stolze 35 € löhnen.

Venedig - Markusplatz

Venedig - Rialtobrücke

Bei der Rialto Brücke setzt erneut leichter Regen ein, der aber gleich darauf dauerhaft von der wiederkehrenden Sonne vertrieben wird. Zurück an San Marco können wir jetzt den grandiosen Dom ohne Wartezeit besichtigen. Die üppigen Mosaiken an Wänden, Decke und Boden beeindrucken. Wir gehen westlich über die hölzerne Brücke Ponte dell'Accademia über den Canale Grande und auf der anderen Seite über das Guggenheim Museum zur Santa Maria della Salute. Von hier nehmen wir das Vaporetto nach San Marco. Nachdem wir keinen Ticket-Automaten entdecken, fahren wir schwarz. Und kaum sind wir an der Ablegestelle nach Punta Sabbioni angekommen, wartet die Linie 14 abfahrbereit auf uns. Der Himmel ist wolkenlos, es ist wieder warm. Wir genießen den späten Nachmittag und Abend vor unserem Womo.

Venedig - Canale Grande

Venedig - Canale Grande


06.04. - Dauerfahrt

Ein Traumtag. Da wir heute mehrere Inseln in der Lagune besuchen wollen, kaufen wir das Tagesticket und starten mit Burano. Jetzt am Vormittag hält sich die Masse an Touristen noch in Grenzen. Wir sehen quietschbunte Häuser entlang der Kanäle, einen Kirchturm, der so schief steht, dass man darunter nicht vorbeigehen mag. Natürlich trinken wir den obligatorischen Cappuccino und essen vor der Weiterfahrt noch ein belegtes Brot. Inzwischen ist die Stadt voll.

Burano

Burano

Murano, die Stadt des Glases, ist interessant, aber nicht so schön wie Burano. Die zahllosen Glasläden interessieren uns nicht. Gerne würden wir aber Glasbläsern bei ihrer kunsthandwerklichen Tätigkeit zusehen. Wo immer wir fragen, schickt man uns zum Nachbarn. Weil wir das Handwerk aus dem Bayerischen Wald gut kennen, geben wir die Suche auf und trinken lieber noch mal Kaffee. Kurz vor der Abfahrt entdecken wir nahe am Hafen doch noch eine Fornace, wo gearbeitet wird. Die Wärme des Tages macht uns müde. Wir nehmen Vaporetto Linea 12 zurück nach Burano und von dort weiter nach Torcello. Erstaunlicherweise fährt unser Capitano von hier nach Burano und - oh Schreck - nach Murano. Jetzt ist aus dem "Seh-Tag" ein "Seetag" geworden. In Murano verlassen wir das Schiff, um nicht auch noch in Venedig zu landen und nehmen die nächste 12er. Diesmal wendet sie nicht wieder in Torcello, sondern bringt uns korrekt nach Punta Sabbioni.

Murano

Murano


07.04. - nahrungslos

Für heute hat Rosi eine Radtour in die Lagune ausgesucht. Auf wenig befahrenen Straßen und Wegen, vorbei an Treporti, tauchen wir ein in eine andere Welt. Eine idyllische Wasserlandschaft mit kleinen und großen Inseln. Im seichten Nass suchen Wasservögel nach Nahrung. Es ist unglaublich ruhig. Einzelne kleine bäuerliche Betriebe bauen Gemüse an. In den Gewächshäusern dominieren Zucchini. In Lio Piccolo thront ein altes Herrenhaus an dem der Putz mächtig bröckelt. Die einsame kleine Kirche daneben ist verschlossen. Und in keinem der umliegenden Agriturismos will man uns bewirten. Notgedrungen radeln wir zurück und essen vorm Womo, was der Kühlschrank so hergibt, nachdem wir auf dem Weg vergeblich einen Supermarkt gesucht haben. Am Nachmittag verabschieden wir uns von der freundlichen Besitzerin des angenehmen Stellplatzes in Punta Sabbioni. Etwa 60 km und einen ausgiebigen Einkaufsstopp weiter erreichen wir Treviso. Oh weh, der kleine kostenlose Stellplatz ist komplett voll. Wie viele andere Wohnmobilisten beziehen wir Quartier zwischen schattigen Bäumen auf dem großen Parkplatz davor. Ein kurzer abendlicher Stadtbummel beschließ einen weiteren schönen Tag.

in der Lagune

Lio Piccolo


08.04. - Brunnensuche

Wir widmen uns ausgiebig dem sehenswerten Zentrum von Treviso. Am längsten gestaltet sich die Suche nach dem Brunnen "Fontana delle Tette". Früher versorgten neu gewählte Bürgermeister 3 Tage lang kostenlos ihr Volk mit Wein, der aus den üppigen Brüsten der Dame sprudelte. Heute ist es leider nur mehr Wasser. Das entsprechende Foto widmen wir Günther, er wird wissen warum! Der Dom und die Kirche "San Nicolò" beeindrucken uns nicht sonderlich, auch wenn letztere ein von Tizian gemaltes Altarbild schmückt. Umso erwähnenswerter ist das schmackhafte Thunfisch-Steak, das wir uns in einem kleinen Restaurant munden lassen. Auf dem Fischmarkt kaufen wir Käse - wo denn sonst? Gegen 14 Uhr verlassen wir das schöne Treviso mit Ziel Asolo. Dort begegnen uns mehr als 10 Wohnmobile. Haben die alle dort vergeblich einen Stellplatz gesucht? Nein! Wenn, dann haben sie uns Platz gemacht. Der offizielle städtische Stellplatz hat noch reichlich Kapazitäten und bietet für günstige 7 € Ver- und Entsorgung sowie Strom. Den Nachmittag genießen wir lesend in der heißen Sonne, bzw. im Schatten.

Treviso - Fischmarkt

Treviso - Fontana delle Tette

Treviso

Treviso


09.04. - Schnee

Ein sehr warmer Palmsonntag in Asolo. Einige Zeit wohnen wir dem Festgottesdienst bei. Zu Beginn der Predigt verabschieden wir uns, da wir das Gesagte nicht verstehen. Im herausgeputzten Ort tummeln sich massenhaft Radfahrer. Rund um das kleine Zentrum gruppieren sich Flohmarkt-Stände. Und eifrig rüsten die Bars und Restaurants Tische und Stühle für den erwarteten Ansturm. Wir steigen hoch zur Burg. Sie ist wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen. Rosi bricht von einem Olivenbaum einen Ölzweig, um ihn mitzunehmen. Nach der obligatorischen Cappuccino-Pause kaufen wir noch einen lokalen Kuchen - Pinza - 7 € ein kleines Stück. Brotzeit vorm Womo - Aufbruch. Auf der Fahrt nach Bassano macht Otto den Vorschlag, gleich jetzt am frühen Nachmittag auf den knapp 1.800 m hohen Monte Grappa zu fahren. Dort wurden im 1. Weltkrieg erbitterte Kämpfe ausgetragen.

Asolo

Heute ist oben ein Soldatenfriedhof und nationales Mahnmal. Steil steigt die schmale Straße an, 28 Haarnadelkurven und unzählige Windungen zwingen uns mitunter, bis in den 1. Gang zurück zu schalten. Leistungsbereite Radfahrer kämpfen sich mit harten Waden die Strecke hoch. Und kühne Gleitschirmflieger stürzen sich mutig von den Steilhängen. Gottlob ist wenig Gegenverkehr, der uns zum Anhalten zwingt. Für die 20 km benötigen wir mehr als 1 Stunde und die Tankreichweite reduziert sich von über 400 auf unter 100 km! Oben am Gipfel treibt ein eisiger Wind Nebelschwaden vor sich her. Auf der Nordseite liegt Schnee. Die Aussicht ist mager. Wir haben Glück, Sonne und Wind nehmen neuen Anlauf und verschaffen uns freie Sicht ins Tal. Der Weg zurück ist der gleiche, für Mensch und Maschine aber weniger anstrengend. Eigentlich möchten wir in Bassano übernachten, finden aber den Weg zum Stellplatz nicht und landen schließlich in Marostica 8 km weiter. Der für Wohnmobile ausgewiesene Platz ist ein großer Parkplatz aber für uns ok. Auf der Piazza findet alle 2 Jahre ein "Lebendes Schachspiel" mit Darstellern in mittelalterlichen Kostümen statt. Wir genehmigen uns einen Aperol Spritz und gehen relativ früh schlafen.

auf dem Monte Grappa

auf dem Monte Grappa


10.04. - heimwärts

Nach einem sehr kurzen Bummel durch Marostica nehmen wir einen neuen Anlauf nach Bassano del Grappa. Diesmal finden wir auch den Parkplatz und flanieren durch das Städtchen mit der berühmten Holzbrücke über die Brenta "Ponte degli Alpini", welche gerade restauriert wird und gesperrt ist. Die SS47 ist teilweise sogar mehrspurig ausgebaut und bringt uns zügig an den Lago di Caldonazzo. Der einfache Parkplatz ohne Seeblick macht uns nicht an. Nach einem kurzen Erfahrungsaustausch mit anderen Reisenden machen wir uns auf den direkten Weg nach Hause.

Marostica - Schachfeld auf der Piazza

Bassano del Grappa

Unserer Frühlingsfahrt dieses Jahr war das Glück hold. Wir hatten Traumwetter mit viel Sonne und Wärme. Die Natur hat in den 2 Wochen wahre Wunder vollbracht: blühende Blumen und Bäume allerorten. Die besuchten Orte und Städte hatten ebenfalls schon "Saison". Und dass noch keine Campingplätze geöffnet waren, macht uns nichts aus. Wir sehen in Stellplätzen durchaus positive Alternativen.