ELSASS
Erntedank


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Montag, 21.10.2013

Es hat ein wenig gedauert, bis wir alles im Womo verstaut haben. Zudem muss ich im „Freistaat“ noch Micropur zur Wasserentkeimung besorgen. Der Lidl-Markt in Odelzhausen versorgt uns mit Getränken und sonstigen Dingen, die wir in den nächsten Tagen zum Überleben brauchen werden. Gegen 15 Uhr legen wir endlich ab. Auf der A8 zockeln wir Sprit sparend zwischen LKWs Richtung Westen. Die Rush Hour im Raum Stuttgart hält uns nicht wirklich auf. Rosi hat einen Stellplatz bei Rheinstetten südlich von Karlsruhe direkt am Fluss gegoogelt. Dummerweise ist Rheinstetten größer als erwartet, so dass wir uns verfahren. Es ist schon dunkel, als wir endlich am Ziel ankommen. Auf dem großen Platz neben der Fähre steht ein weiterer Wohnmobilist. Was die Fahrer der diversen PKWs hier wollen, erschließt sich uns nicht. Nach dem Abendessen setzen wir uns noch auf die Steinstufen, die zum Wasser führen und schauen auf die vorbei ziehenden Lastkähne.


Dienstag, 22.10.2013

Nach dem Frühstück spazieren wir noch eine Weile durch die Rheinauen. Der Boden ist feucht und schwer. Die Sonne hält sich noch bedeckt. Gegen 10 Uhr brechen wir auf und überqueren den Grenzfluss ins Elsass in Wintersdorf. Das nächste Ziel ist der Forst von Hagenau, wo ebene und geteerte Straßen ein ideales Fahrradgelände darstellen sollen. In Soufflenheim verpasse ich die Abzweigung nach Betschdorf und prompt sind wir direkt nach Hagenau unterwegs. Auch hier erkennen wir nicht, wo die Forstradwege sein sollen. Etwas entnervt fahren wir via Pfaffenhofen nach Bouxwiller. Wir stromern durch den hübschen Ort. In einer kleinen Konditorei und Teestube nehmen wir zum Kaffee die Spezialität des Hauses: einen Schokokuchen praktisch ohne Teig - sehr gehaltvoll. Wir zwingen ihn dennoch und stellen unser Womo danach auf einen Parkplatz oberhalb des Ortes Richtung Bastberg ab. Mit den Fahrrädern erklimmen wir den Bastberg (so viel zu Radeln in der Rheinebene - aber wir strotzen ja gerade vor Schoko-Energie). Rosmarie bandelt mit einem Einheimischen an und erfährt Interessantes von der Umgebung. Den Rückweg vom Berg nehmen wir vorbei an der berühmten Goethe-Linde durch nasses, schweres Gelände. Die Räder sehen jetzt echt übel aus. Wir packen sie weg und die Stühle aus und pflanzen uns in die Sonne. Rosis Sammelleidenschaft führt zu einer vollen Schale Mirabellen. Im Ort besorgen wir noch Wein und Baguette. Nach dem Abendbrot fahre ich das Womo mit den Vorderrädern in den Straßengraben - jetzt stehen wir schön eben. Es soll Regen geben - mal sehen, ob wir dann morgen Früh wieder raus kommen.


Mittwoch, 23.10.2013

Nachts hat es tatsächlich geregnet. Der nasse Graben kann unseren Vorwärtsdrang nicht aufhalten. Einen ersten Stopp machen wir in Neuwiller und besichtigen die Abteikirche Peter und Paul sowie oberhalb die Kirche des hl. Adelphus. Eine schmale einspurige Straße bringt uns durch endlose Laubwälder nach La Petit Pierre. Wir parken in der Nähe des Schlosses und gehen durch den menschenleeren Ort. Die ersten Eindrücke sind recht mondän. Viel gibt es nicht zu entdecken. Schloss und Kapelle sind zügig abgearbeitet. Immer noch sind keine Menschen auf den Straßen, obwohl viele Autos sie säumen. Wir essen im „Weißen Hahn“ zu Mittag. Rosmarie nimmt die Empfehlung des Hauses - gebratene Rinderzunge, ich will unbedingt Tarte Flambe. Beides schmeckt vorzüglich. Das Restaurant füllt sich zusehends. Wo kommen die Leute jetzt her? Zum Glück regnet es kaum noch. Als wir gleich darauf Graufthal mit den bekannten Höhlenwohnungen erreichen, lässt sich bereits die Sonne wieder blicken. Die 2 Euro Eintritt sind keine Fehlinvestition, wenngleich die Besichtigung rasch erledigt ist. Wir fahren weiter nach Saverne. Hier wollen wir am städtischen Parkplatz unterhalb des Schlosses, direkt am Kanal heute Nacht stehen bleiben. Die Koordinaten sind im Navi rasch eingegeben. Es wählt innerorts die kürzeste Verbindung und leitet uns durch sehr enge Gassen - es ist halt ein PKW-Navi - aber wir kommen heil durch. Der Platz ist ideal gelegen, leider überall etwas abschüssig, wir finden ganz am Kanal eine passable Lücke. Wir gehen durch den Schlossgarten nebenan und sind innerhalb von 5 Minuten ums Schloss herum im attraktiven historischen Zentrum. Es ist klein und überschaubar. Der Bummel dauert nur unwesentlich länger. Kurzerhand nehmen wir die (immer noch sehr schmutzigen) Räder und radeln mit ihnen am Kanal flussabwärts. Wir passieren eine ganze Reihe von Schleusen, bis Rosmarie bestimmt, an der nächsten umzukehren. Doch dann kommt keine mehr! Wir wenden. Danach putzen wir noch die Reifen, indem wir durch feuchtes hohes Gras fahren. Ein kurzer Abendspaziergang durch die jetzt menschenleere Altstadt beschließt einen schönen Tag.


Donnerstag, 24.10.2013

Im Chateau du Haut Barr müssen wir keinen Eintritt bezahlen. Mächtig thront die Burg auf steilem rotem Sandstein. Ein Restaurant steht wie ein Fremdkörper im Innenhof. Eine metallene Treppe führt steil nach oben - nichts für schwache Nerven. Die Aussicht dafür ist grandios. Über Lutzelbourg wollen wir anschließend weiter nach Dabo. Da vor einiger Zeit ein Defekt an der Schleuse von Arzviller das Tal überflutet und die Straße unpassierbar gemacht hat, müssen wir umkehren und via D218 nach Süden dorthin. Die Felsformation Rocher de Dabo ist von Weitem zu sehen. Auf ihr thront die Chapelle du Saint Leon. Im Restaurant nehmen wir das Menu du Jour: Pastete recht üppig, Spagetti total verkocht, Nachtisch ok – für 9 Euro darf man nicht meckern. Wir löhnen weitere 2 Euro Eintritt für die kleine Kirche. Die Aussicht vom Turm ist beeindruckend. Der Parkplatz wäre als Stellplatz für die Nacht ideal, da es aber noch früher Nachmittag ist, fahren wir nach Wangenbourg weiter. Der geteerte Platz neben der Touristeninformation dort hat zwar weniger Flair, ist aber trotzdem eine Empfehlung wert. Wir gehen die wenigen Meter zur Burgruine, besteigen auch hier den Turm und sammeln im nahe gelegenen Wald Esskastanien. Mit einem elsässischen Ehepaar und ihren 2 Enkelkindern kommen wir in ein intensives Gespräch. Die beiden Buben interessieren sich für unser Womo und dürfen unser Bad zum Händewaschen nutzen.


Freitag, 25.10.2013

Am nächsten Morgen versteckt sich die Sonne hinter dichten Wolken. Das Office de Tourisme Intercommunal gewährt mir 20 Minuten kostenloses WLAN. Währenddessen tauscht Rosmarie Urlaubserlebnisse mit einem fränkischen Womo-Paar. Ich geselle mich dazu und wir unterhalten uns lange. Eine erste Wanderung führt uns wenige Kilometer südlich zu den Cascades du Nideck. Wir parken am Forsthaus und steigen einen anfänglich schlechten Steig abwärts, der bald darauf entlang einem kleinen Bachlauf sehr angenehm zu gehen ist. Schon ist der Punkt erreicht, wo das Rinnsal 25 m senkrecht nach unten stürzt. Der weitere Weg nach unten zum Fuß des Wasserfalls ist jedoch wegen eines Erdrutsches gesperrt. Damit bleibt uns der Blick auf die Kaskade verwehrt. Wir steigen die wenigen Meter zur Burgruine Nideck auf. Das Ganze ist nicht besonders spektakulär, aber die Wanderung inklusive des Rückwegs zum Forsthaus tut uns gut. Vor der Kirche in Niederhaslach stellen wir unser Womo ab und besichtigen das große Gotteshaus mit den berühmten Glasfenstern aus dem 14. Jh. Bei Rosenwiller besuchen wir den großen jüdischen Friedhof mit etwa 6500 Gräbern. Die Abstände der Steinplatten sind hier weitaus größer, als wir das seinerzeit in Prag gesehen hatten. In Rosheim ganz in der Nähe wollen wir heute übernachten. Der zentrumsnahe Parkplatz ist sehr ordentlich und gepflegt. In einer kleinen Boulangerie essen wir Kaffee und Kuchen. Am Abend stellen wir dann fest, dass das Fassungsvermögen unserer Campingtoilette erschöpft ist. Was tun? Auf dem großen Stellplatz im 10 km entfernten Obernai gibt es Entsorgungsmöglichkeiten. Also siedeln wir bei einbrechender Dunkelheit dorthin um. Bei einem späten Nachtspaziergang stelle ich fest, dass in der attraktiven Altstadt noch richtig was los ist.


Samstag, 26.10.2013

Am Morgen füllen wir noch Frischwasser auf. Mangels Wasserschlauch benutzen wir eine kleine Plastikschüssel, ein etwas mühsames Unterfangen. Zuvor sind wir durch die Gassen des hübschen Städtchens gelaufen und haben im coop-Supermarkt einige Lebensmittel besorgt. Wir wollen noch auf den Aussichtspunkt mit dem gro­ßen Kreuz beim Mémorial hoch fahren und den Blick über die Stadt genießen. Dummerweise verpasse ich die Abzweigung. Wir wenden nicht mehr und landen nach einer kleinen Irrfahrt auf einem kleinen Parkplatz unterhalb von Grendelbruch. Wir verbummeln die Zeit mit Lesen, Sudoku lösen. Rosmarie knackt gefundene Walnüsse. Ich repariere den schaukelnden Fahrradträger. Am Nachmittag erreichen wir Rothau, wo wir auf den angelegten Stellplätzen vor dem Campingplatz übernachten wollen. Der Ort ist ausgesprochen hässlich und ungepflegt. Der Stellplatz selbst an einem kleinen Kanal neben dem Sportgelände ganz ok, wenn nur die sonstige Umgebung nicht wäre. Für 6 Euro haben wir Stromanschluss. Wir gehen noch sehr kurz spazieren und bestellen beim Betreiber des Campingplatzes 2 Baguettes für morgen Früh.


Sonntag, 27.10.2013

Wir haben nicht bedacht, dass heute Nacht die Uhren wegen des Endes der Sommerzeit 1 Stunde zurück gestellt wurden. So ist es um 9 Uhr, als das frische Brot endlich geliefert wird, bereits gefühlt 10 Uhr. Wir haben in der Zwischenzeit die alten Brotreste gegessen. Auf dem Weg nach Le Hohwald ziehen Wolken auf. Wir wandern zur Grand Belle-Vue. Den Weg dorthin finden wir erst nach der korrigierenden Auskunft einer Gruppe Mountainbiker. Viel Aussicht können wir nicht genießen: Baumgruppen versperren die Sicht über die Vogesenlandschaft. Als wir zum Parkplatz am Col du Kreuzweg zurück kommen, beginnt es kräftig zu regnen. Wir nehmen eine kleine Stärkung und fahren weiter zur Cascade du Andlau. Der Waldweg zum Wasserfall ist nur kurz. Auf dem Foto im Führer stürzt mehr Wasser die Felsen herab, als jetzt nach dem Schauer von vorhin - auch gut. Am Übergang der Vogesen in die Rheinebene beginnt die berühmte Weinstraße. In der Nähe von Itterswiller halten wir an einem gepflegten kleinen Parkplatz. Golden leuchtet das Weinlaub in der Sonne vor dunklen Regenwolken - eine Bilderbuchidylle, die wir fotografisch festhalten müssen. In Kintzheim schlagen wir unser Nachtlager auf dem Parkplatz am südlichen Ortsrand auf. Es beginnt zu regnen. Nach Einbruch der Dunkelheit spazieren wir noch kurz durch den menschenleeren Ort.


Montag, 28.10.2013

Heute Nacht hat es kräftig geregnet. Sturm „Christian“ fegt über uns hinweg. Das kann aber den Besuch der Haut-Koenigsbourg nicht behindern. Kurz nach 9 Uhr stehen wir an der Kasse, um zu lesen, dass sie erst in einer halben Stunde öffnen wird. Wegen des frühen Morgens war noch leicht ein naher Parkplatz zu finden und nur wenige Besucher warten mit uns. Knapp 2 Stunden dauert unsere Besichtigung der 750 m hoch gelegenen mittelalterlichen Festung, die von Kaiser Wilhelm II. restauriert worden war. Danach wandern wir bei Sonne und immer noch heftigem Wind zur nebenan gelegenen Ruine Oedenbourg, die wegen Einsturzgefahr abgesperrt ist. Nicht weit entfernt lässt uns Châtenois anhalten. Auf dem Womo-Stellplatz borge ich mir zum Ärger von Rosmarie von einem französischen Reisenden einen Wasserschlauch, um unsere erneut zu Ende gehenden Wasservorräte aufzufüllen. Danach essen wir in einem kleinen Restaurant zu Mittag. Anschließend besichtigen wir den Ort mit der Kirche St.-George mit ihrem markanten Turm. Dambach la Ville liegt etwas weiter nördlich. Wir fahren zur kleinen Kapelle St. Sébastien oberhalb des Orts und spazieren durch die Weinberge. Die wenigen Trauben, die noch an den Rebstöcken hängen, sind zuckersüß. Als wir uns in Bernhardswiller direkt neben dem Friedhof zur Ruhe begeben, regnet es wieder.


Dienstag, 29.10.2013

Heute besuchen wir das Kloster auf dem Odilienberg, den wir in den letzten Tagen umrundet hatten. Zunächst gehen wir außen an der großzügigen Anlage herum und genießen die Aussicht auf die Rheinebene. Danach stellen wir fest, dass die klösterlichen Räumlichkeiten ebenfalls zu besichtigen sind. Im Anschluss fahren wir in Obernai endlich auf den Aussichtberg mit dem Mémorial, wo wir wenige Tage vorher vorbei gefahren waren. Dort unterhalten wir uns lange mit einem mitteilsamen Elsässer und ziehen danach weiter an Strasbourg vorbei in Richtung Grenze. In la Wantzenau packen wir noch einmal die Fahrräder aus und radeln am Rhein entlang zum Kraftwerk bei Gambsheim. Am Abend erreichen wir den schön direkt am Rhein gelegenen Stellplatz in Munchhausen, wo unsere 8-tägige Tour durch das nördliche Elsass endet.

© copyright Otto Kinateder