NORD-DALMATIEN
vor der Saison


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17.03. – Großberghofen – Villach - 373 km

9 Uhr Aufbruch zuhause. Nach 2 km wenden wir, weil Rosi ihre Brille vergessen hat. 9:15 neuer Start. Wir kommen gut durch und kaufen am Rasthof Irschenberg das ‚Pickerl‘ für Österreich und gleich auch die Vignette für Slowenien. Südlich von Salzburg machen wir Mittagspause an der Raststätte Golling. Lukullus meint es heute gut mit uns: hier gibt es nur das Restaurant mit dem ‚M‘ im Logo. Folglich essen wir ein Big-Mac- und ein Royal-TS-Menü mit vergünstigtem Cappuccino zum Abschluss. Vor der Einfahrt in den Tauern-Tunnel hat der Winter die Natur fest im Griff – komplett geschlossene Schneedecke beidseits der Autobahn. Als wir wieder das Tageslicht erreichen, ist vom Winter keine Spur mehr. Perfekt zur Kaffeezeit erreichen wir um 15 Uhr unseren Stellplatz am Roseggerhof kurz hinter Villach. Ein Ehepaar aus Holland, wie wir nach Kroatien unterwegs, heißt uns willkommen. Nach dem obligatorischen Türkentrank drehen wir eine Runde vorbei am Schloss, durch eine doppelreihige Allee mit seltsam gewundenen Ästen, ein Stück an der Drau entlang, vorbei an blühenden Schneeglöckchen, zur und in die Pfarrkirche und durch den Ort zum Womo zurück. Abends wird es kalt. Deshalb machen wir die Heizung an und nehmen doch Strom.


18.03. – Villach – Krk – 252 km

Es ist weiß draußen! Kein Schnee - Nebel! Nach einem kurzen „Drinnen“-Frühstück kappen wir die Halteseile. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die nördliche Einfahrt des Karawanken-Tunnels und löhnen 7 € Wegezoll. Wegen Bauarbeiten ist Blockabfertigung. Das bedeutet eine halbe Stunden warten. Die Sonne lässt sich kurz blicken, bevor uns die dunkle Tunnelröhre verschluckt. 60 km/h sind erlaubt. Vor und hinter uns donnern die großen LKW mit 90 km/h auf der einzigen offenen Fahrspur. Da heißt es mithalten! Als wir die Autobahn Richtung Triest bereits nach Süden Richtung Rijeka verlassen haben, gibt es auf einem sonnigen Rastplatz eine Orange (Rosi) bzw. einen Apfel (Otto). Die Straße ist jetzt sehr kurvenreich, so dass wir nun wesentlich langsamer vorwärts kommen. Macht aber nichts – wir haben Zeit! An der kroatischen Grenze müssen wir bei der Ausreise aus Slowenien unsere Pässe zeigen und nur 1 Minute später bei der Einreise gleich wieder – das sind wir ‚Europäer‘ gar nicht mehr gewohnt. Die Autobahngebühr von hier bis Rijeka beträgt günstige 15 Kuna oder 2 Euro. In einer Wechselstube haben wir uns kurz vor der Grenze schon mit etwas kroatischem Kleingeld im Wert von 20 € ausgestattet. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir die felsig-öde Küste entlang bis Šmrika, von wo wir gegen eine Brückengebühr von 46 Kuna die 1,5 km auf die Insel Krk ‚übersetzen‘. Die folgenden 20 km bis zur Stadt Krk führen durch eine vegetationsarme Landschaft. Der einzige um diese Jahreszeit geöffnete Campingplatz Bor ist schnell gefunden. Oh Schreck – er liegt ja oberhalb der Stadt und gar nicht am Meer! Etwas enttäuscht besichtigen wir - mangels Alternativen - das Gelände und suchen einen schönen Platz. Letztlich gefällt uns doch recht gut hier. Zu Fuß bummeln wir an den Hafen, trinken im einzigen offenen Cafe einen Cappuccino, laufen weiter an der schönen Promenade an der Burg vorbei und durch die malerischen und menschenleeren Altstadtgassen.


19.03. – Krk – 0 km

Um 10 Uhr brechen wir auf zur Wanderung „Auf den Wegen goldener Tropfen des Schatzes von Krk“. Der Schatz von Krk ist Olivenöl. Den Hinweis hatten wir gestern auf einem Plakat in der Stadt entdeckt und an der Rezeption des Camps auf Nachfrage eine entsprechende Karte erhalten. Und ideal für uns – der Rundweg startet direkt vor dem Campingplatz. Die weiße Markierung mit dem roten Ring ist nicht zu übersehen. Für die 12 Kilometer sind 4 Stunden veranschlagt. Wir planen sogar mit mehr Zeit. Wir hoffen in Vrh oder Kosić bei einem Bauern Olivenöl kaufen zu können. Zunächst bewegen wir uns zwischen Steinmauern, die die ganze Umgebung durchziehen. Olivenbäume finden hinter ihnen Schutz. Rosi entdeckt Veilchen, Alpenveilchen, Krokusse, Scharbockskraut, Nieswurz, Traubenhyazinthen – unglaublich was sie alles sieht und kennt! Mitunter ist der Weg anstrengend zu gehen, wenn er sich auf losem Geröll zwischen den steinernen Mauern windet - eine „steinreiche“ Gegend! Mit der Karte wäre die Orientierung in der Natur gar nicht so einfach. Zum Glück sind die Markierungen nicht zu übersehen. Aber nach etwa 1 Stunde stehen wir plötzlich vor einer Barriere. Der Pfad endet an einem Durchlass einer Mauer, der mit aufgerichteten Steinen zugemauert ist. Die Markierung hier wurde sogar hinter Gestrüpp versteckt. Über die Mauer können oder wollen wir nicht klettern. Beim Versuch, die Stelle zu umgehen, enden wir immer wieder an steinernen Wällen. Wir gehen zurück und versuchen unser Glück auf einem Weg ohne Markierungen, der aber irgendwann auf einer Lichtung im dichten Wald endet. Jemand scheint hier seinen „goldenen Schatz“ ganz besonders schützen zu wollen. 1 Stunde lang suchen wir erfolglos weiter zu kommen, dann nehmen wir uns ein alternatives Ziel vor. Die Bucht L. Sv. Juraj liegt 45 Minuten von hier. Mehrere Tiergatter wollen geöffnet und geschlossen werden, bevor wir inmitten einer Schafherde stehen. Inmitten ist eigentlich falsch. Die ängstlichen Tiere laufen laut blökend davon, sobald wir uns ihnen nähern. Unsere 2 mitgebrachten Äpfel bilden unser Mittagessen in der Öde und durch ein trockenes Bachbett erreichen wir die einsam gelegene Bucht. Ein Privathaus steht hier in exponierter Lage. Wir setzen uns auf einen Felsen und lassen Füße und Seele baumeln. Auf dem Rückweg treffen wir Arbeiter beim auffrischen der Wegemarkierungen. Sie haben die blockierte Stelle bereits selbst entdeckt. Sie sei von einem Egoisten errichtet, der den öffentlichen Weg durch sein privates Land nicht mehr dulde. Sei`s drum. Um 15 Uhr sind wir wieder zurück im Camp Bor. Otto geht noch hinunter in den Ort Gemüse kaufen – und vor allem was Süßes zum Kaffee! Der abendliche Bummel durch die Altstadt ist nur von kurzer Dauer. Es ist zu kühl, um draußen zu sitzen.


20.03. Krk – Punat – Baška – Krk – 74 km

Um 9 Uhr verlassen wir Camp Bor und bezahlen für die 2 Nächte plus ½ Liter Olivenöl 435 Kuna (knapp 60 Euro). Dabei lassen wir offen, ob wir am Abend eventuell wieder kommen. Der Sohn des Besitzers hat uns für die Nachbarstadt Punat einen Parkplatz-Tipp mitgegeben. Der Ort ist bekannt für seinen Hafen für Sportboote und Yachten. Jetzt in der Vorsaison ist nichts los. Wir wollen mit einem Wassertaxi auf die kleine Insel Košljun mit seinem Franziskaner-Kloster übersetzen. Alle Ticket-Büros sind geschlossen. Wir sprechen einen Arbeiter am Kai an. Hilfsbereit zückt er sein Mobiltelefon und im nächsten Augenblick steht ein Taxi-Kapitän vor uns. Wortreich bietet er uns seine Dienste an und verlangt am Ende 330 Kuna für die Tour für uns beide, die laut Preisaushang 20 Kuna pro Person kosten sollte. Letztlich willigen wir ein, da wir keine Alternative sehen. Am Schluss werden wir erkennen, dass die teure Variante durchaus von Vorteil war: er bleibt die ganzen 2 Stunden bei uns und erklärt die Exponate im kleinen Museum. Eine Führung durch das Konvent hätten wir ohne ihn nicht erhalten. Wir wären alleine vermutlich bereits an der Pforte gescheitert. Das Städtchen Punat bietet uns außer einem Cappuccino in einem gemütlichen Straßencafe nichts weiter. Wir fahren nach Stara Baška. Der Campingplatz vor dem Ort wird massiv renoviert. Große Baumaschinen sind im Einsatz. Letztlich verwehren uns die Arbeiten sogar den Strandzugang. Enttäuscht wenden wir uns dem südlichsten Ort auf Krk – Baška – zu. Im Internet wirbt Camp Mali damit, dass es auch jetzt geöffnet ist. Das Gelände ist leer und gar nicht einladend, Personal keines zu entdecken. Wir setzen uns an den wunderschönen Kiesstrand und trinken erst noch mal Kaffee. Nein, hier wollen wir nicht bleiben. Wir kehren zu unserem bewährten Camp Bor in Krk zurück.


21.03. Krk – Senj – Tribanj – 176 km

Wir verlassen Camp Bor zum zweiten Mal. In Krk erhalten wir noch Bargeld, Obst, Gemüse, Brot und das unerlässliche Kaffeegebäck. Bis zur Festlandsbrücke im Norden der Insel sind es etwa 25 Kilometer. Heute (oder in diese Richtung) fällt keine Brückenmaut an. Auf dem Festland wählen wir die Küstenstraße Richtung Südosten. Eine Weile begleitet uns meerseitig die karge Insel Krk und wird praktisch übergangslos von der genauso öden Insel Rab abgelöst. Links schauen schneebedeckte Berge auf uns herab. Die Fahrt bis Senj, wo wir gegen Mittag ankommen, ist kurzweilig. Die Parkplatzsuche erweist sich als komplex. Erst am Ortsende unterhalb der Festung Nehaj tut sich eine geeignete Möglichkeit auf. Wir laufen um das Kastell herum, es ist erst ab Mai geöffnet. Im hübschen Zentrum besichtigen wir die romanische Kathedrale. Wir finden viele Hinweise auf die alte glagolitische Schrift. Doch bald ist unser Wissensdurst gestillt und die müden Körper benötigen Coffein-Nachschub. Frisch gestärkt brechen wir wieder auf. Die dalmatinische Küste hat unzählige enge kleine Buchten auf der Strecke nach Starigrad. Wir umrunden sie alle! Die Straße ist unglaublich kurvenreich, die Aussicht phantastisch. Mit jedem zurückgelegten Kilometer verliert das Ganze aber rasch an Reiz. Für 100 Kilometer benötigen wir mehr als 2 Stunden. Kurz vor unserem eigentlichen Ziel Starigrad entdecken wir bei Tribanj einen kleinen, direkt am Meer gelegenen und geöffneten Campingplatz Namens „CTTT“. Genug der Lenkrad-Kurbelei – hier bleiben wir! Die Ausstattung ist einfach aber sauber. Wir sitzen gemütlich in der Nachmittagssonne und lassen den Abend mit seiner Bilderbuchaussicht kommen.


22.03. – Tribanj – Starigrad – 15 km

Heute ist der Himmel wolkenverhangen. Vielleicht ist das sogar das richtige Wetter für die Wanderung im Paklenica Nationalpark. Wir brechen unsere Zelte ab, tanken Frischwasser, bezahlen 100 Kuna für die Nacht, verabschieden uns von den Camper-Nachbarn und sind gleich darauf in Starigrad. Der Stellplatz des Nationalparks liegt schön am Meer. Wir beziehen einen Logenplatz direkt am Wasser. Nach einem zweiten Kaffee schnüren wir die Trekkingschuhe und gehen los. Bis zur Rezeption am Parkeingang sind wir knapp 1 Stunde unterwegs. Hier nimmt man uns 80 Kuna Eintrittsgeld ab. Wir finden, für ein wenig Wandern in (zugegeben wunderschöner) Natur ist das deftig. Der Canyon wird jetzt immer enger. Kletterer üben an den senkrecht aufsteigenden Wänden. Es ist schön hier. Der Weg windet sich nach oben. Auf einer Bank unterhalb des 712 m hohen Anica kuk ist kurze Mittagsrast (je ½ Apfel). Gleich darauf wird der Weg ebener und leichter zu gehen. Einige hundert Meter nach dem Abzweig zur Manita pec Höhle – sie ist erst ab Mai geöffnet – wenden wir. Wir sind jetzt schon 2 Stunden unterwegs und müssen die gleiche Strecke ja auch wieder zurück. Als wir den Campingplatz erreichen, beginnt es leicht zu regnen. Wir fahren die Markise aus und setzen uns in ihren Schutz.


23.03. – Starigrad – Lozovac – 126 km

Der Himmel ist wolkenlos und die Sonne strahlt, als hätte es kein gestern gegeben. Unter diesen Bedingungen wollen wir heute noch in den Krka Nationalpark fahren und den morgigen Tag bei den Wasserfällen verbringen, bevor Mittwoch wieder Regen kommt. Wir verabschieden uns von den „Altöttingern“, die uns noch einen Stellplatz-Tipp für die Insel Pag mitgeben und nutzen für die nächsten 75 Kilometer die Autobahn (47 HRK). Die Außentemperatur wird mit 19° angezeigt – phantastisch! An der türkisfarbenen Krka bei Skradin kommen wir in ersten Nationalpark-Kontakt. Gleich darauf erreichen wir Lozovac. Wir halten vor dem Camp Krka. Schon kommt die Besitzerin des nebenan gelegenen Camp Marina angelaufen und bittet uns in ihr Domizil. Rosi hatte schon recht gute Bewertungen zu diesem Platz gelesen, also folgen wir gehorsam. Der Empfang ist familiär freundlich, es gibt sogar einen Willkommenskaffee. Wir beziehen einen Platz an der Sonne. In den Unterlagen finden wir einen Flyer für einen geführten Ganztagesausflug in den Nationalpark für 42 Euro pro Person. Der Sohn des Hauses verspricht uns, sich für morgen darum zu kümmern. Wir besichtigen heute noch die Stadt Šibenik und erhalten Anschauungsmaterial und einen Parkplatztipp. Die Altstadt ist sehenswert. Nach Besichtigung der Katedrala Sv. Jakova, sie gehört zum Weltkulturerbes der UNESCO, stapfen wir durch schmale Gassen hinauf zum Friedhof unterhalb der Festung St. Anna, von wo wir den Ausblick über die Stadt genießen. Über die Hafenpromenade gelangen wir zurück zum Parkplatz. Wolken, von einem frischen Wind vor sich her getrieben, ziehen auf.


24.03. – Krka Nationalpark – 0 km

Hoffentlich hält das schöne Wetter heute durch. Die Prognose kündigt Regen an. Zoran, der Chef des Camps persönlich, holt uns für die Ganztages-Exkursion mit seinem Kleinbus ab, der Schiffsverkehr auf der Krka hat noch nicht begonnen. Das erste Ziel sind die Wasserfälle bzw. die Flusslandschaft bei Skradinski buk. Zoran führt uns zur Wassermühle und demonstriert, dass sie auch heute noch zur Maismehlgewinnung genutzt werden könnte. Nur Wasserkraft und Mechanik setzen die großen schweren Mahlsteine in Bewegung. Daneben befindet sich ein in den Felsen gehauener Wachzuber, dessen Form das durchströmende Wasser kräftig verwirbelt. Auf massiven Stegen wandern wir alleine über das verzweigte Flusssystem und die vielen Inseln dazwischen. Mächtig tost die Krka aus allen Ecken und stürzt die Kaskaden hinab. Der Rundweg nimmt etwa 1 Stunde in Anspruch und gefällt uns sehr. Anschließend fährt Zoran mit uns zu einem Aussichtspunkt auf das Tal des Nebenflusses Čikola. Das Kloster Visovac auf einer Insel in der zum Visovac-See aufgestauten Krka ist derzeit nicht zu besichtigen, da noch keine Schiffe fahren. Wir halten es nur fotografisch von oben fest. Oberhalb der Roški Slap Katarakte setzt uns Zoran aus und erklärt uns den Weg über die mehr als 700 Stufen nach unten und dort über 2 Brücken über die flachen Kaskaden. Der tolle Blick von oben wie auch der nahe Kontakt zum Wasser unten lohnen den Spaziergang, an dessen Ende unser Chauffeur wieder auf uns wartet. Dort in der alten Mühle erhalten wir ein deftiges kaltes Mittagessen aus Brot, Käse, Wurst, Schinken, Speck, Gurken und Oliven, sowie Wasser und Wein. Davor gibt es als Aperitif einen Lozovaca (Weinbrand). Der Alkohol steigt uns ganz schön zu Kopf. Der alte Wirt setzt sich zu uns und erzählt von seinen weniger schönen Erlebnissen aus der Tito-Zeit. Nach der Weiterfahrt erreichen wir das serbisch-orthodoxe Kloster Krka, das eigentlich Sveti Arhandel heißt. Es ist leider geschlossen und für uns nicht zu besichtigen. Vorbei an den Ausgrabungen der römischen Siedlung Burnum landen wir schließlich am Manojlovac slap, wo die Krka 32 m in die Tiefe stürzt. Wir wandern hier kurz auf den Spuren des österreichischen Kaisers Franz Joseph und seiner Frau Sissi. Der nördlichste Punkt unserer Tour ist Knin. Hier ist der 1. Fall der Krka, den wir mit inzwischen nachlassender Begeisterung wahrnehmen. Wir (besonders Otto) sind rechtschaffen müde und nehmen von der Rückfahrt nicht mehr allzu viel mit. Zusammenfassend stellen wir aber begeistert fest, dass die 42 Euro pro Person für das gebotene Programm inklusive Eintrittsgeld und Essen jeden Cent wert waren. Alleine hätten wir einen Großteil der Sehenswürdigkeiten nicht erreicht oder gefunden.


25.03. Skradin – 12 km

Der prognostizierte Regentag. Gestern Abend hat der Himmel seine Schleusen geöffnet und jetzt gegen Mittag dreht Petrus den Wasserhahn wieder zu. Wir haben die Zeit zum Schlafen, Essen, Spielen und Lesen genutzt. War gar nicht so schlimm. Am Nachmittag fahren wir mit dem Womo zum anderen Parkeingang in Skradin. Zunächst kaufen wir einige Lebensmittel und bummeln an der Marina an zahlreichen stattlichen Yachten entlang. Wir steigen hoch zum verfallenen Kastell und wandern oben auf der Anhöhe durch Pinienwald, bis wir an einer kleinen Kirche mit Friedhof ankommen. Diverse Grabsteine tragen kyrillische Inschriften. An verfallenen Häusern vorbei landen wir in der schmucken aber leeren Altstadt. Zuletzt gehen wir noch am Ufer der Krka entlang bis zum Nationalpark-Eingang. Ab hier ist der Weg gebührenpflichtig, wir kehren um.


26.03. Lozovac – Pag – 149 km

Wie viel schöner doch ein sonniger Morgen ist! Nach dem Frühstück machen wir uns zur Abreise bereit. Das Camp Marina kostet pro Tag nur 90 Kuna (12 Euro). Wir fahren über Šibenik auf der Küstenstraße E65 Richtung Norden mit dem Ziel Zadar. Rosi hat die Idee, diese Stadt besser erst am Sonntag zu besichtigen, wenn weniger Verkehr ist. Dann macht es aber auch Sinn, heute schon auf die nördlich davon gelegene Insel Pag zu fahren, von der wir am Ende sowieso wieder den gleichen Weg zurück müssen. Die Wolkendecke ist geschlossen, es weht ein heftiger Wind. Zadar ist rasch umrundet. An der Brücke auf die Insel Pag machen wir Mittagspause und ein paar Fotos. Auf der anderen Seite ist ein verfallenes Gemäuer. Eine gut ausgebaute Straße führt dorthin. Den früheren Zweck des Bauwerks erkennen wir nicht. Noch unklarer ist aber das unterhalb liegende Hafengelände, vor dem ein abgewrackter großer Kahn dümpelt. Überall liegt Müll bzw. Abfall herum. Ein uralter Wohnwagen und ein ausgebrannter Transporter runden das Bild ab. Das Ganze wird von Katzen bewacht, Rosi zählt mindestens 8. Jetzt aber weiter! Die Ostseite von Pag, wo wir uns im Augenblick befinden, ist völlig kahl. Sie sieht aus, wie ein überdimensional großer nackter Felsen. Bald erreichen wir die gleichnamige Inselhauptstadt. Ihre bunten Häuser stehen im Kontrast zu ihrer Umgebung. Jetzt reißt auch noch der Himmel auf, bereichert das Ensemble um Azurblau und schickt wärmende Sonnenstrahlen. Das riesige Areal des Camping Village Šimuni mit mehr als 1000 Stellplätzen liegt idyllisch in einer Pinien-bewaldeten Bucht an der Westküste. Im Augenblick sind mehr Handwerker und Bauarbeiter als Gäste da. Die Anlage ist in einem katastrophalen Zustand: verkommene Wohnwagen von Dauercampern, dazwischen Pinienäste und -zweige von einem zurückliegenden Frühjahrssturm abgeladen, die Sanitärgebäude in einem erbarmungswürdigen Zustand. Wie das alles wohl in der Saison aussieht? Wir bleiben trotzdem, weil es der einzige offene Platz auf der ganzen Insel ist und belegen einen sonnigen Platz am Meer. Und mit Blick aufs Wasser und dem Rücken zum Rest wird es sogar noch richtig idyllisch.


27.03. Tovarnele – Novalja – 78 km

Wir beginnen unsere Inselbesichtigung im kleinen Küstenort Mandre, wo wir zunächst Brot und Gemüse kaufen. Am Fischereihafen ist kein Betrieb, das Tourist-Büro geschlossen. Das Wasser ist wieder kristallklar, die Umgebung ungewohnt sauber und aufgeräumt. Wir starten durch an die Nordspitze der Insel. Das Dörfchen Tovarnele markiert das Ende. Vor der steil abschüssigen Einbahnstraße hinab ins Zentrum steht ein rechteckiges blaues Verkehrszeichen mit durchgestrichenem Wohnmobil, das wir unterschiedlich interpretieren. Rosi meint, es bedeutet Verbot der Einfahrt für Womos, Otto hält es für ein Campingverbot. Er setzt sich durch und fährt weiter. Der Ort gibt letztlich nichts her, so dass wir ihn nach kurzem Spaziergang an der Uferpromenade wieder verlassen. Es beginnt zu tropfen, Wind kommt auf. In den Olivenhainen von Lun halten wir trotzdem und stromern zwischen den alten Bäumen hindurch. Es handelt sich um wilde, nicht veredelte, Burschen mit knorrigen Stämmen – schön! In Novalja parken wir am Ende des Zentrums und ziehen zusammen mit dem Wind durch die Gassen. Hier sind wenigstens ein paar Menschen auf den Straßen und in den Cafes. Trotz Sonne ist es Otto zu frisch zum draußen Sitzen. Wir suchen einen windgeschützten und schönen Platz, um dort genüsslich Tomaten mit Mozzarella zu essen. Dazu wählen wir den Strand von Zrće. Im Sommer ist das die Partymeile des Mittelmeers, wir hoffen jetzt auf ein lauschiges Plätzchen. Beim Öffnen der Tür wird sie fast aus der Hand gerissen! Mist – wir sind ja auf der Ostseite der Insel, die im Moment der Bora voll ausgesetzt ist. Gegessen wird drinnen, dann wagen wir uns an eine Strandbesichtigung. Der Sturm peitscht das Wasser gegen die Küste und lässt uns kaum vorwärts kommen. So heftig haben wir das selbst an der dänischen Nordseeküste selten erlebt. Das Gelände ist einmal mehr komplette Baustelle, auf der bis zur Saisoneröffnung noch reichlich zu tun ist. Wir brechen unser Ausflugsprogramm ab und fahren zurück auf den Campingplatz auf der windabgewandten Westseite der Insel. Kaffee wird noch tapfer draußen getrunken, doch beim Tagebuch-Schreiben kapituliert Otto trotz Sonne vor dem heftigen Wind.


28.03. Pag – Nin – 70 km

Wir haben gestern Abend noch lange mit Nachbarn aus unserem Nachbarlandkreis zuhause gequatscht. Dabei erfuhren wir, dass wegen der Bora die Brücke zurück aufs Festland gesperrt ist. Heute Morgen ist deutlich weniger Wind, wir brechen unsere Zelte ab. An der Rezeption teilt man uns mit, dass der Weg von der Insel weiterhin blockiert sei. Trotzdem checken wir aus. Wir haben von dem Chaos auf dem Platz die Nase voll. Wenn gar nicht anders möglich, kommen wir halt wieder. Auf der Passhöhe oberhalb der Inselhauptstadt stoppen wir für ein Foto. Rosi kann die Beifahrertür nicht öffnen, so heftig hält der eisige Sturm dagegen. Unten im Tal in Pag parken wir vor einem Einkaufszentrum. Hier ist der Wind kaum zu spüren, die Sonne wärmt merklich. Wir bummeln durch die malerische Altstadt und gesellen uns zu den jungen Menschen eines gut besuchten Straßencafes. Auf Nachfrage erhalten wir die Information, dass die Brücke immer noch gesperrt ist. Wir lassen uns weiter durch die Gassen treiben, erledigen noch einige Besorgungen und fahren weiter in die ehemalige historische Altstadt von Pag, 1 Kilometer außerhalb. Es gibt noch Reste der Stadtbefestigung, Ruinen eines Benediktiner- und eines Franziskaner-Klosters. Wir wandern noch ein Stück den Hang hinauf und genießen die Aussicht auf den Ort und die hohen Berge des Festlands östlich dahinter. Vor dem Womo genießen wir mit Schafskäse gefülltes Burek aus der Bäckerei von vorhin. Jetzt ist es 14 Uhr, unser Aussichtsprogramm abgeschlossen – wir würden die Insel gerne verlassen. Auf telefonische Nachfrage erfahren wir, dass die Brücke seit 1 Stunde wieder geöffnet ist. Nach gut 20 km verabschieden wir uns von der wilden Schönheit Pag. Und schon um 15 Uhr, pünktlich zur Kaffeezeit treffen wir im Camp Peros bei Zaton ein. Das obstgartenähnliche Wiesengrundstück und die Sanitärräume sind sehr gepflegt. Als uns Maria auch noch anbietet, dass wir wegen der Kühle im Sanitärgebäude das Bad eines Mobilheims daneben benutzen können, ist die Welt in bester Ordnung! Wir schwingen uns auf die Fahrräder und sind Minuten später in Nin. Der alte Ort liegt auf einer Halbinsel und ist eine Augenweide. Auch hier sind – der Sonne und dem Wochenende sei Dank – Menschen auf den Straßen. Auf unseren Pedaleseln haben wir das Szenario bald durchquert und umrundet. Wir setzen uns auf eine Parkbank und können uns an der Postkartenidylle gar nicht satt sehen. Die hohen Berge im Osten, teilweise schneebedeckt, leuchten in der tief stehenden Abendsonne um die Wette.


29.03. Zadar – 30 km

Maria an der Rezeption hat uns freundlich versichert, dass wir die Parkplätze an der Jazine-Bucht vor den Toren der Altstadt mit dem Womo nutzen dürfen. Damit steht dem Ausflug dorthin nichts mehr im Weg. Beim Kapitänsturm beginnt unser Spaziergang durch die belebten Gassen und Straßen. Die meisten Menschen tragen Olivenzweige – es ist Palmsonntag. Vor der Marienkirche warten wir zusammen mit einem Fernsehteam auf den Auszug des Bischofs und seines klerikalen Gefolges. Danach können wir das Gotteshaus in Ruhe besichtigen. Die Meeresorgel am Ende der Landzunge lockt uns und viele andere Passanten mit ihren magischen Klängen. Im Cafe daneben verweilen wir ein wenig. Wir umrunden die nördliche Altstadt außerhalb der Mauern und betreten sie durch das See-Tor wieder. In der Kathedrale der Hl. Anastasia hält der Bischof gerade den nächsten Festgottesdienst, dessen Ende wir beiwohnen. Der Chor und die Akustik beeindrucken mit russisch anmutenden Klängen. Es herrscht eine festliche Stimmung – schön! Am Ende des Rundgangs verlassen wir die Stadt an der Universität. Wir verweilen noch auf einer Parkbank an der Jazine-Bucht und träumen…...


30.03. Nin – Zadar – 0 km

Gestern Abend sind Anita und Franz angekommen. Sie sind die gesamte Strecke von zuhause bis hierher in einem Stück durchgefahren! Gemeinsam mit ihnen spazieren wir nach Nin und bummeln durch die stari grad. Leider ist der Himmel bewölkt und der Wind frisch. Mittags kommt die Sonne zurück. Die beiden Freunde nehmen uns mit nach Zadar. Wir gehen auf ähnlichen Wegen, wie am Tag zuvor. Es ist wieder sehr schön, besonders in so angenehmer Begleitung. Die Rückfahrt gestaltet sich unerwartet schwierig, als Franz aus dem Parkplatz raus nicht in die gewünschte Richtung abbiegen kann und wir danach durch Einbahnstraßen und Baustellen fehlgeleitet werden. Am Ende lassen wir uns vom Navi durch enge Straßen eines Wohngebiets aus der Stadt lotsen. Wir fahren noch zum Salzmuseum in Nin, das aber geschlossen hat. Auf dem Hügel der Kirche des Sv. Nikola aus dem 9. Jahrhundert drehen wir eine letzte Runde und sind gleich darauf zurück im Camp Peros. Das Abendessen genießen wir zusammen im Restaurant Becks in Nin.


31.03. Nin – Villach – 459 km

Nach dem gemeinsamen Frühstück vor den Womos verabschieden wir uns von Anita und Franz. Für die Beiden hat der Osterurlaub gerade begonnen. Wir begeben uns auf die Heimreise über die Autobahn nach Nordwesten, die wir bei Brlog Richtung Senj verlassen. Von dort nimmt uns die Küstenstraße mit nach Rijeka. Ohne Stopp durchqueren wir Slowenien vorbei an Ljubljana und erreichen Österreich nach dem Karawanken-Tunnel. Die letzten Kilometer zum Gasthof Fruhmann in Wernberg bei Villach lotst uns das Navi auf engen Kleinststraßen. Der Übernachtungsplatz dort ist einfach aber kostenlos, das Essen im gut besuchten Restaurant schmeckt vorzüglich.


01.04. Villach – Großberghofen – 362 km

Von der letzten Etappe gibt es nicht mehr viel zu berichten. Vor dem Tauerntunnel müssen wir etwa eine halbe Stunde warten – Sperrung wegen Scheeräumarbeiten! Am Chiemsee ein kurzer Halt bei Sonne und heftigem Wind, gleich darauf wieder Regen.


Resümee

Die dalmatinische Küste war karg, das Meerwasser kristallklar, wie erwartet. Es war wärmer als zur gleichen Zeit in Deutschland, aber trotzdem teilweise recht kühl. Die Bäume waren kahl, einzig die Mandelbäume blühten. Ein nächstes Mal würden wir 4 Wochen später reisen, in der Hoffnung auf höhere Temperaturen und fortgeschrittene Vegetation - alternativ in der Nachsaison ab Mitte September. Auf keinen Fall aber werden wir diese schöne Region in der Hochsaison besuchen. Campingplätze für Massentourismus für bis zu 10.000 Personen schrecken uns ab.

© copyright Otto Kinateder