WEST KANADA
mit dem Wohnmobil
durch die Rocky Mountains


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Prolog

Die Idee, im Spätsommer 2004 per Camper durch Kanada zu reisen, entstand in unseren Köpfen im September 2003. Zur gleichen Zeit hatten auch Toni, Günther und Andreas ähnliche Pläne. Gegen Jahresende taten wir uns zusammen, um über einen gemeinsamen Trip nachzudenken. Anfang Januar schließlich gesellten sich noch Margit und Richard zu uns. Damit war das Wohnmobiltrio komplett. Schnell war klar, dass wir eine gewisse Unabhängigkeit anstreben. Jede Partei sollte im eigenen Fahrzeug reisen. Dabei stand in Bezug auf die Fahrzeuggröße die Mobilität im Vordergrund. Rosmarie analysierte akribisch die einzelnen Vermieter auf Fahrzeugkonzepte und Mietbedingungen. Klare Gewinner waren letztendlich die "Van Conversions" für 2 Personen sowie im Fall von Toni, Günther und Andreas das 20 ft. Motorhome von Fraserway. Diverse Reiseführer wurden gewälzt und Internet Reiseberichte studiert. Im Februar 2004 schließlich haben wir die Route gemeinsam abgesteckt: von Vancouver aus in den Norden in die Rocky Mountains mit ihren Nationalparks. Danach durch den warmen Süden entlang der US Grenze nach Vancouver zurück. Anfang August trafen wir uns noch einmal, um die restliche Organisation abzustimmen.


Sonntag, 22. August

Wir - Rosmarie und Otto - fliegen per Lufthansa um 10.35 Uhr von München via Frankfurt direkt nach Vancouver, wo wir gegen 14.30 Uhr Ortszeit ankommen. Zuhause ist es inzwischen schon 23.30 Uhr. Otto muss jetzt zunächst Kanadische Dollar besorgen. Der einzige Geldautomat am Flughafen, der die EC-Karte akzeptiert, ist leider defekt. Also werden wenigstens mal 100 Euro Bargeld zu einem denkbar schlechten Kurs an einem der vielen Wechselschalter getauscht. Für 40 Dollar bringt uns ein Taxi in unser Royal Towers Hotel in New Westminster, wo wir gegen 16 Uhr ankommen. Eigentlich sind wir hundemüde, aber zum Einen wollen wir noch was von Vancouver sehen - zum Anderen hoffen wir, schnell das Jet Lag Problem zu lösen, wenn wir so lange wie möglich wach bleiben. Nach einer erfrischenden Dusche bringt uns der SkyTrain nach Downtown. An der Waterfront steigen wir aus und laufen durch den modernen Teil der Stadt. Hier findet Otto auch in der Bank of Montreal einen Geldautomaten, der die EC-Karte akzeptiert. Damit sind wir nicht mehr darauf angewiesen, teuer mit der Kreditkarte Bargeld zu besorgen. Wir bummeln zum Hafen, wo gerade Kreuzfahrtschiffe liegen. Es ist jetzt schon fast 19 Uhr - oder 4 Uhr morgens. Wir können die Schönheit der Stadt um uns vor Müdigkeit gar nicht mehr wahrnehmen. Wir brechen die geplante Wanderung zum Stanley Park ab und fahren geradewegs ins Hotel zurück. Hier hinterlassen wir dem Rest unserer Reisegruppe an der Rezeption eine Nachricht. Margit, Richard, Toni, Günther und Andreas reisen nämlich von Weiden über Frankfurt mit der Air Transat an. Sie werden erst spät in der Nacht ankommen. Wir wollen morgen Früh um 7 Uhr gemeinsam frühstücken, da wir bereits vor 8 Uhr von Fraserway - unserem Wohnmobilvermieter - abgeholt werden.


Montag, 23. August

Der Pickup Service von Fraserway klappt problemlos und so stehen wir kurz nach 8 Uhr vor unseren rollenden Hotels. Die Fahrzeuge sind sehr gepflegt - wir sind begeistert. Der Achtzylinder Benzinmotor leistet 240 PS, die amerikaüblich über ein Automatikgetriebe auf die Räder gebracht werden. Die deutschsprachige Einweisung ist überaus professionell. Jetzt geht's ans Einräumen. Wir stellen fest, dass es im Innenraum ganz schön eng ist - aber wir wollten ja kleinere Fahrzeuge mit dem Vorteil etwas höherer Mobilität. Bald sind alle fertig und um 10.30 brechen wir auf. Zuvor hat man uns empfohlen, die nötigen Lebensmittel in einem großen Supermarkt außerhalb Vancouver kurz vor Squamish zu besorgen. Rosmarie lotst den Pulk hervorragend durch den dichten Großstadtverkehr. Rasch lassen wir Vancouver hinter uns liegen. Leichter Regen setzt ein. Am nördlichen Ende des Howe Sound machen wir einen ersten Stopp. Kurz danach ist Squamish erreicht, wo wir endlich Lebensmittel kaufen können. Der erste Storecheck ist ernüchternd: hier ist ja alles nahezu unbezahlbar! Für ein Glas Konfitüre wollen die fast 5 Dollar! Nach dem ersten Schock entdecken wir dann doch auch noch günstigere Lebensmittel und beginnen zu realisieren, dass 1 Kanadischer Dollar ja auch nur etwa 0,65 Euro sind. Voll bepackt wollen wir heute nicht mehr weit fahren und vielmehr Körper und Seele baumeln lassen. So steuern wir nach "nur" 101 km den Alice Lake Campground an. Er liegt im Wald. Es ist ein wenig düster zwischen all den Bäumen. Wir belegen zu dritt 1 Campsite, ohne dabei Geld zu sparen. Zunächst können wir uns nicht darauf einigen, wie die Fahrzeuge positioniert werden sollen, damit keines zu nahe an der Feuerstelle, aber jedes einigermaßen eben steht. Toni schafft letztendlich dem Chaos ein Ende. Nachdem sich jetzt die Sonne wieder blicken lässt, machen wir eine kurze Wanderung um den See. Eine Gruppe Jugendlicher badet. Wir verschieben das auf morgen. Richard entdeckt in den modernden abgestorbenen Bäumen die "Endlichkeit des Seins". Am Lagerfeuer beschließen wir einen ruhigen und beschaulichen Tag.


Dienstag, 24. August

Rosmarie und Otto stehen heute als erste auf. Der Jet Lag hat sie voll erwischt. Margit plagt eine Darmverstimmung. Nach einem gemütlichen gemeinsamen Frühstück brechen wir gegen 10 Uhr auf. Unser erstes Tagesziel ist der gepflegte Wintersportort Whistler. Hier werden 2010 die Olympischen Winterspiele durchgeführt werden. Solange können wir nicht warten. Nach einem Zwischenstopp am Duffey Lake zieht es uns weiter in Richtung Lillooet. Am Seton Lake machen wir eine späte Kaffeepause. Andreas taucht einen Schäkel aus dem kalten Wasser. An Lillooet vorbei geht die Fahrt entlang des Fraser River durch eine karge Mondlandschaft, bewachsen mit silbernen Salbeibüschen. Am kleinen Brown Lake erkunden wir einen recht maroden Campground. Er sagt uns nicht zu. Also fahren wir weiter bis zum Marble Canyon Provincial Park. Die Plätze direkt neben der Straße sind auch nicht besonders einladend, aber die 229 Kilometer sind endgültig genug für heute. Wir machen Lagerfeuer und grillen Spareribs. Mit dem Essen müssen wir uns beeilen, da es zu regnen beginnt.


Mittwoch, 25. August

Es regnet. Alle sind früh wach. Wir brechen zeitig nach Kamloops auf. Die attraktive Route führt uns am Thompson River entlang. Die Benzinanzeige sagt, dass wir Tanken müssen. Nach ziemlich genau 400 gefahrenen Kilometern passen 80 Liter in den Tank! Allerdings kostet der Kraftstoff weniger als die Hälfte wie in Deutschland. Damit wird er kein allzu großes Loch in unsere Reisekasse fressen. Am großen Kamloops See machen wir Halt und genießen die Sonne, die wieder zurückgekehrt ist. Die Kühlschränke müssen aufgefüllt werden. In der Stadt finden wir recht schnell eine große Shopping Mall. Doch hier gibt es keine Lebensmittel! Nach zig Versuchen entdecken wir einen Wal*Mart, der uns allerdings nicht mit Frischeprodukten versorgt. Da es bereits 13 Uhr Mittag ist und die Zeit drängt, unterbleibt der Besuch der Stadt. Unser Tagesziel ist eigentlich der Wells Grey Nationalpark, wo wir die den Clearwater River hinauf wandernden Lachse beobachten möchten. Das Pensum ist nicht zu schaffen. In Little Fort ist Krisensitzung. Toni möchte den großen Umweg über Barkerville und Prince George weglassen und direkt nach Jasper fahren. Die Mehrheit will sich die alte Goldgräberstadt nicht entgehen lassen. Der Besuch des Wells Grey Parks muss allerdings entfallen. Damit haben wir über 200 km Umweg völlig umsonst gemacht, das ist jetzt auch nicht mehr zu ändern! Bei herrlichem Sonnenschein geht's zurück Richtung Westen dem Cariboo Highway zu, auf den wir in 100 Mile House treffen. Mit aller Macht wollen wir die Verzögerung gut machen. Ohne große Pause sind wir bis in den Abend unterwegs, um gegen 18.30 Uhr müde einen fürchterlichen Campground nördlich von Williams Lake anzufahren. Letztendlich haben wir außer Einkaufen und Fahren (428 km!) heute nichts gemacht.


Donnerstag, 26. August

Es regnet schon wieder in Strömen. Wir entsorgen die Wohnmobile und tanken Frischwasser. Nur kurze Pausen unterbrechen unseren Trip nach Barkerville. Auf dem Weg zeigt sich das Wetter von seiner besten Seite. Die Sonne lässt die warme Landschaft in den herrlichsten Farben leuchten. Genau so haben wir uns Kanada vorgestellt. In Quesnel werden die durstigen Wohnmobile erneut aufgetankt und am frühen Vormittag erreichen wir endlich die alte Diggerstadt Barkerville. 1858 wälzte sich ein unaufhaltsamer Strom von Goldsuchern den Fraser River hinauf. Mit ihm kam 1862 Billy Barker in diese Gegend und fand Gold. Es entstand eine umfangreiche Siedlung, die nach ihm benannt wurde. In ihrer Blütezeit um 1870 war sie die größte Stadt westlich von Chicago und nördlich von San Francisco. Besonderes Leben erhält die bereits an sich sehenswerte Stadt durch ihre "Bewohner", die in historischen Gewändern durch sie flanieren und sich gern mit den Touristen unterhalten. Ganz besonders reizvoll sind die lebendigen Vorführungen: in der Schule gibt die Lehrerin Unterricht. Der Minenbesitzer und sein Ingenieur werben um finanzielle Beteiligung an ihrer Mine. Eine junge Chinesin erzählt von den Lebensumständen der zahlreichen chinesischen Bewohner. Wir beobachten einen Hufschmied bei seiner Arbeit und schauen einem alten Digger beim Goldwaschen mit der Pfanne zu. Nicht zuletzt erhalten wir eine Demonstration über die Benimmregeln in der guten alten Zeit - mit Richard in einer Hauptrolle. Mittags machen wir eine kurze Pause. Wieder setzt Regen ein, der aber bald wieder nachlässt. Die Straßen sind jetzt dreckig und wir können uns lebhaft vorstellen, wie komplex hier früher die Lebensumstände gewesen sein mussten. Dann wird es noch einmal schwülwarm. Interessiert nehmen wir alles auf, was geboten wird. Erst gegen Abend, es hat jetzt deutlich abgekühlt, lässt unser Goldrausch nach und wir fahren die Strecke nach Quesnel zurück. Rosmarie hatte bei der Herfahrt einen wunderschönen Übernachtungsplatz entdeckt, den wir leider nicht mehr finden. Also bleibt nichts anderes übrig, als eine offizielle Campsite zu suchen. Der 100 Miles Campground entspricht voll und ganz unseren Erwartungen. Er ist wunderschön an einem See gelegen, die Bäume stehen nicht besonders dicht. Dadurch wirkt der Platz relativ hell und freundlich.


Freitag, 27. August

Richard übernimmt jetzt die Führung. Er braucht noch ein wenig Eingewöhnung. Schon vom Campground weg wählt er die falsche Richtung. Unsere 1. Station heute ist Prince George. Nach langem Suchen finden wir einen Lebensmittelmarkt. Der "Safe on Food" bietet alles, was das Herz begehrt. Wir haben zudem endlich wieder Mobilfunknetzverbindung. Otto ruft seine Mailbox ab und hat geschäftliche Telefonate zu führen. Gott sei Dank nichts wirklich Schlimmes. Er ruft seinen Chef am Freitag-Abend um 21.30 Uhr Ortszeit an, was der gelassen wegsteckt. Gleichzeitig erhalten die Kinder zuhause eine kurze SMS-Nachricht. An einem Rastplatz am Slim Creek machen wir Halt. Schilder an der Straße haben darauf hingewiesen, dass hier Lachse wandern sollen. Tatsächlich beobachten wir einige, wie sie gegen die starke Strömung ankämpfen und finden einen, der es nicht mehr geschafft hat. Rosmarie entdeckt eine interessante Raupe, und ein schön blau gefiederter Vogel weckt unsere Aufmerksamkeit. Danach ziehen wir wieder weiter. Unvermutet hält Richard an. Wir steigen aus und fragen nach dem Grund: Er hat am Straßenrand einen Bären gesehen! Wir suchen die Umgebung ab, können ihn aber nicht entdecken. Dürfen wir Richard diesen Bären glauben? Am Robson Meadows Campground, am Fuß des höchsten Berges der kanadischen Rocky Mountains beziehen wir unser Nachtlager. Der Preis fürs Feuerholz ist wie überall 5 Dollar - nur dass wir hier doppelt so viel Brennmaterial bekommen. Ein Regenschauer bereitet unserem Grillabend ein jähes Ende.


Samstag, 28. August

Die ganze Nacht über hat es geregnet. Frühstück gibt's im Wohnmobil, weil Tisch und Bänke draußen nass sind. Aber dann kommt doch die Sonne raus! Der Gipfel des fast 4000 Meter hohen Mount Robson bleibt allerdings hinter Wolken verborgen, wie er es fast das ganze Jahr über tut. Wir bestaunen die übrigen hohen Berge um uns herum. Interessant im Information Centre ist auch die Ausstellung über die Schwierigkeiten der Landvermessung in der Vorzeit und die Gefahren, die auch heute noch von den frei lebenden Bären ausgehen. Wir beschließen, den kurzen Berg Lake Trail zum Kinney Lake hoch zu wandern. Knapp 2 Stunden dauert der Aufstieg. Ohne große Anstrengung marschieren wir bergwärts neben dem Robson River, der sich teilweise leise gurgelnd, dann wieder laut donnernd an uns vorbei ins Tal ergießt. Dazwischen versuchen wir immer wieder einen Blick auf den schneebedeckten Gipfel des Mount Robson zu erhaschen. Aber er bleibt unseren Augen hinter den hohen Wolken verhüllt. Oben am See angekommen wandelt sich die Stimmung. Es ist unbeschreiblich ruhig. Kein Tosen des Wassers ist zu vernehmen. Selbst die Oberfläche des Lake Kinney ist spiegelglatt und unbewegt. Das graue bis smaragdfarbene Wasser wirkt salzig trüb. Im Gebüsch entdecken wir ein Hörnchen, das unsere Anwesenheit ignoriert und unbesorgt an einem Zapfen nagt. Der Abstieg runter zum Parkplatz dauert nicht lange. Nach einer Stunde sind wir wieder unten und brechen nach einem letzten Stopp am Mount Robson Informationszentrum zu unserem nächsten Etappenziel auf. Inzwischen sind wir an dem nahe gelegenen Overlander Waterfall angekommen. Auf dem Parkplatz lassen wir einen kurzen Regenschauer vorüberziehen, bevor wir zu dem nicht besonders beeindruckenden Wasserfall runter steigen. Beim Zurückkommen hat sich unser Fahrzeugpulk um einen weiteren Fraserway Abenteurer vergrößert. Mit einem jungen Paar aus Wien, das seine eigenen Motorräder mitgebracht hat und insgesamt drei Monate im Nordwesten unterwegs ist, tauschen wir Reiseerfahrungen aus. Danach fahren wir weiter Richtung Jasper. Wir passieren die Grenze nach Alberta und verlassen die Pacific Timezone. In der Mountain Timezone müssen die Uhren jetzt um 1 Stunde vorgestellt werden. Die Mautstation am Eingang des Jasper National Park ist nicht besetzt. Damit sparen wir für heute schon mal die Gebühren. Gegen 17 Uhr erreichen wir den Whistler Campground. Wir belegen nur 2 der 3 bezahlten Plätze, da sie groß genug sind und wir näher beieinander stehen wollen. Der Flecken beherbergt neben zahlreichen Campern als besondere Attraktion eine Herde Wapitis. Kaum haben wir die Fahrzeuge abgestellt, gesellen sich einige der riesigen Tiere äsend zu uns. Es ist wunderschön hier. Wir vertreiben uns den Abend mit Spielen, Kartenschreiben, Beachball bis es dunkel wird.


Sonntag, 29. August

Zur Abwechslung begrüßt uns der Morgen mit Regen. Wir brechen trotzdem zum Maligne Canyon auf. Die Wanderung führt uns immer tiefer in die vom Maligne River schmal ausgeschnittene Kalksteinschlucht hinunter. Der Fluss ist ein Phänomen, da er auf seinem Weg vom Maligne Lake über den Medicine Lake hierher eine ganze Weile von der Oberfläche verschwindet und sich einen unterirdischen Weg bahnt. Entgegen der Flussrichtung fahren wir weiter am Medicine Lake vorbei zum Maligne Lake. Bei leichtem Nieselregen wandern wir am Westufer entlang. Dieser See ist in allen Führern und Bildbänden mit bezaubernden Fotos abgelichtet, besonders Spirit Island, die Insel, die mit einem Boot per 90 minütiger Fahrt zu besichtigen wäre. Leider ist alles grau in grau. Spirit Island bleibt von uns unentdeckt. Auf dem Rückweg besorgen wir in Jasper Lebensmittel. Eigentlich brauchen wir nur Zucker und Mineralwasser und tragen letztendlich 3 prallvolle Tüten aus dem Supermarkt. Wir bummeln weiter durch den Ort und entdecken einen eingezäunten Park, im dem Hunde ohne Leine frei laufen dürfen! Wer wird hier vor wem geschützt? In einem Sportgeschäft besorgen wir jetzt auch eine blaue Plane wie sie hier alle Camper mitführen. Sie soll zukünftig den Sitzplatz und uns vor dem Regen schützen. Bestens ausgerüstet steuern wir den weitläufigen Wapiti Campground an. Es gibt reichlich Feuerholz und so sitzen wir bis spät in die Nacht am Lagerfeuer.


Montag, 30. August

Bis 8 Uhr wird heute ausgeschlafen. Günther hat schon Feuer gemacht. Das Duschgebäude ist weit entfernt in der Nähe der Einfahrt. Nach der Körperreinigung kommen die Fahrzeuge an die Reihe: Abwasser dumpen und Frischwasser auffüllen. Gegen 10.30 Uhr brechen wir auf und steuern als erstes den Edith Cavell Glacier an. Auf dem Weg dorthin weiß das Wetter nicht so recht, was es machen soll. Mitunter spitzt die Sonne durch die Wolken, dann beginnt es wieder leicht zu nieseln. Die letzten Kilometer lassen Wiehles ihr Wohnmobil stehen und fahren in den beiden anderen Fahrzeugen mit, da die "Straße" nur für kleinere Gefährte empfohlen wird. Auf dem Gletschersee treiben Eisschollen. Margit, Richard und Otto stapfen über ein großes Geröllfeld bis zu einer Eishöhle an der Gletscherzunge. Auf dem Rückweg machen wir oberhalb eines bezaubernden türkisfarbenen kleinen Sees Halt. Das nächste Etappenziel sind die Athabasca Falls. Verschiedene Aussichtspunkte bringen uns nahe an die 12 Meter tief hinabstürzenden Wassermassen des Athabasca River. Wasser und Gesteinsmehl haben die Wände der Schlucht sowie diverse Hell Pots geformt. Wir entdecken eine offene Hütte mit zwei Tischen und Bänken. In ihrem Schutz möchten wir unsere obligatorische Kaffeepause machen. Als wir mit Tellern, Tassen, Kaffee und Gebäck dort ankommen, ist sie leider bereits besetzt. Also wird die Rast in unsere Camper verlegt. Danach fahren wir weiter südlich zu den Sunwapta Falls. Unser Halt hier gestaltet sich relativ kurz. Wir haben jetzt genug Wasserfälle gesehen. Allmählich entfernt sich der Athabasca River von der Straße, die langsam aber stetig ansteigt. Rechts vom Icefield Parkway sehen wir den Stutfield Glacier, links den über 3500 Meter hohen Mount Kitchener. Wir nähern uns dem gigantischen Eismassiv "Columbia Icefield", zu dem 2 fast 900 m hohe Eiszungen gehören. Auf dem Overflow Parkplatz des Columbia Icefield Centre beschließen wir, heute Nacht zu bleiben. Es ist bitter kalt. Die Umgebung ist beeindruckend. Nach der interessanten Besichtigung des Informationszentrums sitzen wir im Camper von Wiehles noch eine Weile zusammen und besprechen die Pläne für den nächsten Tag.


Dienstag, 31. August

Was für ein Morgen! Die Sonne zeigt sich von ihrer besten Seite. Wir buchen die Snow Coach Tour auf den Athabasca Glacier. Mit mächtigen Allradungetümen geht es auf das über 350 m dicke Eis. Es weht ein kräftiger Wind. Trotz der Sonne ist es extrem kalt. Die Fahrerin des Busses erzählt uns Interessantes über den Gletscher: Er schiebt sich jährlich etwa 15 m talwärts. Durch das gleichzeitige Abschmelzen des Eises zieht sich die Zunge allerdings langsam zurück. Das Columbia Icefield mit seiner Fläche von 325 km² liegt auf der Kontinentalwasserscheide. Deshalb speist das hier abfließende Wasser Flusssysteme die sowohl ins nördliche Eismeer in Form des Sunwapta und Athabasca River, als auch in den Atlantik - der North Saskatchewan River - bzw. als Columbia River in den Pazifik münden. Wir werden angehalten, auf keinen Fall die abgesperrte Fäche auf dem Eis zu verlassen, wo wir uns frei bewegen können. Ansonsten könne für unsere Sicherheit nicht garantiert werden. Und es geht prächtig weiter: gleich im Anschluss beginnen wir eine Wanderung steil bergan den alten Wilcox Pass Trail. Die ersten Meter, die extrem steil verlaufen, bringen uns schwer außer Puste. Danach wird der Anstieg Gott sei Dank flacher. Wir genießen einen herrlichen Blick auf das Columbia Icefield und die umliegenden Berge. Wir entdecken leckere Pilze. Sie werden uns (wir nehmen sie verbotswidrig mit) ein köstliches Abendessen liefern. Auf der Hochebene angekommen, es ist herrlich warm, entdecken wir Bergziegen (oder was immer das für Tiere sind). Wir machen eine kurze Rast. Zurück geht's auf dem Weg auf dem wir gekommen sind. Das Wetter bleibt wunderschön. Die Weiterfahrt Richtung Süden entlang der Bergriesen gleicht so manche durchlittene Regenstunde aus. In Saskatchewan Crossing wird getankt. Die anschließende Suche nach einem Rastplatz für die Kaffeepause gestaltet sich als äußerst schwierig. An keinem der Halteplätze gibt's Tisch und Bänke. Schließlich bleiben wir so stehen und tragen unsere Campingstühle an einen lauschigen Platz oberhalb des Mistaya River. Den Tisch ersetzt Günthers Feuerholzkarton. Am späten Nachmittag erreichen wir den Waterfowl Lake. Wir fahren auf den Campground hier. Der Platz ist schön am See gelegen. Wegen eines aktuellen Streiks müssen wir keine Gebühren entrichten. Auch das Feuerholz ist umsonst. Das ist ja nun wirklich ein billiger Abend: Campground, Feuerholz und Abendessen (ich erinnere an die Pilze) sind heute gratis! Margit brät mehrere Pfannen voller Pilze mit Eiern, die allen lecker munden. Nach dem Essen gehen wir noch an den See und lassen einen wunderschönen erlebnisreichen Tag ruhig ausklingen.


Mittwoch, 1. September

Die Sonne weckt uns. Otto muss nach dem Frühstück noch schnell an den See, um vor der Weiterfahrt die malerische Stimmung mit der Videokamera festzuhalten. Unser Tagesziel ist heute Lake Louise. Auf dem Weg dorthin wird es immer trüber und in Lake Louise regnet es. Hier wollte Andreas doch endlich Kanu fahren! Neben dem großen Informationszentrum ist einen Lebensmittelladen. Wir decken uns mit Kleinigkeiten ein, die wieder einmal mehrere Tüten füllen. Wegen des schlechten Wetters fahren wir weiter nach Banff und besuchen dort die Upper Hot Springs. Dabei handelt es sich dabei um heiße Quellen auf dem Sulphur Mountain. Bereits die kanadischen Ureinwohner sollen sie genutzt haben. 1884 wurde sie von Mitarbeitern der Canadian Pacific Railroad wieder entdeckt. Im 39° warmen Thermalwasser ist das Suhlen so richtig gemütlich. Dabei kann man das miese Wetter um uns herum direkt vergessen. Die Weiterreise ab Banff macht für uns keinen Sinn. Wir fahren zurück, um im Lake Louise Campground zu übernachten. Der komplette Platz ist mit einem Elektrozaun umgeben. Er dient nicht dazu, wie ein Weidezaun die Insassen einzuschränken, sondern sie zu schützen. Es ist hier Haupt-Bärengebiet. Ein Dutzend der gefährlichen Grizzlies sind in diesem Teil des Nationalparks neben einer ganzen Reihe von Schwarzbären zuhause. Bei strömenden Regen bauen wir unsere blaue Plane auf und entzünden das Lagerfeuer. Danach wird's wenigstens wieder trocken. Den leckeren Grillabend beschließen wir mit gerösteten Marsh Mellows. Es ist sehr kalt.


Donnerstag, 2. September

Regen! Frühstück gibt's im Womo. Wir reisen weiter zum Moraine Lake. Zunächst möchten wir einen 3 km langen Wanderweg gehen. Wegen der akuten Bärengefahr - es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass Wandergruppen mindestens 6 Personen groß sein müssen - belassen wir es letzten Endes bei einer ungefährlichen Passage am Seeufer. Es ist winterlich kalt - und mittendrin beginnt es tatsächlich zu schneien. Am Spiral Tunnel halten wir wieder an. Um die Steigung von 4,5%, für die man früher 4 Lokomotiven zusätzlich vorspannen musste, zu reduzieren, wurden 2 kreisförmige Tunnel in den Berg getrieben. Gerade als wir ankommen fährt ein langer Güterzug durch. Es ist schon ein seltsames Schauspiel mit anzusehen, wie der vordere Teil bereits talwärts strebt, während das Ende in Gegenrichtung in den Tunnel einzieht. In steilen Serpentinen kämpfen wir uns zu den Takakkow Falls hoch. Über 250 m stürzt das Wasser in die Tiefe. Wir haben kaum ein Auge dafür, da der Regen inzwischen in einen andauernden Wolkenbruch übergegangen ist. Den relativen kleinen Glacier Park durchqueren wir wegen des miesen Wetters ohne Stopp. In Golden unterbricht ein Tankhalt unsere Reise. Im Revelstoke Park hört es passend zu unserem nächsten Ziel endlich zu regnen auf: riesig hoch und mit mächtigem Durchmesser wachsen die Giant Cedars im gleichnamigen Park in den Himmel. Nur 2 km weiter führt einen Steg durch ein Sumpfgebiet, in dem im Frühjahr der Skunk Cabbage (Stinkkohl) blüht. Dann soll's hier, wie der Name sagt, recht deftig stinken. Davon kriegen wir um diese Jahreszeit allerdings nichts mit. Trockenen Fußes erreichen wir Revelstoke. Wir fahren am Arrow Lake vorbei. Es handelt sich dabei um den aufgestauten Columbia River. An seinem Ufer liegt wunderschön der Blanket Creek Provincial Park. Der Campground ist sehr gepflegt, wenngleich ohne Duschen, aber recht günstig. Wir finden einen freien Doppelplatz, der für unsere 3 Camper leicht groß genug ist. Das einzige Mal auf der gesamten Reise sparen wir dadurch sogar Platzgebühren.


Freitag, 3. September

Wir haben gemeinsam gefrühstückt, die Abwassertanks entsorgt und Frischwasser aufgefüllt. Am Columbia Stausee entlang kommen wir nach Shelter Bay. Hier bringt uns eine Fähre kostenlos auf die andere Seite. Die Hot Springs in Nakusp sorgen wieder für Entspannung. Nur Otto hat kein Interesse an dem Thermalbad und wartet lesend davor im Camper. Auf der weiteren Fahrt kommen wir an einem winzigen Ort vorbei, er sieht aus wie ein Aussteiger Domzil, der sich Angel Falls nennt. Oder soll der Name eine Anspielung auf einen gefallenen Engel sein? Kurz danach gibt es einen weiteren außerplanmäßigen Halt: Richard hat einen Fuchs abseits der Straße entdeckt, der uns aufmerksam mustert und dann davon trottet. Auf der Fähre hatten wir einen Werbeflyer eines Campgrounds mitgenommen, der einen romantischen Platz an einem schönen Fischgewässer, dem Echo Lake, anpreist. Die letzten 10 bis 15 Kilometer dorthin sind Schotterpiste. Endlich sind wir da. Toni ist entsetzt - es ist alles andere als romantisch hier. Aber für eine Weiterfahrt ist es zu spät.


Samstag, 4. September

Wir verlassen den Echo Lake über weitere 10 km Schotterpiste. In Vernon versorgen wir uns wieder mal mit Lebensmitteln und Benzin. Uns zieht es auf der 97 in den warmen Süden. Kurz vor dem Okanagan Lake Provincial Park halten wir bei einem Weingut an, das selbst produzierten Wein verkauft. Uns gefällt die terrassenförmig angelegte North Unit besser als die direkt am See liegende aber relative enge South Unit. Wir möchten wie immer alle beisammen stehen. Das ist gar nicht so einfach, da es sehr voll ist. Ein sehr zuvorkommendes älteres Camper-Paar macht für uns einen Doppelplatz frei. Hier am Okanagan Lake ist es endlich uneingeschränkt warm und sonnig. Es steht fest: hier bleiben wir 2 Tage!


Sonntag, 5. September

Andreas, Günther, Margit, Richard und Toni fahren nach Penticton, um dort mit Booten den 6 km langen Kanal zwischen dem Okanagan Lake und dem Skaha Lake zu paddeln. Otto und Rosmarie haben daran kein Interesse und besuchen den nahe gelegenen kleinen Ort Summerland, um dort ein wenig zu bummeln. Leider sind die meisten Geschäfte geschlossen. Es scheint hier viele kranke Menschen zu geben - der Ort ist voller Arztpraxen, Physiotherapiezentren und Apotheken! Am Nachmittag treffen wir uns wieder an unserem Campground. Alle - bis auf Otto - gehen schwimmen. Wir genießen die Sonne und sind zufrieden. Andreas, Günther und Richard sammeln 2 große Säcke voller Pinienzapfen, die im abendlichen Lagerfeuer herrlich brennen.


Montag, 6. September

Nach einem sonnigen Frühstück unter freiem Himmel brechen wir gegen 9 Uhr in Richtung Süden zur Weiterfahrt nach Osoyoos auf. Die Gegend hier an der Grenze zu den USA wird wegen ihrer Form Pocket Desert genannt. Ein Teil Wüste könnte im Desert Centre besichtigt werden. Da unser Führer den Rundweg nicht empfiehlt, unterlassen wir das. Der größte Teil der ehemaligen Wüste ist in der Zwischenzeit durch intensive Bewässerung zu einem riesigen Obstanbaugebiet kultiviert worden. Wir naschen von den am Boden liegenden Pfirsichen. Sie sind herrlich aromatisch, süß und saftig. In Osoyoos stellen wir die Fahrzeuge ab und bummeln durch die leicht spanisch - mexikanisch aussehende Stadt. Im Osoyoos Lake baden Menschen. Ein tip top restaurierter und gepflegter Oldtimer samt Caravan erregt unsere Aufmerksamkeit. Anschließend fahren wir entgegen unserer eigentlichen Zielrichtung noch einige Kilometer ostwärts zu einem Aussichtsberg, wo wir das Panorama genießen. Zur Linken haben wir die Vereinigten Staaten, vor uns den lang gezogenen Osoyoos Lake mit der Stadt. Auf dem Rückweg stoppen wir an einem indianischen Kulturzentrum. Andreas und Otto sehen eine lebende Klapperschlange. Kurz danach kaufen wir frisches Obst an einem der zahlreichen an der Straße befindlichen Stände. Let's go west. Über Keremos ziehen wir Richtung Princeton weiter. Die Straße bietet keine attraktive Haltebucht für eine Rast. Endlich, im Steenwinder Provincial Park können wir Kaffee trinken. Bald haben wir Princeton hinter uns gelassen und erreichen den Manning Park. Wir steuern den Lightning Lake Provincial Park Campground an. Er soll der schönste Platz des Parks sein und gefällt uns auch. Nur schade, dass die besten Plätze direkt am See schon alle besetzt oder reserviert sind. Wir finden 3 aneinander angrenzende Campsites. In Gruppen wandern wir um den See, wobei Margit und Richard einen besonders langen Weg aussuchen.


Dienstag, 7. September

Nach dem gemeinsamen Frühstück steht heute Kanu Fahren auf dem Programm. Andreas wählt ein Kajak. Es ist wunderschön auf dem morgendlich ruhigen See zu treiben, über hineingestürzte große Bäume zu gleiten, deren Verschwinden im Dunkel des Wassers die Tiefe erahnen lassen. Nach 1 Stunde geben wir Boote zurück - wir haben keine andere Wahl! Wir müssen heute Abend in Vancouver sein, da Fraserway morgen unsere Camper zurück erwartet. Kurz vor Hope halten wir am Schauplatz einer gewaltigen Naturkatastrophe. 1965 löste ein Erdbeben einen Erdrutsch, den Hope Slide, aus. Ein ganzer See und 3 km der Straße wurden unter tausenden Tonnen Felsgeröll verschüttet. Nach dem Tankstopp in Hope wenden wir uns auf der 7 nördlich des Fraser River Vancouver zu. In Mission überqueren wir den Fluss wieder und fahren in Richtung Abbotsford, direkt an der US-Grenze. Die Straße Nr. 1 führt uns kilometerweit entlang der Grenze direkt zum Peace Arch Provincial Park. Als wir dort ankommen, stellen wir fest, dass der gleichnamige Campground gar nicht hier liegt, sondern viel weiter Richtung Stadtzentrum an der 40. Avenue! Auf dem privaten Platz ist aller Komfort geboten: wir haben Full Hook Anschluss für die Wohnmobile und genießen den warmen Swimming Pool. Am Abend plagen uns Mücken.


Mittwoch, 8. September

Wir stehen zeitig auf. Wir müssen packen und die Camper innen sauber machen. Gegen 10.30 Uhr fahren wir los. Der kurze Trip durch die Stadt gestaltet sich sehr einfach. Ein letzter Tankstopp, dann erfolgt die problemlose Fahrzeugrückgabe. Alle anderen werden noch einen Tag bleiben. Rosmarie und Otto bringt der Shuttlebus zum Flughafen. Der Abflug verzögert sich - hoffentlich erreichen wir dann den Anschlussflug in Frankfurt noch! Letzten Endes geht alles gut und wir landen am Donnerstag um 13 Uhr wohlbehalten und müde in München.


Damit ist ein wunderschöner Urlaub zu Ende. Wir hatten viel Regen, der manchmal genervt, uns aber nicht untergekriegt hat. Bei der Fahrzeugrückgabe waren 3.325 km mehr auf dem Tacho, was recht genau der perfekten Planung entsprach. Der Benzinverbrauch des großvolumigen Motors hielt sich mit 15,3 Litern pro 100 Kilometer letztendlich in vernünftigem Rahmen. Für einen nächsten Trip würden wir ein größeres Fahrzeug wählen und dessen Mehrverbrauch gerne für den deutlich höheren Komfort in Kauf nehmen.

© copyright Otto Kinateder