Elsass - 19.05.- 27.05.

Aller guten Dinge sind drei ...

Nach zwei Trips in 2013 wurde es Zeit für einen dritten Besuch des Elsass. Toni und Günther sind gestern gekommen und nehmen uns heute mit dorthin - toller Limousinenservice! Vollkommen staufrei queren wir Süddeutschland, kreuzen den Rhein bei Baden-Baden und haben fortan französischen Asphalt unter den Rädern. In Bergheim, einer kleinen Gemeinde mit knapp 2000 Einwohnern, nordwestlich von Colmar, schlagen wir unsere Zelte auf. Die Ferienwohnung von Monsieur Kubler ist klein, adrett, geschmackvoll eingerichtet und passt uns perfekt. Wir bummeln durch den Ort und finden mit der "Auberge des Lavandières" ein gemütliches Lokal für das Abendessen. In der warmen Abendsonne sitzen wir draußen. Alleine das Choucroute, das Toni und Otto wählen, ist etwas lieb- und einfallslos. Und nachdem die Sonne hinter den Häusern verschwindet, treibt uns die abendliche Kühle rasch nach Hause.

in der "Leseecke"

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Der Berg ruft!

Über Sainte-Marie-aux-Mines - hier ersteht Toni 2 Kaffee-Haferl mit(!) Henkel - erklimmt der Dieselmotor brav die Höhen bei Bagenelles, wo im Winter die Skifahrer aus dem Lift steigen. Wir freuen uns über den herrlichen Blick zurück ins grüne Tal. Über le Bonhomme bergab und bergauf kommen wir zum 1300 m hohen Gazon du Faing. Hier erhalten unsere Trekkingschuhe einen kurzen Auslauf. Otto will gar nicht glauben, dass die großen weißen Flecken in den Bergen rund um uns tatsächlich massive Schneefelder sind.

Station des Bagenelles

Wanderung am Gazon du Faing

am Gazon du Faing


Die Ferme Auberge du Geisbach ist sehr abgelegen. Wir folgen der Beschilderung über Munster, Luttenbach, Breitenbach zum bäuerlichen Gasthof. Hier wartet eine deftige hausgemachte kalte Brotzeit auf uns.

Frisch gestärkt begeben wir uns auf eine Zeitreise etwas mehr als 100 Jahre zurück. Hier in der Gegend tobte der 1. Weltkrieg, dem am 22. August 1914 Rosis und Tonis Großonkel Johann Heindl zum Opfer fiel. Er liegt auf dem Soldatenfriedhof oberhalb von Breitenbach zusammen mit mehr als 3500 anderen deutschen Soldaten begraben.

Munster ist bekannt für seinen Käse. Wir machen aber Kaffeepause hier. Gegenüber vom Rathaus finden wir ein "kuscheliges" Straßencafé an der Place du Marché vor dem Hôtel La Cigogne untermalt vom Verkehrslärm.

Ferme Auberge du Geisbach

Soldatenfriedhof Breitenbach

Soldatenfriedhof Breitenbach

Soldatenfriedhof Breitenbach

Umgebung des Soldatenfriedhofs Breitenbach


Kirchentag

Wir beginnen mit der spätromanischen Eglise Saint Léger in Guebviller. Die Kirche Notre-Dame, das größte klassizistische Kirchengebäude im Elsass, lassen wir unbesichtigt links liegen. Denn gleich im Anschluss wartet die ehemalige Benediktinerabtei Kloster Murbach im gleichnamigen Ort auf uns. Imposant ragt das Querschiff mit seinen beiden Türmen in den blauen Himmel. Das eigentliche Kirchenschiff dahinter und das Kloster wurden 1789 von aufständischen Bauern zerstört. Das Gebäude, das breiter als lang ist, mutet befremdlich an.

Klostergarten in Murbach

Eglise Saint Léger in Guebviller

Der Dieselmotor schnurrt brav die Höhenmeter zum Grand Ballon, dem höchsten Berg der Vogesen. Kurz unterhalb der Passhöhe genießen wir unser Mittagessen vor der Ferme Auberge, bevor wir uns auf den kurzen Aufstieg machen. Otto wählt den direkten Weg durch ein Schneefeld, die anderen drei die schneefreie aber längere und steilere Variante rechts davon.

Mittag in der Ferme Auberge du Haag am Grand Ballon

Aufstieg zum Grand Ballon

Den Tagesabschluss bildet die Gedenkstätte Hartmannswillerkopf. 30000 französische und deutsche Soldaten fanden in den Kämpfen des Ersten Weltkriegs hier ihren sinnlosen Tod.

Krypta der Gedenkstätte Hartmannswillerkopf

Krypta der Gedenkstätte Hartmannswillerkopf


kriegerische Zeiten - Teil II

Erstes Tagesziel heute ist das Musée Mémorial de la Ligne Maginot in Marckolsheim. Es erinnert an die schrecklichen Kämpfe vom 15. bis 17. Juni 1940, während denen die Stadt Marckolsheim mehr als 80% zerstört wurde. Da keine weiteren Besucher anwesend sind, erhalten wir eine private Führung durch den freundlichen Museumsmitarbeiter.

Musée Mémorial de la Ligne Maginot in Marckolsheim


Nahe der deutschen Grenze liegt Neuf Brisach. Die Stadt wurde Anfang des 18. Jahrhunderts in Form eines Achtecks mit zentralem Exerzierplatz und einer markanten Anlage aus Mauern, Gräben und Toren darum herum von Sébastien Le Prestre de Vauban im Auftrag des Sonnenkönigs Ludwig XIV. als Grenzbefestigung am Rhein erbaut. Die Straßen und Gebäude beeindrucken uns nicht sonderlich. Bemerkenswert finden wir jedoch die zweisprachigen Straßenschilder.

Am nächsten Tag regnet es leider. Wir besuchen Colmar. Toni und Günther gehen für 2 Stunden ins Musée d’Unterlinden mit dem weltberühmten Isenheimer Altar von Matthias Grünewald. Rosi und Otto bummeln derweil durch die mäßig belebten Gassen. Gemeinsam ziehen wir anschließend noch mal durch das Zentrum zwischen Klein-Venedig und der Dominikanerkirche. In einem kleinen Bistro gibt's zwischendurch Tarte flambée bzw. Quiche Lorraine.

Von Djuenger aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2685476

Straßenschilder in Neuf Brisach


Der Himmel weint ...

als wir uns auf die Fahrt zum letzten Besuch von Tante Resi nach Warburg bei Kassel machen. Sie ist vergangenen Samstag von uns gegangen und wird heute im Kloster beerdigt.

trauriges Cousinentreffen

trauriges Cousinentreffen


Kurzstrecke

nachdem wir gestern mehr als 1000 km gefahren sind, erhalten unsere Zugpferde heute einen ruhigeren Tag. Die Sonne ist zurück. Wir bummeln durch das malerische Ribeauville. Im Anschluss wandern wir durch die Weinberge nach Hunawihr. Der Ort ist aus mehrerlei Gründen bemerkenswert: bereits im 7. Jh. gegründet - in der gotischen Simultankirche aus dem 14. Jh. finden katholische und evangelische Gottesdienste statt - gehört zu den schönsten Dörfern Frankreichs (Les plus beaux villages de France) - hat ein fachkundige, qualifizierte Postangestellte (sie kennt die passende Briefmarke für Günthers Karte nach Singapur). In Riquewihr bekommt Otto endlich seinen heiß ersehnten Blaubeerkuchen (sogar mit Sahne).

Ribeauville


Finale

Kaysersberg ist mehr als 800 Jahre alt, darüber thront die mächtige Burgruine der Staufer. Die Kirche Sainte-Croix beherbergt eine übergroße Christusfigur. Die bunten Fachwerkhäuser tragen auf ihren Dächern unzählige Storchennester. Albert Schweitzer (geboren 1875) ist ein Sohn der Stadt. In einer kleinen Boulangerie ersteht Otto einen typischen elsässer Kougelhopf für einen Sonntagskaffee mit den Kindern daheim.

Ein letzter Ausflug in die Vogesen führt uns nach Gérardmer. Die lothringische Stadt war Otto früher mal als sehenswert empfohlen worden. Sie liegt zwar malerisch am Lac de Gérardmer, bietet uns aber mit Ausnahme eines guten Essens (bei einem Italiener!) wenig Erwähnenswertes. Nach einem Spaziergang am Seeufer fahren wir nach Hause. Den Abend lassen wir auf der Terrasse des kleinen Lokals "Le Petit Barriga" in Bergheim ausklingen. Morgen fahren wir wieder nach Hause.

Kaysersberg

Lac de Gérardmer